Stimmung statt Sturmtief: Haller Willem gibt weiter Dampf

Uwe Pollmeier,Anke Schneider,BIRGIT NOLTE

Volldampf voraus: Die Dampflok 78 468 aus der T 18-Baureihe gehört dem Förderverein Eisenbahn-Tradition. Hier zieht sie die Waggons mit den Stadtfestbesuchern aus dem Bahnhof hinaus. - © Ulrich Fälker
Volldampf voraus: Die Dampflok 78 468 aus der T 18-Baureihe gehört dem Förderverein Eisenbahn-Tradition. Hier zieht sie die Waggons mit den Stadtfestbesuchern aus dem Bahnhof hinaus. (© Ulrich Fälker)

Halle. Die größte Überraschung am zweiten Tag des Stadtfestes Haller Willem lieferten weder Straßenkünstler noch Musiker. Es waren die Meteorologen, die einen Tag zuvor unwetterartige Szenarien entlang der Bahnhofstraße prognostiziert hatten. Statt frostigen Hagelschauern, Orkanböen und Dauerregen gab es aber nur Softeis, stürmischen Beifall und pausenlose Unterhaltung.

Die Haller konnten somit genau da weitermachen, wo sie am Vortag aufgehört hatten. „Das ist doch super", zeigte sich Bürgermeisterin Anne Rodenbrock-Wesselmann erfreut. Bis halb zwölf habe sie am Abend zuvor gefeiert. „Die Nacht war sternenklar, es war herrlich" – das Stadtoberhaupt freute sich auf die Fortsetzung am Himmelfahrtstag. Dass die Regenschirme wider Erwarten bis zum Abend unaufgespannt blieben, ist vielleicht mit göttlichem Beistand zu erklären. Schließlich begann das Feiertagsprogramm im Rathausinnenhof mit dem ersten ökumenischen Himmelfahrtsgottesdienst. Der evangelische Pfarrer Nicolai Hamilton begrüßte gemeinsam mit seinem katholischen Kollegen Josef Dieste zahlreiche Besucher. „Der Gottesdienst hat gut geklappt und war auch gut besucht", sagte Hamilton und fasste ebenso wie sein katholisches Pendant eine Fortsetzung in den kommenden Jahren ins Auge.

Stimmung statt Sturmtief: Haller Willem gibt weiter Dampf

Während der Schützenverein im Rathausgarten interessierten Besuchern die Grundlagen des Bogenschießens beibrachte, peilten zeitgleich die Kinder der städtischen Kita Künsebeck und der Lindenschule zielsicher die Rathausbühne an. Mit ordentlichen Dezibelwerten waren sie von der Remise gekommen, um auf der Bühne weitere Lieder zu singen. Beim Körperteil-Blues der Grundschüler machten auch die Besucher aktiv mit.

Ein weiterer Anlaufpunkt für die jüngeren Besucher war das Kinderparadies im Skulpturenpark. Hier konnte man sich im Seiltanz probieren, Seifenblasen in allen Größen durch die Luft wirbeln lassen oder sich beim Erfahrungsfeld der Sinne spielerisch der Physik nähern. Zwischendurch schlenderten alle Generationen durch die Budengasse der Schausteller und vor allem die Erwachsenen hatten viel Spaß am Kulturprogramm auf den beiden Bühnen.

Das war auf den Bühnen los

Nach der tollen Eröffnung bei strahlendem Sonnenschein ging es am Mittwochabend auf den beiden Bühnen bei kaum fallenden Temperaturen abwechslungsreich weiter. Entsprechend voll waren somit Straßen und Plätze. Zur Unterhaltung der Stadtfestbesucher trat am Rathaus unter anderem die Gruppe »Trifolie« auf, die die Gäste mit visueller Comedy erheiterte und dabei ohne Worte auskam. Die Besucher sahen eine abenteuerliche Kanufahrt mit Entenjagd im Urwald, die fiese Attacke einer Mücke auf einen friedlich Schlafenden und witzige Situationen in einem Pool, in dem ein Schwimmer, ein Taucher und eine alte Dame um ihr Territorium im Wasser stritten.

