Der Kaiserschmarrn ist zurück! Thema: "Verschnaufampeln an der Alleestraße"

Satire: HK-Redakteur Heiko Kaiser nimmtdas Geschehen im Altkreis aufs Korn

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Kaum ist der neue Autobahnabschnitt freigegeben, hagelt es bereits Kritik an der Verkehrsregelung rund um die Anschlussstelle Halle. Radfahrer, die aus Hörste, Bokel oder Kölkebeck Richtung Innenstadt wollen, müssen nun an der Ampel vor der Grünbrücke Wartezeiten einkalkulieren. „Bettelampel" nennen Kritiker abfällig diese Art der Grün- und Rotphasenregelung, bei der Radler nicht automatisch mit dem parallel verlaufenden Autoverkehr mitfahren können, sondern sich ihre Durchfahrt mit Drücken des Ampelknopfes erbitten müssen.

Unabhängige Verkehrsexperten vom ADAC Wanne-Eickel weisen diese Kritik als „völlig unberechtigt" zurück. „Die Vorwürfe sind in sich schon widersprüchlich", sagt Dr. Ben Zin-Motor, Sprecher des ADAC und fügt hinzu: „Da wird einerseits reklamiert, der Anstieg über die Grünbrücke sei ein zusätzliches anstrengendes Hindernis für die Radfahrer, wenn aber direkt vor dem Berg durch die Installation einer Ampel die Möglichkeit einer Ruhepause geschaffen wird, ist das auch falsch." Für ältere Menschen seien solche Haltepunkte Oasen des Verschnaufens und damit unverzichtbar. „Unsere Verschnaufampeln erfüllen damit eine wichtige Aufgabe im Rahmen der Krankheitsprävention. Wir als Automobilclub stellen uns dieser Verantwortung."

Der Kaiserschmarrn - © HK Logo
Der Kaiserschmarrn (© HK Logo)

Heiko Kaiser - © N. Donath
Heiko Kaiser (© N. Donath)

Ganz im Gegensatz zu den „Radrasern", wie Ben Zin-Motor es ausdrückt. „Sie haben noch immer nicht verstanden, dass ihr Bild vom Fahrrad als schnelles Verkehrsmittel eine antiquierte Vorstellung des vergangenen Jahrhunderts ist." Und Zin-Motor geht noch weiter: „Wir wollen dem Radrasern Einhalt gebieten und fordern für ganz Halle ein flächendeckendes Tempo 7 für Radfahrer", sagt er und liefert die Begründung gleich mit: „Schnelle Fahrradverbindungen in einer Stadt sorgen für weniger Pkw-Verkehr. Das aber ist in Stadtgebieten, die an Autobahnen grenzen keineswegs von Vorteil."

Nach Untersuchungen des ADAC haben sich Menschen, die an stark befahrenen Stadtstraßen leben, an das permanente Hupen, an die Anfahrgeräusche und den Motorlärm gewöhnt. „Diese akustische Vielfalt, wir nennen sie auch den heimatlichen Klangvorgarten, wirkt wie ein Schutzwall gegen das stete Autobahnbrausen. Wird sie durch den steigenden Radverkehr und den damit verbundenen Rückgang der Autos in den Innenstädten reduziert, werden die Anwohner brutal mit dem Autobahnlärm beschallt", erklärt Ben Zin-Motor. Darauf aber sei das menschliche Gehör genetisch nicht vorbereitet. Die Konsequenz: Die Menschen würden krank. Mit seiner Politik der Förderung des Autoverkehrs und der gleichzeitigen Verdrängung von Radfahrern aus den Innenstädten leiste der ADAC, wie schon mit den Verschnaufampeln, einen unverzichtbaren Beitrag zur Gesundheitsprävention.

Einen speziellen Blick wirft er auch auf die Alleestraße. „Dort werden völlig falsche Signale gesetzt. Fahrradfahrer dürfen hier sowohl die Straße, als auch den Fuß-/Radweg benutzen. Autos aber müssen auch bei Staus konsequent auf der Straße bleiben. Das ist diskriminierend", findet Ben Zin-Motor und fordert im Sinne der Gleichberechtigung die Öffnung der Radwege für den motorisierten Verkehr. Er rät: „Um gleichzeitig die Sicherheit für Fußgänger und Radfahrer zu gewährleisten, sollten auf allen Fuß- und Radwegen an der Alleestraße die bewährten Verschnaufampeln installiert werden."

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