Uniklinikum OWL: Das Haller Krankenhaus kämpft um die besten Fachrichtungen

Geldfaktor: Krankenhausmanager Michael Ackermann wirbt in der Haller Politik für die Möglickeiten durch die Universität Bielefeld. Die könnten am Ende auch an den Geldbeutel der Stadt gehen

Marc Uthmann

Aufwertung ist wohl nicht umsonst zu haben: Am Haller Krankenhaus wären für die Lehre Investitionen nötig. - © Nicole Donath
Aufwertung ist wohl nicht umsonst zu haben: Am Haller Krankenhaus wären für die Lehre Investitionen nötig. (© Nicole Donath)

Halle. Mit der medizinischen Fakultät an der Universität Bielefeld kommt ab dem Wintersemester 2021/22 das Uniklinikum OWL. Und das Haller Krankenhaus sitzt mit im Boot. Ein Ende des Ärztemangels in der Region, den Zuzug Hochqualifizierter mit ihren Familien erträumen sich Politik und Verwaltung. Doch bis die Lindenstadt profitiert, sind eine Menge Verteilungskämpfe auszufechten. Das machte Michael Ackermann, Geschäftsführer des Klinikums Bielefeld, jetzt im Haller Haupt- und Finanzausschuss deutlich. Und ganz umsonst ist der medizinische Nachwuchs vor der Haustür womöglich auch nicht zu haben.

Wirbt um Unterstützung: Michael Ackermann. - © Klinikum Bielefeld
Wirbt um Unterstützung: Michael Ackermann. (© Klinikum Bielefeld)

Das städtische Klinikum Bielefeld mit seinen Standorten Bielefeld-Mitte, -Rosenhöhe und Halle ist nur einer von drei Partnern der Uniklinik. Auch Bethel und das Klinikum Lippe formulieren wie berichtet Ansprüche – immerhin sind 24 medizinische Fachbereiche aufzuteilen. „Wir wollen eine bedeutende Rolle spielen und haben die fachliche Breite dafür", sagte Ackermann den Haller Kommunalpolitikern. Vor allem in der Inneren Medizin mit ihren sieben Teilgebieten sehe sich das Klinikum gut aufgestellt: „Sollte die Innere Medizin auf alle drei Partner aufgeteilt werden, wollen wir mindestens die Hälfte", betonte Ackermann.

Es geht darum, Studenten und angehende Fachärzte in die Region zu locken und dort – im besten Fall mit ihren Familien – auch zu halten. Neben dem Aspekt der besseren medizinischen Versorgung im ländlichen Raum hat gerade dieser Aspekt eine entscheidende Bedeutung für die Stadt Halle.

Halle könnte Lehrkrankenhaus werden

Ein Knackpunkt der Verhandlungen ist neben dem Geschacher um die Fachrichtungen derzeit die Infrastruktur für Lehre in den beteiligten Krankenhäusern. „Es sind 470 Millionen Euro für einen 30.000 Quadratmeter großen Campus auf dem Gelände der Uni Bielefeld vorgesehen – aber die Infrastruktur an den Kliniken wurde bislang überhaupt nicht berücksichtigt", berichtete Ackermann. Dabei müssten die Studenten auch am Lehrkrankenhaus zum Beispiel mit Simulationspuppen üben, dafür brauche man Gebäude und Ausstattung. 1.600 bis 1.700 Quadratmeter Infrastruktur hat das Klinikum veranschlagt und kalkuliert dafür mit einem zweistelligen Millionenbetrag. „Für diese Finanzierung ist das Land NRW zuständig, nutzen auch Sie Ihre Netzwerke, tragen Sie das zur Landesregierung", forderte der Geschäftsführer die Haller Politiker auf. Zwischen den Zeilen ließ Michael Ackermann durchblicken, dass die Kosten bislang wohl den beteiligten Häusern aufgebürdet werden sollten und die Rahmenbedingungen somit auch ein Faktor im Wettbewerb um die besten Fachrichtungen werden könnten.

Das gelte es zu verhindern – „aber vielleicht erwartet das Land am Ende ja doch eine Teilfinanzierung", so der Geschäftsführer. Und hier kämen die Städte Halle und Bielefeld ins Boot. Ackermann war gekommen, um sich einen Beschluss aus Halle abzuholen, dass die Stadt den Weg zum Uniklinikum grundsätzlich weiter mitgeht. „Das kostet Sie hier heute nichts", beschwichtigte er. Und erhielt einstimmig Rückendeckung. „Wir würden uns finanziell allerdings nur im Rahmen unseres Gesellschafteranteils beteiligen, nicht darüber hinaus", betonte Ulrike Sommer (SPD). Nun werden zunächst einmal die Städte Halle und Bielefeld Gespräche über mögliche Finanzierungsmodelle führen.

Nach HK-Informationen könnte Halle durchaus Lehrkrankenhaus werden, auch im Sinne der Standortsicherung. Ob es in der Lindenstadt dafür eine Infrastruktur gibt, hängt aber entscheidend dafür ab, welche Fachrichtungen in den Verhandlungen an das Klinikum Bielefeld gehen.

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