Regen kommt fürs Getreide zu spät

Rolf Uhlemeier

Staubtrocken: Gerste ist abgeerntet, aber auch die übrigen Getreidesorten wie Triticale und Weizen werden von den Regenfällen nicht mehr profitieren. Die Fruchtbildung ist abgeschlossen. - © Herbert Gontek
Staubtrocken: Gerste ist abgeerntet, aber auch die übrigen Getreidesorten wie Triticale und Weizen werden von den Regenfällen nicht mehr profitieren. Die Fruchtbildung ist abgeschlossen. (© Herbert Gontek)

Halle . Nach wochenlanger Trockenheit hat es gestern endlich wieder geregnet. Der lang ersehnte Niederschlag lässt die heimischen Landwirte aber längst noch nicht aufatmen: Der Boden ist so trocken, dass es schon ergiebiger Regenfälle bedarf, um ihn nachhaltig zu durchtränken. Zudem kommt er für die Getreideernte zu spät. Profitieren werden hingegen Mais und Kartoffeln, die sich noch im Wachstumsstadium befinden.

„Auf die Getreideernte hat der Regen keinen Einfluss mehr“, sagt Ulf Kortepeter und ergänzt: „Bei Gerste liegt der Minderertrag bei 20 bis 25 Prozent und bei Triticale sind die ersten Flächen gerade abgeerntet.“ Bei der Kreuzung aus Weizen und Roggen sowie beim Weizen sieht es nach Angaben des Geschäftsführers der Raiffeisen Halle Warenhandel GmbH & Co. KG zum Teil noch schlechter aus: „Das hat natürlich auch Auswirkungen auf die Mengen, die wir als Saatgut ernten.“ Zudem sei durch die lange Trockenheit der Anteil der Klein- und Schadkörner verhältnismäßig hoch. Da sich das Getreide kurz vor der Endreife befindet und die Körner ausgebildet sind, bringe der Regen laut Kortepeter nichts mehr. Ob es zu Engpässen beim Saatgetreide kommen wird, kann man nach Ansicht des Geschäftsführers derzeit noch nicht sagen: „Das müssen wir erstmal abwarten. Weite Teile Ostdeutschlands sind von der Trockenheit ganz besonders betroffen und da werden große Mengen Saatgut vermehrt.“

Laut Burkhard Stüssel leiden unter der anhaltenden Trockenheit besonders die Kulturen auf den leichten Sandböden: „Zum Teutoburger Wald hin werden die Böden schwerer und da sind die Erträge besser.“ Nach Angaben des Vorsitzenden des Landwirtschaftlichen Ortsverbands Halle-Amshausen haben die Pflanzen auf den leichten Böden ganz erheblich unter der Trockenheit gelitten, entsprechend fallen die Erträge mit vier bis fünf Tonnen pro Hektar eher unterdurchschnittlich aus. Bei den schwereren Böden wird mit fünf bis sechs Tonnen gerechnet: „Da gibt es natürlich Ausreißer nach unten und nach oben.“

In den nächsten Tagen und Wochen steht laut Stüssel die Rapsernte an und auch da wird mit Einbußen gerechnet: „Die Pflanzen hatten schon im Herbst und im Winter zu kämpfen. Die Schläge sehen nicht besonders gut aus.“ Wenn die Rapsschoten keine ölhaltigen Samenkörner enthalten, dann können die Pflanzen nur verfüttert werden.

Auch Weizen und Roggen werden nach Angaben des Vorsitzenden mit Riesenschritten reif und müssen demnächst geerntet werden. Bei den geringen Strohmengen gehe das Dreschen gut, dafür seien die Erträge halt gering.

Mais, Kartoffeln und Zuckerrüben brauchen laut Stüssel den Regen sehr dringend, um die Frucht ausbilden zu können: „Wir haben hier bei uns nicht wie zum Beispiel in der Lüneburger Heide die Möglichkeit, die Flächen zu beregnen. Ohne Regen läuft da halt nicht viel.“

Generell sieht der Ams-hausener Landwirt aber noch keinen Grund zur Panik: „Solche Trockenphasen hat es immer schon gegeben. Mal regnet es zu viel und mal zu wenig. Damit müssen wir Landwirte leben.“ Zudem gäbe es zum Beispiel die Möglichkeit, den Boden im Frühjahr möglichst schonend zu bearbeiten, damit das Erdreich nicht so stark austrocknet: „Das sind allerdings nur kleine Stellschrauben, an denen wir drehen können.“

Auf den extrem sandigen Böden im Süden des Kreises geht Heiner Kollmeyer bei Gerste und Triticale sogar von Ernteausfällen im Bereich von 30 bis 35 Prozent aus. Und auch beim Mais sieht der Kreislandwirt erhebliche Probleme: „Es gibt hier Standorte, da sind die Pflanzen schon braun, da kommt der Regen definitiv zu spät.“ Laut Kollmeyer ist die Lage besonders für die reinen Ackerbaubetriebe derzeit alles andere als rosig, zumal im Kreis 55 bis 60 Prozent der landwirtschaftlich genutzten Fläche von 50.000 bis 55.000 Hektar gepachtet sind: „Da sind die Verluste ganz besonders schmerzlich.“

Von der extremen Trockenheit sind laut Andreas Wes-termeyer auch die Milchviehbetriebe betroffen: „Es fehlt ein Grasschnitt und damit Grünfutter, das die Betriebe für den Herbst brauchen.“ Nach Angaben des Vorsitzenden des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes versuchen die ersten Betriebe bereits Winterfutter zuzukaufen. Ob die aktuellen Regenfälle ausreichen, um den Mais zu retten, ist für Westermeyer durchaus noch fraglich: „In der Phase, in der die Kolben ansetzen, brauchen die Pflanzen extrem viel Wasser und da reichen ein paar Millimeter einfach nicht aus.“

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