Zeckeninvasion: Wieder Alarm in Wald und Wiese

Herbert Gontek

Symbolfoto - © pixabay.com
Symbolfoto (© pixabay.com)

Halle . Hündin Emmy wirkt auf Zecken wie ein Magnet. Nach jedem Freigang trägt sie einige davon nach Hause. Vor allem beim Grasfressen holt sie sich die nicht ungefährlichen Blutsauger, die dann gekonnt im dichten Fell verschwinden und einen Tag später mit ihren silbrig glänzenden Körpern aus dem Fell schimmern.

Zum Eingreifen eigentlich spät, denn besser wäre es für die Hündin, sie wäre schon unmittelbar nach dem Befall von den Krabbeltieren befreit worden. Wäre – aber man findet sie nur schwer, weiß ihr Besitzer. Der Haller Tierarzt Dr. Volker Janssen ist sich sicher, dass jede dritte bis vierte Zecke mit Borreliose belastet ist und die überträgt sie unter ungünstigen Bedingungen auf den Wirt, sei es Mensch oder Tier.

Vorher - nachher: Die großen Zecken haben eine Nacht einen Wirt ausgesaugt und in dem grau glänzenden Sack einen Blutvorrat angelegt, die kleine war auf der Suche nach einer geeigneten Stelle und wurde rechtzeitig erwischt. - © Manfred Koenig Naturfotografie, D
Vorher - nachher: Die großen Zecken haben eine Nacht einen Wirt ausgesaugt und in dem grau glänzenden Sack einen Blutvorrat angelegt, die kleine war auf der Suche nach einer geeigneten Stelle und wurde rechtzeitig erwischt. (© Manfred Koenig Naturfotografie, D)

Die angedockten Zecken sollte man umgehend entfernen. Bei Menschen ist es relativ einfach, es geht gut mit einer speziellen, dicken Folie, einer Zeckenkarte, mit der man sie direkt von der Haut abschabt. Wichtig ist: Der Zeckenkörper muss direkt an der Haut abgelöst werden, man darf auf keinen Fall den gefüllten Balg greifen und platt drücken. So gelangt das Zeckengift in die Blutbahn des Wirtes. Auch das Beträufeln mit Ölen, Lacken, Klebstoffen oder anderen Mitteln führt nur dazu, dass die Tiere ihre Gifte über die Zapfstelle ausschütten und damit schwere Infektionen erzeugen können.

In unserer Gegend besteht hauptsächlich Borreliosegefahr, eine Krankheit mit vielen Gesichtern, die oft nicht erkannt wird. Gelenkschmerzen, Mattigkeit, aber aber auch Lähmungen sind die Folge. Rechtzeitig erkannt, kann die Infektion mit Antibiotika geheilt werden.

Selbst wenn sie frühzeitig entdeckt und abgelöst werden, hinterlassen die Attacken der Zecken einen mehrtägigen Juckreiz. „Das ist normal" sagt Mediziner Dr. Wolfgang Decius. Umgehend ärztlichen Rat sollte man sich allerdings holen, wenn sich im Bereich des Bisses die sogenannte Wanderröte entwickelt. Sie deutet auf eine gefährliche Blutvergiftung hin. Wird eine Zecke zum Beispiel bei Weidetieren im Fell nicht entdeckt, lässt sie nach erfolgreicher Blutaufnahme vom Opfer ab und landet sicher im Gras.

Da kommt sie auch her. Die meisten springen in Kniehöhe auf ihre Opfer ab, laufen über die Haut und suchen sich oft in Hautfalten einen warmen Platz für den Tankprozess. Zur Vermeidung eines Angriffes sollte man im Wald und auf der Wiese dichte lange Hosen tragen. „Für Forstleute gibt es inzwischen mit Abwehrstoffen präparierte Wäsche", weiß Förster Carsten Bölts. Bewährt haben sich auch spezielle Sprays, aber über deren Nebenwirkung auf das Nervensystem gibt es unterschiedliche Auffassungen. Für Hunde werden neben Felltropfen inzwischen Tabletten angeboten.

Für Tiere und Menschen ist nach längerem Aufhalt in Wald und Flur eine Untersuchung des Felles und der Haut unbedingt empfehlenswert. „Gründlich suchen wichtig", sagt der Förster, denn es gibt Zecken, die winzig klein sind.

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