Westliche Innenstadt wird zur Tempo-30-Zone

Bauausschuss beschließt flächendeckende Lösung: Die aktuelle Situation mit Tempowechseln auf wenigen hundert Metern soll bald ein Ende haben. Nun beginnen die konkreten Planungen für die verkehrsberuhigte Zone westlich der Bahnhofstraße und südlich der B 68

Uwe Pollmeier

Wer von der Graebenstraße in die Kaiserstraße abbiegt, hat in der einen Richtung Tempo 50 und in der anderen Tempo 30. - © Uwe Pollmeier
Wer von der Graebenstraße in die Kaiserstraße abbiegt, hat in der einen Richtung Tempo 50 und in der anderen Tempo 30. (© Uwe Pollmeier)

Halle. Die Anwohner haben keine Einwände gehabt, der Rettungsdienst sprach sich lediglich gegen Bodenwellen und durch Pflanzbeete bedingte Engstellen aus und die Feuerwehr riet von Rechts-vor-links-Regelungen ab. Unterm Strich gab es jedoch kein schlagendes Argument gegen die Einrichtung einer großflächigen Tempo-30-Zone, so dass trotz vier Nein-Stimmen seitens der CDU-Mitglieder eine deutliche Mehrheit des Verkehrsausschusses für das langsamere Tempo votierte.

Der westliche Teil der Haller Innenstadt zwischen Lange Straße, Bahnhofstraße, Bahnlinie und Gausekampweg wird damit zu einer einheitlichen Tempozone. Wo bisher noch alles zwischen Schrittgeschwindigkeit und Tempo 50 möglich ist, soll es laut einem Beschluss des Bau- und Verkehrsausschusses in Zukunft nur noch Tempo 30 mit einzelnen Spielstraßen geben. So werde etwa auch die Schmisingstraße, auf der derzeit noch Tempo 30 erlaubt ist, zukünftig als verkehrsberuhigter Bereich ausgewiesen werden.

„Wir beschäftigen uns schon lange mit diesem Durcheinander von verschiedenen Geschwindigkeitsregelungen auf der Kaiserstraße", sagt Jung von den Grünen. Biegt man nämlich von der Bahnhofstraße in die Kaiserstraße ab, so darf man rund 180 Meter bis zur Einmündung der Graebenstraße30 Stundenkilometer schnell fahren, danach darf man um 20 erhöhen, jedoch nur für gut 200 Meter, bis schließlich auf Höhe der Lindenschule wieder Tempo 30 gilt. Sinn und Zweck dieses Wechsels blieb den Grünen bisher verschlossen, so dass sie diese Situation schon seit längere Zeit kritisierten.

Wechselspiel Kaiserstraße: Hier 30, später 50 und dann wieder 30. - © Uwe Pollmeier
Wechselspiel Kaiserstraße: Hier 30, später 50 und dann wieder 30. (© Uwe Pollmeier)


„Lasst uns das Wagnis eingehen und ein Signal setzen", sagte Tim Brandt, Mitglied der SPD und als sachkundiger Bürger im Ausschuss vertreten. Er sprach sich somit eindeutig dafür aus, die flächendeckende Lösung zu beschließen und somit das westliche Innenstadtgebiet auch als eine Art Pilotprojekt zu nutzen.

„Meine Begeisterung hält sich sehr in Grenzen", sagte Klaus-Peter Kunze (FDP). Sicherlich könne man an vielen Stellen über Tempo 30 nachdenken, jedoch sei er gegen schematische und großflächige Maßnahmen. Zudem sehe er dadurch Probleme auf die Feuerwehr und den Busverkehr zukommen.

„Es ist eine Tatsache, dass kleinräumige Geschwindigkeitsbegrenzungen nicht ernst genommen werden", ergänzte Jung. Es sei zudem ein Märchen, dass bei Tempo 50 mehr Fahrzeuge auf die Straße passen als bei Tempo 30.

„Ich bin dafür, hier endlich Fakten zu schaffen"

„Es handelt sich hier lediglich um Konzeptskizzen", erklärte Abteilungsleiter Eckhard Hoffmann. In die Tiefe könne man schließlich erst einsteigen, wenn man sich über die flächendeckende Tempo-30-Lösung einig sei. Die Bäume auf dem Plan stünden daher auch nicht genau dort, wo sie nun eingezeichnet seien, erwiderte er einen entsprechenden Einwand von Reinhard Stricker (CDU). Der gesamte Plan müsse natürlich noch einmal überprüft und überplant werden.

Thomas Tappe (CDU) kündigte an, dass er nicht zustimmen werde, da „es der völlig falsche Zeitpunkt ist, um Dinge festzuzurren." Man mache sich Gedanken, obwohl man die zukünftigen Verkehrsflüsse auf der Langen Straße gar nicht kenne. „Diese zentralen Verkehre sind doch jetzt noch gar nicht zu klären", sagte Tappe.

„Ich stimme selbstverständlich für Tempo 30. Ich sehe hier keinen Grund für diese »Aufschieberitis« der CDU", erwiderte Jung. Entscheidungen hinauszuzögern sei bei den Christdemokraten wohl derzeit sehr beliebt, fügte er mit Blick auf die Alleestraße an.

„Ich bin dafür, hier endlich Fakten zu schaffen",ergänzte Bürgermeisterin Anne Rodenbrock-Wesselmann. Am Ende war der Weg bei nur vier Gegenstimmen frei.

Copyright © Haller Kreisblatt 2018
Texte und Fotos vom Haller Kreisblatt sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

Kommentare

Um Ihren Kommentar abzusenden, melden Sie sich bitte an.
Sollten Sie noch keinen Zugang besitzen, können Sie sich hier registrieren.

Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Nutzungsbedingungen für die Kommentarfunktion an.