Die Satire: Singlehaushalte haben weniger Eheprobleme

Heiko Kaiser

Der Kaiserschmarrn - © Foto: Heiko Kaiser
Der Kaiserschmarrn (© Foto: Heiko Kaiser)

Die soziale Kälte in Deutschland nimmt zu. Das jedenfalls ist das Resultat einer Studie des Instituts für Sozialforschung an der Baumschule Sandfort-Süd. Die Wissenschaftler haben in den vergangenen drei Jahren insgesamt 198 Alteneinrichtungen in ganz Deutschland untersucht und sind dabei zu erschreckenden Erkenntnissen gekommen. Demnach scheint die Eltern-Kind-Bindung im Alter immer schwächer zu werden.

„Wir haben herausgefunden, dass nur 0,001 Prozent der Bewohner von Altenheimen und Seniorenresidenzen Besuch von ihren Eltern bekommen", sagt der wissenschaftliche Leiter der Studie Dr. Jörg Star-Tistick, Dieses Ergebnis habe auch ihn völlig überrascht, werde aber von Aussagen erfahrener Altenpfleger bestätigt. „In meiner langen Berufszeit ist es bei uns nicht ein einziges Mal vorgekommen, dass sich ein Elternteil um die Belange ihrer Kinder gekümmert ist. Das ist ein Skandal", sagt beispielsweise Renate Roggel, Stationsleitung im Seniorenstift Goldener Oktober in Wuppertal.

Ein Skandal, der bislang allerdings gesellschaftlich totgeschwiegen wird. So findet man im Internet zwar Ratgeber, die empfehlen, wie oft man die Eltern im Altenheim besuchen sollte, keine einzige Seite widmet sich allerdings der Frage, welches Besuchsintervall angeraten ist wenn das eigene Kind erst einmal in die Seniorenresidenz eingezogen ist.

Heiko Kaiser - © N. Donath
Heiko Kaiser (© N. Donath)

Die Forscher jedenfalls sind ratlos angesichts der offensichtlichen Lieblosigkeit, der ältere Menschen ausgesetzt sind. Eine mögliche Erklärung dafür sehen sie in prägenden Erlebnissen der Kindheit. „Wichtige Erfahrungen, die wir in der Kindheit mit unseren engsten Verwandten machen, haben Vorbildcharakter für unser späteres Leben. Sie werden unauslöschlich in unserem Gehirn gespeichert. Kommen wir später in eine Lebenssituation, die der alten gleicht, rufen wir automatisch die alten Geschehnisse ab und greifen zu ähnlichen Reaktionsmustern", erklärt Jörg Star-Tistick. So habe man herausgefunden, dass nur ganz wenige Kinder die Einschulung und Konfirmation ihrer Eltern besucht haben. „Selbst bei der Hochzeit liegt ihr Anteil bei unter fünf Prozent", so der Wissenschaftler. Die Konsequenz: Für dieses offensichtliche Desinteresse an den wichtigen Lebensstationen ihrer Eltern bekommen die Kinder im Alter die Quittung präsentiert.

Keine Erklärung hat Jörg Star-Tistick allerdings für ein weitere Beobachtung, die die Wissenschaftler im Zuge der Erhebung eher zufällig gemacht haben und die inzwischen als sogenanntes »Only child Theorem« Einzug in die Sozialwissenschaftliche Theorie gehalten hat. „Wir haben beobachtet, dass der Nachwuchs von Einzelkindern im Erwachsenenalter keinerlei Kontakt zu seinen Cousins und Cousinen aufbaut. Offensichtlich spielt also die Kinderzahl in der Ursprungsfamilie eine entscheidende Rolle für die spätere verwandtschaftliche Bindungsfähigkeit beziehungsweise den Bindungswillen", spekuliert Star-Tistick, will diese Theorie jedoch im Rahmen einer weiteren Studie mit Fakten untermauern.

Auch das nächste Projekt ist bereits geplant. „Es geht auch hierbei um ein häufig beobachtetes aber von der emirischen Sozialforschung bislang sträflich vernachlässigtes Phänomen. Dass es nämlich in Singlehaushalten zu signifikant weniger Ehestreitigkeiten kommt, als in anderen. Wir vermuten, da Singlehaushalte im Durchschnitt über eine deutlich geringere Wohnfläche verfügen, einen linearen Zusammenhang zwischen Quadratmeterzahl und Eheproblemen gibt", erklärt Star-Tistick.

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