Edeltraud lebt!

Uwe Pollmeier

Lebendig: Die auf Facebook totgesagte Edeltraud Aring arbeitet noch in einer Videothek. - © Uwe Pollmeier
Lebendig: Die auf Facebook totgesagte Edeltraud Aring arbeitet noch in einer Videothek. (© Uwe Pollmeier)

Halle.Im vergangenen Sommer fiel der letzte Vorhang für die beliebte Videothek Aring im Zentrum von Halle. Die frühere Inhaberin Edeltraud Aring steht hingegen noch mitten auf der Bühne des Lebens. „Es geht mir sehr gut", bestätigt sie gegenüber dem HK, obwohl sie noch wenige Tage zuvor in einer Facebook-Gruppe für tot erklärt worden war.

Mit großem Bedauern hatten einige Nutzer des Netzwerks auf eine im Haller Kreisblatt erschienene Todesanzeige reagiert. Demnach sei, so dachten einige Leser, für die Kultvideothekarin die letzte Klappe gefallen. Auf den ersten Blick konnte man dies auch wirklich denken. Der Name war vom Klang her identisch, jedoch etwas anders geschrieben, das Alter stimmte aufs Jahr genau überein und der Wohnort lag ebenfalls unweit von Halle in Südniedersachsen.

Ein Anruf in Melle sorgt für die Lösung

Auf den ersten Blick sprach also einiges dafür, dass es sich bei der verstorbenen Person tatsächlich um die Frau handelt, die 28 Jahre lang die Haller Wohnzimmer in Kleinkinos verwandelt hat. Die ersten Beileidsbekundungen von traurigen Hallern machten sich im sozialen Netzwerk breit, ein Nutzer postete gar ein Foto Arings, das sie in ihrer Videothek zeigt.

Sollte die lebenslustige Frau, die als wandelndes Filmlexikon in Halle Geschichte schrieb und alle Titel von Avatar bis Zurück in die Zukunft inhaltlich wiedergeben konnte, mit 67 Jahren und exakt ein Jahr nach Schließung der Videothek an der Lange Straße gestorben sein?

Ein alter Bekannter wollte auf Nummer sicher gehen und wählte am Samstag Arings Festnetznummer in Melle. Nach kurzem Klingeln meldete sich am anderen Ende bei bester Laune und Gesundheit die totgeglaubte Edeltraud Aring. „Du lebst ja noch", sagte der Bekannte etwas überrascht, aber hocherfreut. Aring wusste hingegen gar nicht, was los ist. „Ich hatte keine Ahnung, da ich ja selbst gar kein Facebook nutze", sagt Aring. Nur kurz erschrocken zieht sie gleich das Positive aus der verbreiteten Todesnachricht und deren Reaktionen. „Ist es schön, dass sich noch so viele an mich erinnern."

Um alle zu beruhigen, versichert sie, dass es ihr ausgesprochen gut geht. Schließlich sei sie zu Jahresbeginn nach einer sechsmonatigen Pause doch wieder zurück hinter den Videothekentresen gekehrt. Denn ein Hintertürchen hatten sich Edeltraud und ihr Mann Hans Günter Aring offengehalten: ihre letzte verbliebene Filiale in Bramsche. Die werfe zwar keinen Gewinn ab und sei nur noch stundenweise geöffnet, aber da man Besitzer der Immobilie sei, seien die Kosten gering.

Drei Mal pro Woche fährt Edeltraud Aring noch die rund 50 Kilometer von Melle nach Bramsche, um dort die vorletzte Videothek im Landkreis Osnabrück zu betreiben. Oft kämen auch noch frühere Kunden aus Halle vorbei, schließlich gilt auch heute noch: Zu den Hollywood-Blockbustern gibt es stets noch ein nettes Gespräch dazu.

Im Netz ist man inzwischen glücklich, das alles nur eine Verwechslung war. „Also doch noch gute Nachrichten, denn mit Edeltraud hat man nur gute Erinnerungen verbunden", postet eine Userin. Eine andere fasst es kurz und passend zusammen: „Edeltraud geht es bestens. Gott sei Dank."

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