Ponderosa-Festival 2018: Tanzwut trifft auf Polonaise

Edwin Rekate

Mobiler Pool: Mc-Cormick-Fahrer Udo und Angela ziehen den planschenden Hillybilly Willi und dessen Kumpel über den Ponderosa-Campingplatz. - © Edwin Rekate
Mobiler Pool: Mc-Cormick-Fahrer Udo und Angela ziehen den planschenden Hillybilly Willi und dessen Kumpel über den Ponderosa-Campingplatz. (© Edwin Rekate)

Halle-Kölkebeck . German Elektropop, Folk-Pop, Singer- und Songwriter, Hillybilly, Reggae, Rock ’n‘ Roll, Mystic-Blues – vielfältige Genres werden stets beim Klassiker in Kölkebeck ins Line-up aufgenommen. Bei der 22. Auflage standen an zwei Tagen 13 Formationen auf dem Programm, drei Überraschungs-Bands gingen zusätzlich an den Start. Auf dem Ponderosa-Festival ist eben für jeden Geschmack etwas dabei. Vermutlich ist das Format jedoch ein Auslaufmodell, ein Face-Lifting ist allerdings laut Event-Manager Micky Grohe und Farmer Didi Keller nicht total ausgeschlossen.

Tanzwut trifft auf Polonaise


„Wir kommen aus der Mähdrescher-Stadt Harsewinkel, wir sind da zusammen ab der Krabbelgruppe aufgewachsen", erklärt Musikstudent Ole Sperber von »OLE« die Geschichte des Trios, das am Freitagabend das Ponderosa 2018 mit einem narrativen Akustik-Mix eröffnete.

Bühnenflair: Marc Schlüngel (von links), David Sandfort und Stefan Gödke von der Klamaukband »Kathrina« gehen mit grotesken Liedern und ihrem Wohnzimmer auf Tournee. - © Edwin Rekate
Bühnenflair: Marc Schlüngel (von links), David Sandfort und Stefan Gödke von der Klamaukband »Kathrina« gehen mit grotesken Liedern und ihrem Wohnzimmer auf Tournee. (© Edwin Rekate)

Nach den feinen Tap-Slapping Anschlagtechniken stieg »Pierre Anhalter« auf die Tribüne. Sozialkritisch geht das Quartett aus Bielefeld und Borgholzhausen nicht nur »Trendsettern« auf den Leim, es entwickelt musikalische Anti-Obsolet-Rezepte und bringt im knalligen Sonnenschein den pfiffig gereimten »Herbsttyp« auf die Ranch.

Großer Moment der Mondfinsternis

Ins idyllisch-lyrische »Panorama« – so der Titel ihrer CD – fügt sich auch die Band »Ganguin« ein. Das deutschsprachige Elektropop-Sextett um Marcel Ganguin und Violinistin Charlotte Fromme hinterfragt auf ihrem aktuellen Album »Was nützt die Welt« und diese Interrogation in Akkorde überträgt. „Die großen Momente, da sind sie wieder", kündigte die Band im Augenblick der Mondfinsternis an.

Reggae-Beat: Die Fans tanzten bei der »Surfahs Foundation« voll ab. - © Edwin Rekate
Reggae-Beat: Die Fans tanzten bei der »Surfahs Foundation« voll ab. (© Edwin Rekate)

Überm Festivalgelände kam die totale Mondfinsternis nicht krass reingesteppt, zuerst war der Blutmond nur ein rosa Hauch am dunstigen Himmel. Parallel zum Naturschauspiel agierte das Duo »White Coffee«, das mit der populären Textzeile „Oh whoa huh" aus dem Megahit »Kung Fu Fighting« rund 150 Besucher buchstäblich vom Hocker riss. Jenny und Andy strahlen eine Easy-Going-Atmosphäre aus, die den mitternächtlichen Ponderosa-Lifestyle prägt.

Und dann kam »Moe«. Der Bielefelder Senkrechtstarter Moritz Herrmann und sein Akkordeon-Sidekick Joschka Brings sind zwei urige Folkpop-Typen, die einfach überall Leben einspielen.

Eine weibliche Tenorstimme

Schon war’s Samstag und exakt »High Noon« präsentierte die Steinhagener Combo »Field« mit Sängerin Liliana Jabs ihre frechen Interpretationen der Red Hot Chili Peppers und Arctic Monkeys. Die 17-jährige Frontfrau reitet mit ihrer coolen Tenorstimme förmlich den Blitz und ihre Musiker entfesseln mit einem 70er-Jahre Stereo-Boliden einen fetten Sound.

Der nachfolgende »Morgenmann«, vorgetragen von Pianistin Cordel Unger und dem Gitarristen Björn Gaus, entwickelte sich zum Ohrwurm. Klar, die Story vom Mann, der einfach alles verschiebt, kam gut an. Doch schon schlug die Stunde der lauteren Töne. Das Quartett »Mess Around« zeigt Einsatz für die Liebe: „Ich bin den ganzen Weg für dich gerannt", groovten die vier Jungs mit den tollen Tollen.

Knall auf Fall enterte ein Trio aus Hamburg die Szenerie. Die Vipers-Cover-Band »Youth of Altona« legte ratzfatz los. Titel wie »Over the edge« und »Up Front« entrissen die ersten „Yeahs" und das wunderbar klingende Soundsystem wurde voll gefordert. Prompt danach servierte die ottonische Klamauk-Band »Kathrina« aus Rheda-Wiedenbrück groteske Stories direkt aus dem bürgerlichen Wohnzimmer-Bühnenbild.

Eine Show im Schleudergang

Drei prasselnde Highlights gestalteten das womöglich letzte Event nahtlos furios. Zuerst war es die Soul- und Funk-Band von Douglas D., dem Ex-Chef der Kultdiskothek »Neon‘s« in Amshausen. Er und die vor kurzem eingestiegene, frische Lady C. verdrehten mit ihrer Show dem begeisterten Auditorium Augen und Ohren.

Den Knoten im Gehörgang perfekt machte danach die »Surfahs Foundation«, die mit ihren groovigen Upbeat-Reggae-Summer-Songs die Tanzwut ausbrechen ließen.

Noch athletischer konterte die Hillybilly-Formation »Folsom Prisoners«. Während die Fans auf der Wiese Polonaise tanzten, kletterte Kontrabassist Sammy auf sein Instrument und spielte selbst on top und sogar in Rückenlage weiter. Die rote Laterne hängten »Walden & Heißmann« mit melancholischen Bluestönen à la Elvis Presley »In the Ghetto« aus. Zur frühmorgendlichen Stunde wünschte sich Tina aus Steinhagen: „Es wäre wirklich schön, wenn das Ponderosa weiter bestehen könnte." Aber die Zukunft des Kult-Festivals steht noch in den Sternen, vorerst war’s das letzte Mal.

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