Kreatives aus Japan trifft auf Gelenkiges aus der Heimat

Für die musikalische Unterhaltung sorgten am späteren Abend verschiedene Bands, unter anderem die Gruppe »Herzattacke«, die auf der Bühne am Bahnhof Ohrwürmer wie »Unchain my heart« von Joe Cocker oder »Best days of my life« von American Authors auf das Publikum abfeuerten. Am Rathaus beschenkte die Gruppe »Kozma Orkestar« das Pub-likum mit Balkan- und Klezmermusik und »The Rockabilly Four« hatte Rock-’n’-Roll-Klassiker der 1950er und 1960er Jahre mitgebracht.

Am Donnerstag hielt der bedeckte Himmel seine Regentropfen überraschenderweise fest, so dass die Gäste auch hier das Programm in vollen Zügen genießen konnten. Bereits am frühen Nachmittag lohnte sich ein Besuch auf dem Stadtfest. Auf beiden Bühnen wurde ein lockeres und vielseitiges Programm für die ganze Familie geboten.

Als echter Hingucker entpuppte sich die Modenschau des Berufskollegs. Was mit ein wenig Kreativität textil alles möglich ist, davon ließen sich zahlreiche faszinierte Zuschauer auf dem alten Busbahnhof beeindrucken. Zumal sich die Studierenden von angesagter, fernöstlicher Mode inspirieren ließen. Dementsprechend exotisch und spannend ging es auf dem Catwalk zu.

Speziell der japanischen Hauptstadt Tokio und ihrem trendigen Stadtteil Harajuku spürten die angehenden Lagerfelds und Gaultiers nach. Da verwunderte es nicht, dass die Models an Figuren japanischer Comics erinnerten. Das Publikum war begeistert und belohnte die Macher dieser anziehenden Manga-Mode mit lautem Beifall. Ebenso gut kamen die gezeigten Hut-Kreationen an. Mit Gelenkigkeit und Showtalent überzeugten wenig später die Nachwuchstalente des SC Halle. Mehrere Jazztanzgruppen präsentierten gekonnte Choreographien.

Auch musikalisch ging am Nachmittag die Post ab. Die Band »Krawallo« lieferte Gassenhauer

Einen unverwechselbaren Sound präsentierte die Band mit dem recht simplen Namen »Scheel«. Unter dem Label »Caribbean Summer Breeze« ließ besonders Peter Wröbel an der Steel Drum Urlaubsgefühle aufkommen.

Für gute Laune sorgte zudem Ulknudel Lioba Albus. Sie regte sich in ihrem Programm »Von der Göttin zur Gattin« unter anderem über das Balzverhalten der heutigen Männer auf, die mit einer Flirtapp auf dem „Schmatzfon" angezeigt bekommen, ob sich im Umkreis von 300 Metern ein paarungsbereites Weibchen befindet. „Miteinander gehen, wie wir das früher gemacht haben, gibt es nicht mehr", so die Kabarettistin. Heute würde man sofort miteinander liegen. Und auch an der Kleidung störte sie sich. Während die Buxen bei den Jungs so groß seien, dass sie unter den Mittelscheitel hängen, würden die Mädels regelrecht in ihre Hosen „reingeschossen".

Vom Balzverhalten der Männer kam die Komikerin auf die große Politik, in der die Männer ebenfalls keine Leuchten seien. „Wir haben ein Testosteronproblem", sagte Albus und zählte Assad, Trump, Putin und Erdogan auf. „Wenigstens lenken die von dem Scheiß ab, den wir uns hier zusammengewählt haben",sagte die Dortmunderin.

Während die Schausteller am Abend ihre Buden abbauten, läuteten Bands wie »The urban turbans«, »Lohmanns Rhythm & Blues Kapelle« und »Heart Brake Company« den Feierabend ein. Mit gecoverten Ohrwürmern von Pink Floyd und Supertramp, Blues und Rockmusik, sowie handgemachten Reggae-Jazz endete das Stadtfest.

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