Künsebecker sind nicht begeistert über Pläne für die Mülldeponie

Ekkehard Hufendiek

Blick von oben: Das Kalkwerk Müller betreibt ein 700 Meter langes Abbaugebiet von Kalkstein im Teutoburger Wald. - © Herbert Gontek
Blick von oben: Das Kalkwerk Müller betreibt ein 700 Meter langes Abbaugebiet von Kalkstein im Teutoburger Wald. (© Herbert Gontek)

Halle. „Ich will da keine Kirmes haben", beschwert sich ein Zuhörer und bläst den Projektplanern damit früh Wind ins Gesicht. Die Vertreter der Gesellschaft zur Entsorgung von Abfällen (GEG), vom Umweltamt im Kreis Gütersloh und der Stadt Halle hingegen versuchten am Montagabend im Landhotel Jäckel, Wogen zu glätten. Doch der Zorn, der sich im Vorfeld bei der Skizzierung ihrer Wettbewerbsideen zur Umgestaltung der Künsebecker Mülldeponie aufgebaut hat, sitzt tief.

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So regte sich heftiger Protest, als die Planer die Deponie in ihrer Wortwahl zum Berg umtauften. Zudem waren einige Anwohner erschrocken von der Idee, eine Eventfläche und ein Jugendcamp in dem Gebiet einzurichten. Kein Wunder, denn ursprünglich war es das Ziel der Vorplanung, die Fläche einer ruhigen Nutzung zuzuführen.

Einzig und allein Ruhe könnte die Bürger besänftigen

Der Künsebecker Kurt Picker, ein direkter Nachbar der Deponie, hielt den Planern vor, dass erst die Rede von einem Naturschutzgebiet war, jetzt hieße es plötzlich Nachnutzung. Woran die Planer offensichtlich nicht gedacht haben: Die Umgestaltungsfläche ist und bleibt für viele Künsebecker eine Mülldeponie. Vom Publikum erhielt Picker mehrheitlich Applaus, als er spöttisch vom Sickersaft der Deponie sprach und hinzufügte: „Für den Gestank hätten wir wahrscheinlich noch Kurtaxe zahlen müssen."

Wortgefechte: Gegner und Befürworter des Projektes kamen zu Wort, wie auch Hermann Künsemöller. - © Ekkehard Hufendiek
Wortgefechte: Gegner und Befürworter des Projektes kamen zu Wort, wie auch Hermann Künsemöller. (© Ekkehard Hufendiek)

Er plädierte: „Wir wollen dort keinen Trubel oder Aktivitäten von Leuten." Auch Hermann Künsemöller erinnerte die Planer daran, dass er als betroffener Anwohner sein ganzes Leben unter der Mülldeponie gelitten habe. „Lassen Sie das Gebiet in Ruhe", appellierte er, „nur dann geben Sie uns Heimat zurück und es kann sich etwas entwickeln".

Der Abteilungsleiter Umwelt des Kreises Gütersloh, Wilhelm Gröver, beschwichtigte: „Auch wir wollen, dass dort etwas Ruhiges stattfindet. Er begründete die Wortwahl der Planer damit, dass die Künsebecker Deponie wegen des Naturparkwettbewerbes in einen Künsebecker Berg umgetauft werden musste, um die Chance auf die ausgeschriebenen Fördergelder zu wahren. Denn im Wettbewerbstopf liegen rund 250.000 Euro bereit für das Umgestaltungsprojekt.

"Wir führen ja nichts Böses im Schilde"

Auch GEG-Geschäftsführer Thomas Grundmann wollte die Gemüter der Bürger beruhigen, indem er sagte „Wir führen ja nichts Böses im Schilde". Es werde jetzt nur darüber geredet, was in Zukunft gemacht werden könnte. Schließlich sei noch nicht einmal klar, dass man die Gelder überhaupt erhält. Halles Bürgermeisterin Anne Rodenbrock-Wesselmann schlug in eine ähnliche Kerbe. Sie fügte hinzu: „Ich finde das positiv. Den Begriff Heimat zurückgeben, halte ich für folgerichtig". Und sie ergänzte in Richtung der Künsebecker Bedenkenträger: „Ich bin da jetzt nicht so ängstlich".

Wilhelm Gröver entschärfte zum Abschluss die Mutmaßung, Jugendliche könnten im Planungsgebiet laute Partys feiern, mit dem Zusatz: „Sie haben recht, ohne Kontrolle läuft da nichts". Er hatte zuvor die geplanten Wanderwege in einer Skizze gezeigt, die die Künsebecker in Zukunft mit dem Hermannsweg verbinden könnten. „Der Ausguck alleine, ist es schon wert auf den Berg zu steigen", warb er für das Projekt.

Info
Die nächsten Schritte 

Bis zum 15. August konnten die landesweit zwölf Naturparke ihre Vorschläge abgeben. Für den heimischen Naturpark TERRA.vita geht neben dem Künsebecker Projekt »Heimat zurückgeben« auch das Besucherbergwerk Kleinenbremen bei Minden sowie der Erlebnispfad Kahler Berg in Bielefeld an den Start. Mitte Oktober wird sich eine Jury beraten, die Ergebnisse gibt es dann vermutlich Anfang Dezember.

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