Fit durch den Sommer: Buletten und die Summe des Lebens

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Heiko Kaiser - © Marc Uthmann
Heiko Kaiser (© Marc Uthmann)

Zurück auf null. Zwei Wochen Training sind für die Katz. Gefühlt zumindest. Ich kann nichts dafür. Ehrlich. Schuld ist dieses Seminar. Drei Tage in Berlin. Das sind Berliner Eisbein mit Erbspüree, Kasseler mit Sauerkraut, Berliner Bier sowie Buletten und Bockwurst schon zum Frühstück. Zwischendurch immer mal wieder ein Eis. Zu Letzterem wurde ich geradezu genötigt, da der Seminarveranstalter diese unglaublich rücksichtlose Idee hatte, Eis in unbegrenzten Mengen zur Verfügung zu stellen.

Ich wollte ja joggen. Eigentlich. Hatte ich mir jedenfalls fest vorgenommen. Doch nach drei Fleischklöpsen und einem Würstchen fühlte ich mich morgens irgendwie nicht in der Verfassung für kontinuierliche Bewegung. Wäre vermutlich bei der Hitze auch gar nicht so gesund gewesen. Und obwohl ich mir abends im Fernsehen regelmäßig zum Ausgleich die Leichtathletik-Europameisterschaft angesehen habe, scheine ich wieder zugenommen zu haben.

Es hilft ja nicht. Ich muss mich der Sache jetzt auf intelligente Art und Weise nähern und bin dabei im Internet auf eine App gestoßen. „Hol Dir die ultimative Formel für gesundes Abnehmen" steht da auf einer Seite. Genau das brauche ich jetzt.

»Lebenssumme« heißt das Programm aus dem Englischen übersetzt. Schwupp, schon ist es auf meinem Smartphone. Es misst dein Leben in Kalorien. Angesichts meiner Abnehmziele, der von mir eingegebenen Körperdaten wie Gewicht und Größe sowie meines Lebensstils (vorwiegend sitzende Arbeit) erlaubt es mir 1.791 Kalorien pro Tag.

Was ich esse, wird davon abgezogen. Ganz einfach. Ich gebe also nach dem Frühstück ein: drei Frikadellen mit Senf und ein Bockwürstchen mit Nutella. Ich verzichte ganz bewusst wegen des Fettes auf die Milch im Kaffee. Auch den Zucker lasse ich weg und bin schockiert. Einfach ratlos, wie ich mit den verbleibenden sieben Kalorien durch den Tag kommen soll. Zum Glück kann ich ja durch Bewegung mein Konto wieder auffüllen. Doch die 15 Minuten Fahrrad fahren (142 Kilokalorien) fressen zwei Merci-Riegeln in nur wenigen Sekunden.

Irgendwie taugt die App nicht. Essen wird viel zu hoch, Bewegung indes viel zu niedrig bewertet. Es ist doch völlig unlogisch, dass eine Tüte Kartoffelchips, die ich in 15 Minuten schaffe, mir so viel Kalorien zuführt, wie ich auf dem Crosstrainer in zwei Stunden abstrampele. Da stimmt doch etwas im System nicht.

Lebenssumme – pah. Was für’n Unsinn. Da waren Leute am Werk, die einfach keine Ahnung haben, wie Leben so läuft. Auf Seminaren, in Berlin und überhaupt. Ich halte es da mit Wilhelm Busch. Der hat einmal gesagt: „Die Summe des Lebens sind die Stunden, in denen wir liebten." Und ich liebe nun einmal Buletten, Bockwürstchen und vor allem ein kaltes Bier.

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