Stadt bekommt keine Steuern von Gerry Weber

Nicole Donath,Marc Uthmann

Weiter unter Druck: Der Haller Modekonzern Gerry Weber weist nach drei Quartalen ein deutliches Minus aus. - © Marc Uthmann
Weiter unter Druck: Der Haller Modekonzern Gerry Weber weist nach drei Quartalen ein deutliches Minus aus. (© Marc Uthmann)

Halle. Die Gerry Weber Gruppe hat ihre neuesten Zahlen veröffentlicht. Demnach hat der weltweit agierende Haller Modekonzern in den ersten neun Monaten des laufenden Geschäftsjahres nur noch einen Umsatz in Höhe von 575,1 Millionen Euro erzielt – ein Minus von 7,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Mehr noch: Das betriebliche Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) sank deutlich – von 35,1 auf 24,2 Millionen Euro. Das bereinigte operative Ergebnis (EBIT) sogar von 0,2 auf minus 9,8 Millionen Euro. Hier sind die planmäßigen Einmalaufwendungen in Höhe von rund sieben beziehungsweise acht Millionen Euro aus dem Performance-Programm, das weitere Kündigungen und Geschäftsschließungen vorsieht, indes enthalten. Zum Beispiel handelt es sich hier um zu zahlende Abfindungen für gekündigtes Personal oder Aufwendungen aus der Auflösung von Verkaufsflächen oder Läden.

Ohne genau zu wissen, wie das laufende Geschäftsjahr abschließt, steht immerhin so viel bereits fest: Das Unternehmen kann den Sprung über die schwarze Null nicht mehr schaffen. Und das wiederum bedeutet, dass Gerry Weber für die Stadt Halle als Gewerbesteuerzahler 2018 ausfällt – wahrscheinlich das erste Mal in der Firmengeschichte. Inwiefern die Stadt auch noch die Vorauszahlungen der Gewerbesteuern für das Jahr 2017 an den Modekonzern zurücküberweisen muss oder überhaupt bekommen hat, dazu durfte Kämmerer Jochen Strieckmann keine Aussage treffen.

Stadt Halle kann den Ausfall verkraften

Die Folgen für den Finanzhaushalt der Stadt Halle? „Das ist ohne Frage bedauerlich", erklärt Strieckmann. „Doch unabhängig davon ist unsere Finanzlage nach wir vor im Plan." Man habe insgesamt mit 27 Millionen Euro Gewerbesteuereinnahmen für 2018 kalkuliert und dieser Ansatz werde auch erreicht. Das bedeutet, der für Gerry Weber berechnete Anteil wäre entweder schon in der Planung auf null gesetzt gewesen oder würde durch höhere Gewerbesteuereinnahmen von anderen Unternehmen kompensiert. Zur Frage, wie viel Gewerbesteuern Weber in der Vergangenheit gezahlt hat, darf Strieckmann übrigens nichts sagen. Und auch aus dem Konzernbericht lässt sich diese Zahl nicht ablesen.

Für das Geschäftsjahr 2017/18 bestätige der Vorstand die Prognose im Kern, heißt es weiter. Auch wenn die Erreichung des Umsatzziels in Höhe von 830 bis 840 Millionen Euro „äußerst ambitioniert sei", bleibe das Ziel eines operativen Ergebnisses von minus zehn Millionen Euro bis hin zur schwarzen Null ebenfalls erhalten. In diesem Wert sind Sonderbelastungen von rund 15 Millionen Euro bereits berücksichtigt. Hierbei dürfte es sich um die Kosten für die Sparmaßnahmen aus dem ersten Paket »Fit4growth« handeln.

Vorstandsvorsitzender Ralf Weber gibt sich weiter kämpferisch: „Wir sind schon ein gutes Stück vorangekommen. Wir verändern gerade unsere Denk- und Arbeitsweise grundlegend – ohne Tabus." – Eine Aussage, die viel Raum für Spekulationen lässt.

Mit Sorgen blickt die Gewerkschaft IG Metall auf die aktuelle Entwicklung des Modekonzerns. „Die Quartalszahlen sind enttäuschend", sagt Funktionär Manfred Menningen, der auch im Aufsichtsrat des Unternehmens sitzt. „Der Vorstand braucht dringend einen Finanzfachmann." Derzeit führen nur Ralf Weber und Johannes Ehling das Unternehmen, Finanzexperte Jörg Stüber hatte die Konzernspitze nach kurzer Zeit schon wieder verlassen.

Gewerkschaftsmann Manfred Menningen gibt den Sanierungsmaßnahmen Zeit, „obwohl es länger als gedacht dauert, bis sich Erfolge einstellen". Mit Blick auf den angekündigten Stellenabbau findet er indes klare Worte: „Das muss mit den Mitarbeitern umgesetzt werden, nicht gegen sie. Es braucht klare Aussagen des Vorstandes. Aber wenn die Führungsetage einfach nur etwas verordnet, wird es Probleme geben."

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