Eskaliertes Überholmanöver: Anwalt wird angeklagt wegen Nötigung und Körperverletzung

Amtsgericht: Die Kontrahenten treffen sich vorm Kadi wieder. Das Verfahren wird eingestellt

Herbert Gontek

Ungleiches Duell: Ein Haller Rentner traf auf einen Prozessgegner, der selbst Anwalt ist. - © kraximus2010 - Fotolia
Ungleiches Duell: Ein Haller Rentner traf auf einen Prozessgegner, der selbst Anwalt ist. (© kraximus2010 - Fotolia)

Halle. „Entschuldigung, wenn ich das so sage, aber er benahm sich wie ein Bordellbesitzer und nicht wie ein Anwalt", so beschrieb ein 66-jähriger Rentner aus Halle am Donnerstag, 11. Januar, vor dem Amtsgericht Halle den Auftritt eines Juristen aus Versmold. Die beiden waren bereits vor zwei Jahren nach einem Überholmanöver in zwischen Hörste und Tatenhausen aneinandergeraten.

Der Anwalt war wegen Körperverletzung und Nötigung angeklagt, doch das Verfahren endete mit einer Einstellung ohne Auflagen, der sein Prozessbegleiter aber nur „aus prozessökonomischer Sicht mit einer Träne im Knopfloch" zustimmte. Er verlangte Freispruch, denn den Streit habe der 66-Jährige mit seiner Hilfssheriffs-Mentalität angezettelt. Doch da machte der Staatsanwalt nicht mit, denn für lupenrein unschuldig hielt er seinen Berufskollegen nicht.

An dem besagten 5. September 2016 sind der Rentner und der Anwalt von Hörste aus in Richtung Tatenhausen unterwegs gewesen. Der Rentner im VW-Golf, der Anwalt in seinem BMW. Kurz vor dem Schloß Tatenhausen überholte der Jurist zweimal unter anderem auch den Rentner. Für den 66-jährigen war das eine gewagte Nummer, die für ihn „wie ein Blitz aus heiterem Himmel kam".

Vorwurf der Nötigung ist nicht zu halten

Er fühlte sich so bedrängt, dass er in Höhe der ehemalige Bäckerei Koch auf das jetzt in der Warteschlange vor dem Ampel stehende Autos des Anwalts zuging, um dem Fahrer seinen Unmut vorzutragen. Was ihm dann Einzelnen passierte, wurde in der Folge unterschiedlich dargestellt. Der Anwalt will von dem 66-Jährigen durchs offene Autofenster beschimpft und zweimal geschlagen worden sein, der Rentner will mit seiner Handbewegung nur einen unerlaubten Videoangriff des Juristen unterbunden haben.

Nachdem die Schlange bis zur Ampel aufgeschlossen hatte, stand der Rentner auf der Spitzenposition vor dem Rotlicht. Es kam zu einer erneuten Auseinandersetzung, bei der dem Haller durch das Zudrücken der Autotür durch den Anwalt ein Körperteil eingeklemmt worden sein soll.

Danach soll der Versmolder den Golf überholt ihn noch einmal „ausgebremst" haben. Danach sei er davongefahren. Der Zeuge beklagte, der Jurist habe mit seinen beruflichen Möglichkeiten gedroht und gesagt, er mache ihn fertig.

Nach der Schilderung der beiden Seiten waren sich Staatsanwalt, Richterin und Rechtsbeistand des Versmolders einig, dass der Vorwurf der Nötigung nicht zu halten sei. Schließlich zeigte sich der Rentner verwundert, dass sein Gegenüber wegen Körperverletzung angezeigt wurde. „Ich habe keinen Strafantrag gestellt", ließ er alle abschließend wissen.

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