HK-Serie "Junge Träume: Tobias Kentsch ist bei der Bundeswehr

Florian Gontek

Auf hoher See: Tobias Kentsch beim Truppenpraktikum auf der Fregatte Hamburg, kurz nach seinem Abitur. - © privat
Auf hoher See: Tobias Kentsch beim Truppenpraktikum auf der Fregatte Hamburg, kurz nach seinem Abitur. (© privat)

Halle. Tobias Kentsch (24) wollte nach dem Abitur Unabhängigkeit und ging zur Bundeswehr. Die Entscheidung, sich für 13 Jahre zu verpflichten, bereut er nicht.

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Dass ich mich 13 Jahre für die Offizierslaufbahn verpflichten werde, stand schon fest, als ich mein Abiturzeugnis noch nicht in den Händen hielt. Das war genau das, was ich machen wollte: auf eigenen Beinen stehen. Ich hatte schon früher zu meiner Mutter gesagt, dass ich, wenn ich 18, 19 bin und mein Abitur habe, ausziehen möchte. Das hatte überhaupt gar nichts mit meinen Eltern oder meinen Freunden in Halle zu tun; Ich wollte einfach etwas Eigenes schaffen. Unabhängigkeit war damals mein größtes Ziel.

Mir war bewusst, dass 13 Jahre eine super lange Zeit sind. Damals – da bin ich ehrlich – konnte ich vielleicht noch nicht hundertprozentig überblicken, was das bedeutet. Dennoch war es erst einmal etwas Sicheres, ich hatte Gewissheit, konnte bei der Bundeswehr mein Wunschstudium Sportwissenschaften belegen und auch finanziell auf eigenen Beinen stehen. Ich bin ein Mensch, der gerne plant, das gab mir damals auch ein gutes Gefühl. Auch, weil ich bei der Bundeswehr die Möglichkeit sah, eine gute Ausbildung zu erhalten und mit dem nötigen Willen schnell Verantwortung übernehmen zu können. All das tat ich aus einer gewissen Berufung heraus, ähnlich wie es vielleicht Polizisten oder Feuerwehrmänner machen.

"Die körperliche Belastung auf der Gorch Fock hat mich weniger gefordert"

Tobias erste Station war damals die Offiziersschule der Deutschen Marine in Mürwik , einem Stadtteil von Flensburg. Neben der Ausbildung und ersten längeren Fahrten auf See – etwa an Bord der Gorch Fock – entdeckte er auch mehr und mehr das Reisen für sich.

Das hat sich vor allem durch meinen Freund Tim ergeben. Während der Offiziersschule blieb für Reisen kaum Zeit, dort war der Alltag schon sehr getaktet. Als dann nach einem Jahr unser Sportwissenschaftsstudium in München begann, hatten wir aber nicht nur die zeitlichen, sondern auch die finanziellen Möglichkeiten, um uns die Welt anzuschauen. Wir haben Berge in Indonesien bestiegen, Städtetrips gemacht und das Champions-League-Finale in Mailand geschaut. Hinzu kommt, dass die Universitäten der Bundeswehr längere Auslandsaufenthalte extrem fördern, was sich dann gut verbinden lässt. Das waren positive Seiten. Schwierig war für mich vor allem das erste halbe Jahr. Da habe ich wirklich Heimweh gehabt: Meine Familie vermisst, meine Freunde, Halle, wo ich 19 Jahre lang aufgewachsen bin und jede Ecke kenne. Am Anfang habe ich große Distanzen auf mich genommen, um zumindest einmal im Monat bei meiner Familie zu sein. Das war keine einfache Zeit."

Tobias war schon immer ein ziemlich sportlicher Typ, war vielseitig aktiv: gerne auf dem Fußballplatz und im Fitnessstudio. Für seine Ausbildung hat ihm das enorm geholfen.

Die körperliche Belastung, der Schlafentzug, wenn Du auf See warst, auf derGorchFock oder auf der Hamburg, das hat mich weniger gefordert, als ich gedacht hätte. All das hat mich in den vergangenen fünf Jahren enorm wachsen lassen. Den größten Sprung im Erwachsenwerden habe ich wohl während des ersten Jahres meiner Ausbildung gemacht. Ich bin selbstständiger geworden, schaue viel weiter voraus. Insgesamt bin ich ein ruhigerer und gelassenerer Typ als vor fünf Jahren. Für mich ist vieles ziemlich gut gelaufen. Auch wenn ich da immer eine gewisse Vorsicht hatte, habe ich natürlich drauf gehofft, dass es so kommt.

Ich möchte vor allem gesund und körperlich fit bleiben, weil dies für meine weitere Ausbildung am Marinestützpunkt Eckernförde extrem wichtig sein wird. Ich wünsche mir, dass ich Beruf und Familie in Einklang bringen kann und die Menschen, die mir etwas bedeuten, gesund und glücklich sind."

Info
Die Serie 

Wer wollten wir sein, was wollten wir werden, wovon träumen wir? Die Welt nach dem Abitur ist für den einen diffus, für den anderen scheinbar vorgezeichnet. Fünf Jahre danach lässt HK-Mitarbeiter Florian Gontek seine ehemaligen Mitschüler von ihren Wegen erzählen.

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