Nach A33-Eröffnung: Navigationsgeräte leiten durch Hörste

Heiko Kaiser

Holländer in Hörste: Das Navi führt die »Gelbschilder« hier zur Autobahn. - © Heiko Kaiser, HK
Holländer in Hörste: Das Navi führt die »Gelbschilder« hier zur Autobahn. (© Heiko Kaiser, HK)

Halle-Hörste. Ein Opel mit holländischen Kennzeichen rauscht heran. Zu spät registriert der Fahrer, dass sich aus dem Fischweg langsam ein Smart auf die Hörster Straße vortastet. Der Holländer hat Vorfahrt, wird jedoch ansichts des Tempos vom Querverkehr trotz großer Vorsicht viel zu spät wahrgenommen. Der Smart steht daher schon halb auf der Straße. Mit einem Schlenker weicht der Opel aus, gerät schlingernd kurz auf den schmalen Grünstreifen und hält sich anschließend nur mit Mühe auf der Fahrbahn.

Solche Situationen erlebt Bernd Rebischke fast täglich. Er wohnt an der Hörster Straße, direkt vor der Kreuzung mit Fischweg und Hesselner Straße. „Die knallen hier mit über 80 lang und nehmen viel zu spät wahr, dass hier rechts vor links ist", sagt er und fügt hinzu: „Hier ist nur noch nichts passiert, weil die, die sich auskennen, auf ihren Vorrang verzichten."

Die Raser sind entweder Ortskundige, die aufgrund der derzeitigen Verkehrssituation die Strecke über Hörste als Ausweichroute nutzen, oder aber Fremde, die vom Navi über die kürzeste Strecke durch die Autobahnlücke zur Auffahrt in Künsebeck oder in Borgholzhausen geleitet werden. Ein Versuch bestätigt diese Annahme: Wer beispielsweise das Ziel Paderborn in sein Navigationssystem eingegeben hat, wird am Autobahnende auf die B 476 nach rechts Richtung Versmold und schließlich durch Hörste geleitet. Das Verkehrsschild, das für die Richtung Paderborn nach links zur B 68 weist, wird dabei meistens übersehen.

Immer den Querverkehr im Blick: Bernd Rebischke hat vor seiner Hofeinfahrt einen Spiegel errichtet. Der aber sichert nur eine Richtung. - © Heiko Kaiser, HK
Immer den Querverkehr im Blick: Bernd Rebischke hat vor seiner Hofeinfahrt einen Spiegel errichtet. Der aber sichert nur eine Richtung. (© Heiko Kaiser, HK)

85 Prozent fahren nach dem Navi, für 15 Prozent stellen wir die Schilder auf", sagt Heinz-Udo Lakemper von der Stadt Halle. Er kennt die Problematik und hat nach der Diskussion im Bau- und Verkehrsausschuss sofort den Kreis Gütersloh als zuständige Behörde informiert. Anfang Mai führte die eine Verkehrszählung auf der Hörster Straße durch. Die ergab 1627 Fahrzeuge in 24 Stunden. Damit hat sich das Verkehrsaufkommen zur letzten Zählung 2010 (774) mehr als verdoppelt. Der Kreis Gütersloh sehe, so Lakemper, trotz dieser Daten keinen Grund, Maßnahmen zu ergreifen. Die Anzahl der Fahrzeuge rechtfertige keine Eingriffe. Zumal der Anteil des Schwerlastverkehrs mit fünf Prozent relativ gering sei.

„Verbote würden nur dazu führen, dass der Verkehr sich andere Ausweichstrecken sucht", sagt Lakemper. „Ich habe auch keine Lösung", erklärt Bernd Rebischke achselzuckend, während ein schwarzer Mercedes an seiner Toreinfahrt vorbeirauscht. „Wir wollen hier ja nicht die Mücke zum Elefanten machen, doch diese Situation ist wirklich gefährlich. Die Geschwindigkeiten, die hier gefahren werden, und das Verkehrsaufkommen sind für diese Straße völlig unangemessen."

Bernd Rebischke hat inzwischen gegenüber seiner Hofeinfahrt einen Spiegel installiert. Der aber zeigt nur, was von links aus Richtung Borgholzhausen kommt. So wird weiterhin jede Fahrt vom Grundstück zur Hochrisikoaktion.

Copyright © Haller Kreisblatt 2018
Texte und Fotos vom Haller Kreisblatt sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

Kommentare

Um Ihren Kommentar abzusenden, melden Sie sich bitte an.
Sollten Sie noch keinen Zugang besitzen, können Sie sich hier registrieren.

Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Nutzungsbedingungen für die Kommentarfunktion an.

captcha