Hesselner Steinbruch ist immer noch unsicher

Gefahrenquelle: Nach zwei Felsrutschungen sollte vor zwei Jahren eine Einigung zur Sicherungsmaßnahme erzielt werden. Bisher ist aber gar nichts umgesetzt worden

Uwe Pollmeier

Wackelige Angelegenheit: Die linke Steinbruchkante wartet weiter auf eine Dauerlösung.  - © Uwe Pollmeier
Wackelige Angelegenheit: Die linke Steinbruchkante wartet weiter auf eine Dauerlösung.  (© Uwe Pollmeier)

Halle. Die warnenden Worte des Gutachters Professor Lutz Müller sind längst verhallt. „Es könnte morgen wieder passieren", sagte der Experte der Fachhochschule Ostwestfalen-Lippe mit Blick auf die wackelige Abbruchkante des Hesselner Steinbruchs vor knapp zwei Jahren. Beim Erörterungstermin in der Aula des Berufskollegs, zu dem Steinbruchbetreiber DIMAC sowie Vertreter der Stadt und des Kreises eingeladen hatten, sollte damals eigentlich eine Lösung gefunden werden.

„Wir sind noch in der Findungsphase", sagt Kreissprecher Jan Focken. Rund 23 Monate nach dem Termin, der die Lösung bringen sollte, ist man praktisch keinen Schritt weitergekommen. Eine schnelle Lösung sei weder zu erkennen noch zu erwarten.

Es bestünde jedoch kein Handlungsdruck, da die akute Gefahr durch Absicherungen an der oberen und unteren Kante der instabilen Felswand im nordöstlichen Teil des Kalksteinbruchs gebannt sei. Dies war in der Vergangenheit nicht gegeben, denn gleich zweimal waren seit Mai 2008 größere Gesteinsmengen zu Boden gekracht und hatten dabei sogar einen Bagger unter sich begraben.

Grundsicherung schützt vorerst die Arbeiter im Steinbruch

Aktueller denn je: Dieses in die Jahre gekommene Warnschild. - © Uwe Pollmeier
Aktueller denn je: Dieses in die Jahre gekommene Warnschild. (© Uwe Pollmeier)

„Wir haben einen Sicherungswall angelegt. Unsere Arbeiter sind derzeit nicht mehr in Gefahr", bestätigt DIMAC-Geschäftsführer Udo Coesfeld. Derzeit befände man sich in einer Situation, die man nur abwarten könne. „Wir können aktuell leider gar nichts machen, da wir auf die Entscheidung der Behörden warten müssen", sagt Coesfeld.

Die DIMAC GmbH hatte bisher immer eine Erlaubnis zum Abbau der brüchigen Kuppe gefordert. Der Umweltausschuss der Stadt Halle erteilte diese jedoch nicht, sondern empfahl, vorab nach weiteren Lösungsansätzen zu suchen. Diese seien jedoch, so entgegnete der von der Steinbruchfirma beauftragte Gutachter, wenig wirkungsvoll. Die einzige Lösung sei das Abtragen der einsturzgefährdeten Bergkuppe.

So werde etwa eine Vorschüttung von Erdreich in der Regel nur vorgenommen, um den unteren Bereich einer Böschung zu sanieren. Hier sei jedoch, so erläuterte Müller in der damaligen Sitzung, der obere Teil das Problem, so dass mehrere hunderttausend Kubikmeter nötig wären, um den rund 70 Meter hohen Hang abzusichern. Eine sogenannte Ankersicherung scheide ebenso aus, da kein kompakter Fels für die Befestigung vorhanden sei. Dieser sei viel zu verwittert und zerklüftet.

1,4 Hektar müssten abgetragen werden

Dass der Betreiber daran interessiert ist, die obere Kante abzugraben, ist wenig verwunderlich. Dadurch ergebe sich schließlich eine Menge Abbaumaterial und die Extrakosten wären unterm Strich eher gering. Die Rede war von rund 40.000 Tonnen Kalk, die durch den Abbau auf einer Länge von gut 250 Metern nutzbar würden.

Allerdings musste diese Ursprungsidee mittlerweile wohl zu den Akten gelegt werden, wie das Haller Kreisblatt aus sicherer Quelle erfuhr. Demnach ist das angrenzende FFH-Gebiet »Östlicher Teutoburger Wald« der Knackpunkt. Von den insgesamt notwendigen 1,4 Hektar, die abgetragen werden müssten, lägen etwa 0,64 Hektar im FFH-Gebiet und somit außerhalb des genehmigten Steinbruchbetriebes. Der Verlust einer Fläche in dieser Größenordnung sei wohl nicht vertretbar. Man würde eine festgelegte Obergrenze überschreiten. Die Untere Naturschutzbehörde konnte daher diesem Plan nicht zustimmen.

In erster Linie betroffen wären die Bruchwand mit 0,35 Hektar sowie der Buchenmischwald mit 0,26 Hektar. Hinzu käme eine kleine Fläche von 0,02 Hektar von Kalkmagerrasen, die an der Abbruchkante verloren gingen. Zudem könnten die Bechsteinfledermaus, das Große Maus-ohr und der Uhu unter dem Verlust der FFH-Fläche leiden. Es bleibt somit vorerst zu hoffen, dass kein dritter ungeplanter Steinschlag passiert oder dass man sich doch noch rechtzeitig einigen kann.

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