Mülldeponie Künsebeck: Bürgergemeinschaft setzt ihre Ziele durch

Streitthema Deponieberg: Die Künsebecker stimmen mehrheitlich für eine ruhige, naturnahe Nachnutzung. Zuvor entwickelt sich allerdings eine zähe, unergiebige Debatte

Ekkehard Hufendiek

Umstrittene Zukunft: Die einstige Mülldeponie in Künsebeck bleibt auch inhaltlich eine Baustelle. - © Herbert Gontek
Umstrittene Zukunft: Die einstige Mülldeponie in Künsebeck bleibt auch inhaltlich eine Baustelle. (© Herbert Gontek)

Halle-Künsebeck. Mehr als eine Stunde haben einige Anwohner der Deponie in Künsebeck am vergangenen Dienstagabend debattiert und teilweise viel Dampf abgelassen. Zum wiederholten Mal wetterten sie gegen Müll, Wohnmobile und potenzielle Partygänger auf dem zur Renaturierung freigegebenen Müllberg vor ihrer Haustür.

Dabei hatte die Interessengemeinschaft Künsebecker Bürger (IGKB) es gut gemeint und wohl eher auf konstruktive Ideen oder sogar Zustimmung für ihren Vorschlag einer ruhigen, naturnahen Nachnutzung gehofft. Am Ende löste sich die zähe Diskussion in Wohlgefallen auf und es stimmten immerhin 22 der 25 anwesenden Künsebecker für den Vorschlag der IGKB. Auch die Wortführer der Verärgerten. Es gab nur eine Gegenstimme und zwei Enthaltungen.

Der IGKB-Vorsitzende Kai Drees schien seine Pappenheimer gut zu kennen und versuchte offenbar, eine unergiebige Debatte zu vermeiden. Er eröffnete die Veranstaltung im Künsebecker Gemeindehaus mit versöhnlichen Worten: „Es wird nichts auf dem Müllberg gebaut, die Sorge kann ich schon mal nehmen." Der vorhandene Zaun bleibe bestehen. Auch der vorgeschriebene Abstand zum Uhu, der im benachbarten Kalkwerk Müller niste, sei gewährleistet. Zudem sehe der Gütersloher Betreiber, die Gesellschaft zur Entsorgung von Abfällen (GEG), bislang keine Schwierigkeiten bei der vorgesehenen Nachnutzung. Kai Drees betonte: „Dass man die Aussicht genießen kann, da langlaufen kann – mehr soll da oben nicht sein." Jetzt gehe es eigentlich nur noch um den Erhalt von Fördergeldern.

IGKB-Erfolg auf ganzer Linie

Im Gemeindehaus: Die Mitglieder der Interessengemeinschaft Künsebecker Bürger (IGKB) Jörg-Olaf Knufinke (von links), Friederike Hegemann, Silke Fronemann, Gastreferentin Mareike Bußkamp und Vorsitzender Kai Drees haben mit Künsebeckern eine ruhige und naturnahe Nachnutzung der Deponie diskutiert. - © Ekkehard Hufendiek
Im Gemeindehaus: Die Mitglieder der Interessengemeinschaft Künsebecker Bürger (IGKB) Jörg-Olaf Knufinke (von links), Friederike Hegemann, Silke Fronemann, Gastreferentin Mareike Bußkamp und Vorsitzender Kai Drees haben mit Künsebeckern eine ruhige und naturnahe Nachnutzung der Deponie diskutiert. (© Ekkehard Hufendiek)

Dazu übergab er das Wort an Gastreferentin Mareike Bußkamp. Die Regionalmanagerin stellte ihren Gütersloher Verein mit dem sperrigen Kürzel LAG GT 8 vor. Der hat sich der nachhaltigen Entwicklung des ländlichen Raumes verschrieben und zapft für gemeinnützige Projekte Geld an. Vereinsmitglieder sind unter anderem die Stadt Halle, die Caritas, der Kreisheimatverein oder der Westfälisch-Lippische Landesverband. Bis zu 150.000 Euro stellte die Regionalmanagerin für die Nachnutzung des Müllberges in Aussicht, bei einer Förderquote von 65 Prozent. Voraussetzung für den Erhalt sei, dass die Nachnutzung innovativ und eine große Bedeutung für die gesamte Region hat.

Daraufhin regte sich Widerstand: „Müssen wir das überhaupt finanzieren lassen, oder ist das nicht sowieso selbstverständlich schon da?", fragte Hermann Künsemöller die Teilnehmer des Workshops. Ein anderer schlug vor, „einfach gar nichts" zu machen und die Natur sich selbst zu überlassen. Kurt Picker schlug in die gleiche Kerbe und warnte vor den Folgen der Abfälle: „Das ist ein Geschwür, was da liegt."

Die Debatte setzte sich fort, bis Friederike Hegemann von der IGKB klarstellte: „Man möchte uns was Gutes tun." Am Ende stimmten die Künsebecker per Handzeichen für Bänke, ein Drehkreuz und einen beschilderten Wanderweg – genau so, wie es von der IGKB vorgesehen war.

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