Nächtliche Einigung bei Gerry Weber

Vorstand, Betriebsrat und IG Metall beschließen ein Eckpunktepapier für den Sanierungstarifvertrag und den Sozialplan beim kriselnden Modekonzern. Die Einigung muss auf beiden Seiten allerdings noch einige Hürden nehmen

Marc Uthmann

Vorstand, Betriebsrat und IG Metall beschließen ein Eckpunktepapier für den Sanierungstarifvertrag und den Sozialplan. - © Nicole Donath, HK,HK
Vorstand, Betriebsrat und IG Metall beschließen ein Eckpunktepapier für den Sanierungstarifvertrag und den Sozialplan. (© Nicole Donath, HK,HK)

Halle. Bis um 2.30 Uhr am Dienstagmorgen dauerte der Verhandlungsmarathon. Dann hatten der Betriebsrat des kriselnden Modekonzerns Gerry Weber und die Gewerkschaft IG Metall in den Gesprächen mit dem Vorstand nach eigenen Angaben einen Durchbruch erzielt. Man habe sich mit den Verantwortlichen des Management einigen können, berichtete der Betriebsratsvorsitzende Lutz Bormann am Vormittag dem Haller Kreisblatt.

"Entwurfspapiere für einen Sanierungstarifvertrag und einen Interessenausgleich sind mit dem Vorstand zustande gekommen", erklärte ein zugleich übernächtigter und erleichterter Betriebsratsvorsitzender. Allerdings stehe die Einigung noch unter manchem Vorbehalt. "Final werden diese Entwürfe erst mit der Zustimmung der jeweiligen Gremien gültig", betonte Bormann. So verwies er auf den Vorstand, der die Einigung nun zunächst mit seinen Banken und Beratern abstimmen müsse. "Da gilt es unter anderem zu klären, ob diese Lösung im Einklang mit dem S6-Sanierungsgutachten steht."

Und auch auf der Arbeitnehmerseite seien noch einige Gespräche zu führen. Über den Vorschlag für Interessenausgleich und Sozialplan auf betrieblicher Ebene entscheide der Betriebsrat. Die Inhalte des ausgearbeiteten Sanierungstarifvertrages müssen eine Reihe von Hürden nehmen: Nacheinander werden die Tarifkommission der IG Metall, die Mitgliederversammlung der Gerry-Weber-Gewerkschafter und schließlich der IG-Metallvorstand in Frankfurt entscheiden.

Schwerwiegender Streitpunkt scheint ausgeräumt

Ein schwerwiegender Streitpunkt scheint mit der Einigung ebenfalls ausgeräumt: Die Auseinandersetzung um die Auszahlung des Weihnachtsgeldes für 1.200 Mitarbeiter, welches vom Unternehmen zunächst einbehalten worden war. "Eine Lösung für das Weihnachtsgeld ist im Paket mit eingerechnet", sagte Lutz Bormann. Auf Details zur Höhe der Auszahlung und deren Formalitäten wollte er zunächst aber nicht eingehen.

Ob der Kompromiss tragfähig ist, soll sich in den nächsten Tagen entscheiden. Am kommenden Samstag werden die IG-Metall-Mitglieder bei Gerry Weber zur Versammlung eingeladen. "Dann werden wir hoffentlich mehr Klarheit darüber haben, ob diese Einigung funktioniert", sagte Lutz Bormann.

Noch am spätern Montagabend drohten die Gespräche über den Sanierungstarifvertrag nach HK-Informationen zu scheitern. Wie knifflig die Diskussionen waren, zeigt der Verhandlungsmarathon bis tief in die Nacht. Der Vorstand von Gerry Weber stand indes unter Druck, ein Ergebnis zu erzielen. Bis Ende des Monats muss er seinen Gläubigern ein tragfähiges Finanzierungskonzept vorlegen, um den Fortbestand des traditionsreichen Haller Modeherstellers zu sichern. Die Einigung mit der Arbeitnehmerseite ist ein wesentlicher Bestandteil des Rettungsplans.

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