Jetzt gibt’s Ordnung: Tempo-30 in der westlichen Innenstadt

Nicole Donath

Transparenz: Bevor das erste Wohnquartier im Haller Westen flächendeckend in Tempo-30-Zonen umgewandelt werden soll, gab es eine Info-Veranstaltung der Haller Bürger. Rund 50 Gäste waren gekommen, Wortmeldungen kam es kaum – schneller als eingeplant ging der Abend im Schulzentrum Masch zu Ende.  - © Nicole Donath
Transparenz: Bevor das erste Wohnquartier im Haller Westen flächendeckend in Tempo-30-Zonen umgewandelt werden soll, gab es eine Info-Veranstaltung der Haller Bürger. Rund 50 Gäste waren gekommen, Wortmeldungen kam es kaum – schneller als eingeplant ging der Abend im Schulzentrum Masch zu Ende.  (© Nicole Donath)

Halle. Allein die Kaiserstraße sei ein „großes Durcheinander", erklärte Verkehrsplaner Dr. Ralph Kaulen beim Blick auf das Wohnquartier zwischen B 68, Bahnhofstraße, Bahnlinie und L 782. „Erst Tempo 30, dann 50, an der Lindenschule wieder 30, dann noch mal 50 – das macht keinen Sinn." Sogar Detlev Kroos (CDU), Vorsitzender des Bau- und Verkehrsausschusses, räumte nach der Versammlung ein, dass dieser Hinweis „ein kleiner Weckruf" gewesen sei. „Da muss tatsächlich etwas passieren." Doch obwohl niemand der Politiker die Infoveranstaltung nutzte, um für die eigenen Positionen zu werben, ist klar: Während SPD und Grüne für eine flächendeckende Ausweitung von Tempo 30 in der Haller Innenstadt plädieren, zieht die CDU hier nicht mit. Demzufolge wird in der nächsten Sitzung des Bau- und Verkehrsausschusses am 4. Dezember gewiss noch mal heiß diskutiert.

„Finanzierung trägt die Stadt"

Rund 50 Haller waren gekommen, um den Vortrag von Ralph Kaulen zu hören. Etwa ein Dutzend von ihnen gab an, in dem betreffenden Quartier zu wohnen. Die übrigen Gäste setzten sich zumeist aus Vertretern der Bürgerinitiative Alleestraße und Haller Politikern zusammen.

Zunächst gab der Aachener Verkehrsplaner allgemeine Infos dazu, welche Ziele sich hinter dem sperrigen Begriff Nahmobilitätskonzept verbergen: Erhöhung der Verkehrssicherheit, Reduzierung der Emissionen, Verbesserung der Wohn- und Aufenthaltsqualität sowie Sicherung des Fuß- und Radverkehrs. „Vor allem beeinflusst die Kfz-Geschwindigkeit das Verletzungsrisiko maßgeblich", so Kaulen weiter. „Bei möglichen Kollisionen unter Tempo 30 kann man davon ausgehen, dass alle überleben." Außerdem stellte er die technischen Möglichkeiten zur Einhaltung der Geschwindigkeitsbegrenzung in verkehrsberuhigten Bereichen (sie sollen wie vorhanden bestehen bleiben) oder künftigen Tempo-30-Zonen vor: „Man kann mit Querungen, Knotenpunkten, Engstellen, Baumtoren, Mitteltrennungen oder Berliner Kissen arbeiten." Abschließend hob er einen nicht unwesentlichen Aspekt für die Anlieger hervor: „Die Finanzierung der Umgestaltung in Tempo-30-Zonen finanziert die Stadt."

„Großes Durcheinander“: Auf der Kaiserstraße gibt es unterschiedliche Temporegelungen. Das soll im Zuge des Konzeptes geändert werden. - © Nicole Donath
„Großes Durcheinander“: Auf der Kaiserstraße gibt es unterschiedliche Temporegelungen. Das soll im Zuge des Konzeptes geändert werden. (© Nicole Donath)

Sowohl SPD und Grüne, die das Konzept mit einem gemeinsamen Antrag auf den Weg gebracht hatten, als auch die wenigen Anlieger, die sich zu Wort meldeten, begrüßten das Vorhaben. Ganz im Gegensatz zur CDU. Deren Stadtverbandsvorsitzender Axel Reimers verweist auf eine Studie des ADAC: Derzufolge würde das menschliche Gehör keine Lärmunterschiede zwischen Tempo 30 und 50 wahrnehmen. Bei gleichmäßiger Fahrt bei Tempo 50 sei die Schadstoffemission sogar geringer als bei Tempo 30. Außerdem widerspreche die Studie der Aussage von Kaulen, dass die Leistungsfähigkeit einer Straße bei Tempo 30 nicht beeinträchtigt werde. Vielmehr würde sich die Reisezeit erhöhen und der Verkehr auf benachbarte Straßen ausweichen.

Aus Sicht von Dieter Jung (Grüne) nichts, was das Konzept ins Wanken bringen könnte. „Ich glaube sogar, dass wir für die Feuerwehrleute eine Lösung finden, die zu Recht Rechts-vor-links-Regelungen auf dem Weg zum Gerätehaus fürchten. Eine Möglichkeit wäre, die Schulstraße in eine verkehrsberuhigte Zone umzuwandeln. Aber das werden wir im Ausschuss diskutieren."

Info
Fahrlehrer fürchten um Aberkennung des Prüfortes
  • Die Stadt Halle ist Prüfort für Fahrschüler aller fünf Altkreiskommunen. Diese Regelung stammt noch aus der Zeit, als Halle Kreisstadt war. Im Schnitt werden pro Monat hier zwischen 160 und 200 Prüfungen durchgeführt.
  • Um als Prüfort anerkannt zu werden, muss eine Stadt bestimmte Voraussetzungen wie Kreisverkehre, Ampelregelungen, verschiedene Geschwindigkeiten oder mehrspuriges Abbiegen bieten. Letzteres ist in Halle schon nicht mehr gegeben.
  • Fahrlehrer Hendrik Peters warnt eindringlich vor möglichen Folgen: „Ich habe zumindest Bedenken, wenn die innerstädtischen Straßen in Halle nach und nach in Tempo-30-Zonen umgewandelt werden. Sollte Halle aus diesem Grund irgendwann kein Prüfstandort mehr sein, müssten die Fahrschüler für Übungsfahrten und Prüfungen, die ja dann in Gütersloh stattfänden, viele weitere Stunden einkalkulieren – also mehr Zeit und mehr Geld."
  • Zumindest aktuell sieht Bernhard Riepe, Leiter des Straßenverkehrsamtes im Kreis, keine Gefahr, dass Halle der Status als Prüfstandort aberkannt wird, wenn weite Teile der Innenstadt als Tempo-30-Zonen ausgewiesen werden. Dietrich Pleitner, Fahrlehrer aus Versmold und Vorsitzender des Fahrlehrerverbandes im Unterbezirk Halle, räumt ein, dass man die Entwicklungen durchaus im Auge behalten müsse. „Andererseits hat uns der Bau der A 33 auch wieder neue Möglichkeiten eröffnet."

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