Irrfahrt mit dem Haller Wilhelm: Letzter Halt Brackwede

Da die Gleise zwischen Brackwede und Bielefeld-Hauptbahnhof noch bis Oktober 2019 gesperrt sind, müssen Pendler die letzten Kilometer im Bus fahren

Uwe Pollmeier

Fährt die nächsten elf Monate nur bis Brackwede: Zunächst hatte die Nordwestbahn von Mitte März gesprochen, nun ist aber klar, dass die Züge wohl erst wieder ab Mitte Oktober zwischen Brackwede und Hauptbahnhof fahren werden. Der Güterverkehr kann hingegen ab März wieder rollen, aber das nützt den Pendlern gar nichts. - © Uwe Pollmeier
Fährt die nächsten elf Monate nur bis Brackwede: Zunächst hatte die Nordwestbahn von Mitte März gesprochen, nun ist aber klar, dass die Züge wohl erst wieder ab Mitte Oktober zwischen Brackwede und Hauptbahnhof fahren werden. Der Güterverkehr kann hingegen ab März wieder rollen, aber das nützt den Pendlern gar nichts. (© Uwe Pollmeier)

Halle. Seit Mitte Juni ist die direkte Bahnverbindung zwischen Halle und dem Bielefelder Hauptbahnhof gekappt. Aufgrund von Brückenbauarbeiten im Bereich der Von-der-Recke-Straße und somit unweit der Bielefelder Stapenhorststraße enden die Züge bereits in Brackwede. Im Sommer teilte die Nordwestbahn als Betreiberin der Strecke zwischen Osnabrück und Bielefeld noch in einer Pressemitteilung die „Streckensperrung Bielefeld – Brackwede bis Frühjahr 2019“ mit. Mit dem Wechsel zum Winterfahrplan am Sonntag wird jedoch deutlich, dass sich Pendler mindestens noch bis Oktober auf zeitraubende Umwege einstellen müssen.

„Wir beginnen im März mit dem zweiten Bauabschnitt, der dann bis Oktober dauert“, erklärt Steffen Högemann, Pressesprecher der Nordwestbahn. Für den Kunden bleibt alles gleich. Die Züge enden weiterhin in Brackwede. Allerdings ist hier Vorsicht geboten, denn wer bis in die Bielefelder City möchte, sollte bereits am Bahnhof Quelle aussteigen. Denn nur von hier starten jeweils fünf Minuten nach Ankunft des Zuges die Busse des Schienenersatzverkehrs, welche die Fahrgäste innerhalb von 16 Minuten zum Hauptbahnhof bringen.

Weihnachtsshopping könnte schon in Brackwede enden

Grund ist die Barrierefreiheit des Queller Haltepunktes, denn diese ist in Brackwede nicht gegeben. Wer die volle Zugstrecke auskosten möchte und bis Brackwede durchfährt, steckt dann in einer kniffligen Situation. Denn obwohl dies die derzeitige Endhaltestelle ist, die auch groß auf der Anzeigetafel des Triebwagens erscheint, ist sie eben nicht geeignet, um in die Bielefelder City zu kommen. Eine »Falle«, in die auch so mancher tappen dürfte, der unregelmäßig den Haller Willem nutzt, wie etwa die Haller, die in den kommenden Tagen für ihre Weihnachtseinkäufe in die Ostwestfalen-Metropole fahren wollen.

Zwar fahren auch ab Brackwede Ersatzbusse, jedoch nicht zum Hauptbahnhof. „Die Busse ab Brackwede fahren zur Universität“, erklärt Steffen Högemann. Dementsprechend sind sie samstags und sonntags sowie während der vorlesungsfreien Zeit gar nicht unterwegs. Wer dennoch aus Versehen bis Brackwede im Zug bleibt, kann von dort die gut 300 Meter entfernte Straßenbahnhaltestelle an der Arthur-Ladebeck-Straße ansteuern und mit der Linie 1 in die Innenstadt fahren. Diese Fahrt muss nicht neu bezahlt werden, da sie ebenfalls Teil des Westfalentarifs ist und man ja schon mit Erreichen des Stadtteils Quelle für das Bielefelder Stadtgebiet bezahlt hat.

Wer bereits in den vergangenen Wochen Gefallen am Busfahren gefunden hat und auf das Plätzewechseln im südlichen Bielefelder Stadtgebiet verzichten will, der kann auch direkt von Halle aus die Bielefelder Innenstadt erreichen. Dies ist mit den Buslinien 61 und 88 möglich, die beide am Haller Busbahnhof starten und stündlich verkehren. Vorzuziehen ist auf jeden Fall die Linie 61, die jeweils zur halben Stunde abfährt und für die Strecke über Werther, Großdornberg und Universität 39 Minuten benötigt.

20 Minuten Fahrzeit oben drauf

Damit dauert die Fahrt über den Asphalt nur fünf Minuten länger als bei der kombinierten Fahrt mit Haller Willem und Schienenersatzverkehr. Wer sich aber lieber über Steinhagen und Quelle der Großstadt nähert, sollte die Linie 88 wählen. Hier gibt es fürs gleiche Geld 20 Minuten Fahrzeit obendrauf. Denn egal welche Variante man wählt, aufgrund des Westfalentarifs zahlen Erwachsene pro Strecke 4,90 Euro. Allerdings dauert es hier 59 Minuten, bis man das Ziel erreicht.

Der Rückweg verläuft genau anders herum als der Hinweg – und ist doch einfacher. Schließlich führt einen der am Hauptbahnhof wartende Ersatzbus auf jeden Fall nach Quelle und somit zum Haller-Willem-Startpunkt Richtung Halle – wenigstens hier kann man kaum etwas falsch machen.

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Weitere Alternativen zur Bahnfahrt

Wer das Geld locker sitzen hat, könnte sich ein Taxi für den Weihnachtseinkauf gönnen. Wird kein Sondertarif ausgehandelt, würde man für knapp 40 Euro vom Haller ins Bielefelder Zentrum kommen. Die Fahrzeit dürfte bei Nutzung von A 33 und Ostwestfalendamm gut 20 Minuten betragen. Völlig umsonst wäre die lediglich 15,5 Kilometer lange Fahrradroute über Werther und Dornberg. Geübte Fahrer sollten Hin- und Rückweg in jeweils gut 60 Minuten schaffen, allerdings sind die fiese Steigung in Ascheloh sowie der mangelnde Stauraum für die Geschenke zu bedenken. Zu Fuß könnte man noch einmal einen Kilometer einsparen, allerdings wäre man insgesamt gut sechs Stunden unterwegs, zuzüglich des Weges durch die Geschäfte.

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