Raubüberfall in Hörste: Prozess geplatzt

Nils Middelhauve

Vier fremde Männer waren ins Schlafzimmer des Ehepaares eingedrungen und forderten Geld.  - © Symbolbild: Wolfgang Rudolf
Vier fremde Männer waren ins Schlafzimmer des Ehepaares eingedrungen und forderten Geld.  (© Symbolbild: Wolfgang Rudolf)

Bielefeld/Halle. Der Prozess gegen die vier syrischstämmigen Männer, die ein Ehepaar in Halle-Hörste überfallen haben sollen, muss nun doch neu aufgerollt werden. Die Verteidiger der Angeklagten hatten einen Schöffen als befangen abgelehnt, weil dieser während der Zeugenaussagen mit seinem Handy hantiert hatte und aus Sicht der Anwälte somit deutliches Desinteresse signalisiert hatte.

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Derzeit müssen sich, wie berichtet, vier Männer aus Bielefeld, Werther, Wuppertal und Dortmund vor dem hiesigen Landgericht verantworten. Sie sollen am 29. November 2017 ein älteres Ehepaar in Hörste im Schlaf in dessen Haus überfallen und ausgeraubt haben. Am vorangegangenen Verhandlungstag hatten die Verteidiger einen der teilnehmenden Schöffen als befangen abgelehnt - er soll sich mehrfach während der Vernehmung wichtiger Zeugen mit seinem Handy befasst haben.

Darüber hinaus, so fügte Rechtsanwalt Heiko Urbanzyk in einem ergänzenden Antrag hinzu, habe der Schöffe während der Verlesung des ersten gegen ihn gerichteten Befangenheitsantrag despektierlich gelacht. "Das war kein Lachen aus Verlegenheit, sondern galt einzig und allein der Verächtlichmachung des Vorgetragenen", sagte Urbanzyk. Daher müsse sein Mandant davon ausgehen, dass der Schöffe seine Funktion nicht unvoreingenommen ausübe.

Die Haftbefehle bleiben vorerst in Vollzug

Der abgelehnte Schöffe hatte in einer schriftlichen Erklärung unter anderem angegeben, dass er lediglich auf das Display seines Handys geschaut habe. Dies zeige jedoch nur die Uhrzeit und das Wetter am Wohnort an. "Es befindet sich eine Uhr direkt gegenüber der Richterbank - um die Uhrzeit zu erfahren muss der Schöffe nicht auf sein Handy schauen", sagte Verteidiger Patrick Gau gestern, "man muss also davon ausgehen, dass dem Schöffen das Wetter zu Hause wichtiger ist als die Vernehmung wichtiger Zeugen."

Die Berufsrichter, Verteidiger und Vertreterinnen der Staatsanwaltschaft zogen sich zur Beratung zurück. Im Anschluss erklärte der Vorsitzende Richter Carsten Glashörster im Sitzungssaal, dass vorsorglich weitere Verhandlungstermine vereinbart worden seien. Viel sprach bereits in diesem Moment dafür, dass der Prozess in anderer Gerichtsbesetzung neu aufgerollt werden muss. Dies bestätigte sich nach Sitzungsende, wie Nebenklagevertreter Peter Wüller berichtet. Neuer Prozessauftakt ist nun der ohnehin als Fortsetzungstermin anberaumte 12. September.

Richter Glashörster gab darüber hinaus bekannt, dass die Haftbefehle gegen die Angeklagten nicht aufgehoben würden. Allerdings sei bei einigen der Männer das Ende der Sechsmonatsfrist, die sie vor Beginn einer Hauptverhandlung in Untersuchungshaft festgehalten werden dürften, mit dem Prozessauftakt am 6. August zusammengefallen. Die Akten würden daher hinsichtlich der Haftfrage dem Oberlandesgericht in Hamm zur Prüfung vorgelegt.

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