Herbst mit Historie

Birgit Nolte

Presse: Sabine Hahn ist in die Rolle ihrer Großmutter Anna Brickenkamp geschlüpft. Die las, wie die Enkelin heute, natürlich die Heimatzeitung. Speziell auf Bahnreisen nach wie vor eine beliebte Lektüre. - © Foto: Birgit Nolte
Presse: Sabine Hahn ist in die Rolle ihrer Großmutter Anna Brickenkamp geschlüpft. Die las, wie die Enkelin heute, natürlich die Heimatzeitung. Speziell auf Bahnreisen nach wie vor eine beliebte Lektüre. (© Foto: Birgit Nolte)

Halle. Ein bisschen schaurig ist es schon, was der Pastor Ludolf Hörmann da erzählt. Denn als der Geistliche noch lebte, pflasterten im wahrsten Sinne Leichen den gesamten Kirchhof. Der Geistliche, der darüber berichtet, ist allerdings quicklebendig. Stadtführer Udo Waschelitz ist in Hörmanns Rolle geschlüpft und lässt den Friedhofsstreit wieder auferstehen.

Schick: In der Rolle von Friederike Louise Delius verzichtet auch Ina Bohlken nicht auf einen Sonnenschirm. Delius lebte von 1796 bis 1806 in den Fachwerkhaus im Hintergrund, in dem heute die Buchhandlung Elsner untergebracht ist. - © Foto: Birgit Nolte
Schick: In der Rolle von Friederike Louise Delius verzichtet auch Ina Bohlken nicht auf einen Sonnenschirm. Delius lebte von 1796 bis 1806 in den Fachwerkhaus im Hintergrund, in dem heute die Buchhandlung Elsner untergebracht ist. (© Foto: Birgit Nolte)

Um das Jahr 1830 herum lagen die Haller Bürger mit der preußischen Verwaltung im Clinch. Während es die Bewohner der Lindenstadt überhaupt nicht störte, dass vor jedem Begräbnis erst einmal mit einem Stab herumgestochert werden musste, um zu prüfen, ob für eine weitere Leiche auf dem Kirchplatz überhaupt noch Platz vorhanden ist, möchte die Verwaltung diese Art des Begräbnisses abschaffen. Nicht zuletzt aus hygienischen Gründen: „Teilweise liegen auf den Toten nur einen halben Meter Erde", berichtet Udo Waschelitz seinem fasziniert zuhörenden Publikum.

Reibeplätzchen: Für den Hörster Kartenclub stehen Gisela Riese (von links), Susanne Künstler und Brigitte Scheer an der großen Pfanne. - © Foto: Birgit Nolte
Reibeplätzchen: Für den Hörster Kartenclub stehen Gisela Riese (von links), Susanne Künstler und Brigitte Scheer an der großen Pfanne. (© Foto: Birgit Nolte)

Weit laufen müssen die Besucher aber nicht, um fröhlichere Geschichten aus der Heimathistorie zu erfahren. Auch wenn es sich dabei um die Beschreibung eines ganz gewöhnlichen Alltag aus dem Beginn des 20. Jahrhunderts handelt. Mit viel Charme berichtet Sabine Hahn aus dem Leben ihrer Großmutter Anna Brickenkamp. Nicht von ungefähr hat sich die Stadtführerin in der Bahnhofstraße postiert.

Die Oma stieg 1917 aus dem Haller Willem

Denn hier ist ihre Oma 1917 zum ersten Mal in Halle aus dem Haller Willem gestiegen. Sie begleitete ihre Tante, die ihre Magenprobleme auskurieren wollte, von Rheda aus in das Paulinenheim in Stockkämpen. Halle sollte schnell ihre Heimat werden, denn die Schwestern, die das zu diesem Zeitpunkt einzige Haller Krankenhaus betreuen, stellen sie gleich als Hauswirtschafterin an. Dann lernt sie Heinrich Erich Brickenkamp kennen, den sie 1923 heiratet. Die Brickenkamps halten wie viele Familien Hühner und Schweine, kommen unversehrt durch die NS-Zeit und essen gerne Möpkenbrot. „Wenn Sie das Gericht nicht kennen, fragen Sie besser nicht nach den Zutaten", rät Sabine Hahn ihren Zuhörern.

Die Neugierigen hätten daraufhin bestimmt gerne eine Scheibe probiert, aber diese westfälische Deftigkeit ist leider nicht im Angebot. Dafür hauen die Damen vom Hörster »Kartenclub« jede Menge Reibeplätzchen in die heiße Pfanne. „32 Kilogramm Masse haben wir vorbereitet", lächelt Gerda Riese, die genauso wie ihre Mitstreiterinnen alle Hände voll zu tun hat.

Das schöne Wetter hat zahlreiche Besucher in das Haller Herz gelockt. Die Spurfelds nutzen den sonnigen Sonntag zu einem gemütlichen Familienausflug. „Wenn das Wetter stimmt, kommen wir immer zum »Haller Herbst«, berichtet Svenja Spurfeld. „Die Kinder kommen eher wegen des Shoppingvergnügens. Wir Erwachsenen sitzen aber eher gerne in der Sonne und genießen dabei ein kühles Bier", fügt sie mit einem Lächeln hinzu.

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