Zwei Alternativen für neuen Aldi-Standort

Aldi würde gerne vom Künsebecker Weg an die Martin-Luther-Straße umziehen. Dieser Wunsch wird auch seitens der Stadt intensiv verfolgt, dürfte aber so schnell nicht realisierbar sein

Uwe Pollmeier

Im Blickfeld: Aldi möchte gerne neben Möbel Vollmer bauen. Der dreigeschossige Bau (rosa) soll aus dem 1.400 Quadratmeter großen Verkaufsraum (Erdgeschoss) sowie zwei Parkgeschossen mit insgesamt 232 Stellplätzen bestehen. - © Uwe Pollmeier
Im Blickfeld: Aldi möchte gerne neben Möbel Vollmer bauen. Der dreigeschossige Bau (rosa) soll aus dem 1.400 Quadratmeter großen Verkaufsraum (Erdgeschoss) sowie zwei Parkgeschossen mit insgesamt 232 Stellplätzen bestehen. (© Uwe Pollmeier)

Halle. Noch vor wenigen Jahren zog es die großen Supermärkte auf die grüne Wiese vor den Toren einer Stadt. Dieser Trend ist längst ins Gegenteil umgekehrt. Mittlerweile wollen Aldi, Lidl und Co. wieder zurück in die City. Aber nicht mit kleinen Flächen, wie man sie etwa noch im Aldi an der Brackweder Hauptstraße findet, sondern mit einem Verkaufsraum, der doppelt so groß ist, wie die des derzeitigen Standorts am Künsebecker Weg.

„Aldi möchte erweitern und strebt Flächen von 1.400 Quadratmetern an“, sagte Stadtplaner Roger Loh im Planungs- und Stadtentwicklungsausschuss. Deutschlands umsatzstärkster Discounter, der aus einem 1913 in Essen eröffneten Tante-Emma-Laden entstanden ist, möchte sich schnellstmöglich von seiner 750 Quadratmeter kleinen Filiale im Süden der Stadt trennen. „Es gibt jedoch nur drei Flächen, die für einen Neubau in Frage kommen“, erläuterte Loh.

Rechte Herzhälfte

Das Areal zwischen Rosenstraße, Lange Straße, Martin-Luther-Straße und Kättkenstraße ist das letzte großflächige Filetstück in bester Lage. Die direkte Anbindung zum Ronchin-Platz, die unmittelbare Nähe zum Kirchplatz und die Lage innerhalb des zentralen Versorgungsbereichs machen das 8.000 Quadratmeter große Grundstück zum Top-Favoriten. „Man sollte hier die Gespräche mit den Eigentümern schnell aufnehmen“, riet Loh. Immerhin hat ein Urteil des Oberlandesgerichts Hamm kürzlich den Weg dafür frei gemacht, jedoch eine Frist von zwei Jahren gesetzt. Ein Zeitraum, der Aldi angesichts der Lidl- und Netto-Konkurrenz im Nacken nicht schmecken dürfte.

Sicher ist derzeit, dass der Fußweg vom Ronchin-Platz bis in den Wischkamp bestehen bleiben muss. Auch die 141 Stellplätze, zu denen noch 27 private Parkflächen kommen, sollen in der Anzahl nicht verringert werden. Um dies zu erreichen, muss die Immobilie, für deren Erdgeschoss die Verkaufsfläche fest eingeplant ist, zwei darüberliegende Parkdecks erhalten. „Das 1. Obergeschoss kann die Stellflächen auffangen, die durch das Gebäude wegfallen und im 2. Obergeschoss wären Plätze für Langzeitparker“, sagte Loh. Unterm Strich hätte man sogar 91 neue Stellplätze geschaffen, alle mit der komfortablen und SUV-freundlichen Breite von 2,50 Metern. Das neue Gebäude mit einer Grundfläche von 33 mal 68 Metern würde direkt an das Möbelhaus Vollmer andocken.

Alternativ wäre auch eine Tiefgarage denkbar, jedoch wäre diese Variante teurer. „Aldi möchte das Objekt nicht selbst erstellen“, erklärte Bauamtsleiter Jürgen Keil. Es blieben akzeptable Restkosten im kleinen siebenstelligen Bereich. Er fügte an, dass hier auch andere Konzepte möglich seien, sofern man sich mit Aldi nicht einigen würde. Aufgrund der Top-Lage müsse hier, so erklärte Loh, ein Gebäude mit hohem architektonischen Wert entstehen.

Alter Busbahnhof

Sollten die Pläne scheitern oder zu langsam voranschreiten, könnte die Fläche des alten Busbahnhofs eine interessante Option für den Einzelhandelsriesen sein. Diese liegt ebenso im zentralen Versorgungsbereich. Hier wäre eine Tiefgarage zu empfehlen, da somit auch die Altlasten der früheren Deponiefläche entsorgt werden könnten. Um eine vernünftige Zufahrt gewährleisten zu können, müsste die Martin-Luther-Straße im weiteren Verlauf ausgebaut werden. Der Fußweg zwischen dem Haus des Handwerks und der Steuerberatungsgesellschaft Tomik würde zu einer Straße werden. Zudem müsste aufgrund des begrenzten Platzes der Alte Friedhof verkleinert werden. Die erste, parallel zum alten ZOB-Gelände gelegene Baum- und Gräberreihe müsste entfernt werden.

Südseite Künsebecker Weg

Eigentlich für Wohnbebauung vorgemerkt, wäre auch die Fläche neben der Kita Wirbelwind eine Option. Hier wäre, so Loh, ein Kombimodell mit einem Vollversorger im Erd- und einem Discounter im Obergeschoss zu empfehlen. Möglicherweise wäre dies, so regte Keil an, eine Lösung für den Edeka am Klingenhagen. „Es ist schwierig, dort wieder etwas hinzubekommen“, spielte er auf die dortige Fläche hin, die eigentlich zu klein ist. Im Gegenzug könnte man dieses Areal sowie das des jetzigen Aldi-Marktes für Wohnbebauung nutzen.

„Wir wissen jetzt noch nicht, was die beste Lösung ist“, zog Bürgermeisterin Anne Rodenbrock-Wesselmann ein Fazit. Sicher sei aber, dass man dringend Wohnungen benötige.

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