Eine Woche ohne Müll: Mein Fazit und meine Mentoren

Melanie Wigger

Idyllischer Einkauf: Beim Besuch im Hofladen war ich nicht die einzige Kundin, die selbst etwas zum Verpacken im Gepäck hatte. Sabine Ulbrich (links) hat mich beim Einkauf beraten. Ganz auf Verpackungen konnte ich trotzdem nicht verzichten. Das Mehl ist in einer Papiertüte. Die Flaschen kann ich zurückbringen. Das Brot habe ich in eine Dose gepackt. Foto: Andreas Frücht - © Melanie Wigger
Idyllischer Einkauf: Beim Besuch im Hofladen war ich nicht die einzige Kundin, die selbst etwas zum Verpacken im Gepäck hatte. Sabine Ulbrich (links) hat mich beim Einkauf beraten. Ganz auf Verpackungen konnte ich trotzdem nicht verzichten. Das Mehl ist in einer Papiertüte. Die Flaschen kann ich zurückbringen. Das Brot habe ich in eine Dose gepackt. Foto: Andreas Frücht (© Melanie Wigger)

Altkreis Halle. Was sein muss, muss sein! Am ersten Tag nach meinen Selbstversuch greife ich direkt zu einer Plastiktüte mit holländischer Lakritze. Aber das heißt nicht, dass mein einwöchiges Müllfasten keine Spuren hinterlassen hat: Weiterhin mit geschärftem Blick ziehe ich vorbei an den Supermarktregalen und spüre einen inneren Alarm bei jedem Plastikprodukt, das in meinem Korb landet. Muss das sein?

Ohne Müll zu leben ist ein riesiger Anspruch – vielleicht auch ein unerreichbarer. Mein Alltag wimmelt von Gewohnheitsfallen. Das merke ich auf einer Toilette, auf der ich mir die Hände automatisch mit Papiertrockentüchern abwische, bevor ich überhaupt begreife, dass ich schon wieder gegen meinen Vorsatz verstoße. Trotzdem bin ich zufrieden mit mir, denn mein heimischer Müllberg ist in dieser Woche deutlich kleiner ausgefallen. Den Weg zum Müllcontainer habe ich mir tagelang gespart.

„Es ist unmenschlich, sofort konsequent auf etwas zu verzichten"

Dass ich trotz gewisser Hürden auch nach dem Experiment am Ball bleiben möchte, verdanke ich den motivierenden Sätzen von zwei Versmolderinnen, die mir bei der Suche nach Badezimmer-Alternativen geholfen haben. „Wenn man das alles nicht so verbissen macht und klein anfängt, geht das leichter", erklärte mir Jutta Redecker, die nicht nur im Famlienunternehmen viele Stellschrauben zugunsten der Umwelt dreht, sondern auch privat den Jutebeutel statt der Plastiktüte bevorzugt. Und trotzdem: „Manchmal muss es auch mal der Heringssalat im blöden Plastiktopf sein", gibt sie offen zu.

Ähnlich sieht es die Versmolderin Jolanda de Brito: „Es ist wichtig, auch mal einen »Cheatday« zu haben." Ein solcher Tag, an dem man bewusst seine auflegten Regeln bricht und sich seine schlechten Gewohnheiten erlaubt und genießt, soll dem Frust entgegen wirken. „Es ist unmenschlich, sofort konsequent auf etwas zu verzichten. Erstmal geht es nur ums Anfangen. Nach und nach geht man dann weitere Schritte und entdeckt dabei immer mehr Dinge, die man ersetzen oder weglassen kann", sagt de Brito.

Sie empfiehlt sich für die Anfangszeit einen Plan mit den täglichen Routinen zu schreiben, die als Erstes ersetzt werden soll. „Manches ist so einfach. Zum Beispiel habe ich jahrelang Müllbeutel gekauft, bis mir auffiel, wie unsinnig es ist, etwas zu kaufen, das nur zum Wegwerfen bestimmt ist. Jetzt werfe ich alles direkt in den Eimer und trage den zur Tonne." Eine vin vielen Ideen, die auch ich nach meinem Selbstversuch übernehmen möchte.

"Die Vermeidung von Müll ist immer der bessere Weg"

Vorbilder für meinen Versuch finde ich auch in der Redaktion, genau genommen am Milchautomaten eines Supermarkts. Dort treffe ich – klein ist die Welt – eine Kollegin, die mir erklärt, dass der Wechsel zur Milch aus der Flasche sich in ihrer Familie in der Mülltonne deutlich bemerkbar gemacht habe. Ganz selbstverständlich zieht sie für den weiteren Einkauf von Obst und Gemüse sorgfältig gefaltete Papiertütchen aus ihrer Tasche. Auch viele Leser gehen sehr bedacht einkaufen. Aus ihren Zuschriften erfahre ich, dass sie schon über längere Zeiträume hinweg Müll reduzieren – auch wenn es einem die Händler nicht immer leicht machen. Respekt an alle, die trotzdem am Ball bleiben!

Selbst Leute, die ihr Geld mit der Müllentsorgung verdienen, spiegeln mir, dass sie im Privatleben sehr bewusst mit dem Verbrauch umgehen, sich sogar über unnötige Verpackungen ärgern. Einer von ihnen sagt mir im Vertrauen: „Ich denke so oft: Muss das wirklich sein? Wir Verbraucher, aber auch die Politik sollten die Hersteller zwingen, weniger Verpackungen zu verwenden. Die Wiederverwendung ist zwar gut, aber wir sollten uns damit nichts vormachen. Die Vermeidung von Müll ist immer der bessere Weg."

Info

Ideen zu vergeben



Am Ende meines Tests bleiben neben der Motivation auch ein paar Ideen (vielleicht beißt ja jemand an): 

  • Im Versmolder Unternehmen Redecker gibt es einen Verschenketisch, auf dem jeder Mitarbeiter ablegen kann, was er nicht mehr braucht und anderen gefallen könnte. Davon sollte es mehr geben. 
  • Dass meine Katzen mit Futterverpackungen meiner Müllbilanz schaden, ärgert mich. Sie mit Rohfleisch zu ernähren, erhöht jedoch das Risiko für Erkrankungen. Vielleicht kennt jemand ein tolles Rezept? Noch besser wäre ein Hofladen, der in die Heimtierfutter-Produktion geht. Ihre erste Kundin wartet schon auf Sie.
  • Toll wäre auch, ein gut sortierter Secondhand-Laden für aktuelle Mode oder Retro-Trends. Falls ich einen Geheimtipp im Altkreis Halle übersehen habe, sagen Sie mir Bescheid. 
  • Anfangs dachte ich, die neuen Unverpackt-Läden in den Großstädten hätten in den Dörfern und Kleinstädten keine Chance. Nachdem ich das Seufzen derjenigen gehört habe, die noch mit Tante-Emma-Läden aufgewachsen sind, in denen vieles unverpackt angeboten wurde, revidiere ich diese Meinung. Hinter jedem Seufzer steckt ein potenzieller Kunde.



Welche Ideen haben Sie? Schreiben Sie an melanie.
wigger@haller-kreisblatt.de

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