Das Fastentagebuch: Kalt, schwindelig und müde

Heiko Kaiser

Lecker! Aber für Heiko Kaiser ist das im Moment nichts. Er verzichtet. - © pixabay.com
Lecker! Aber für Heiko Kaiser ist das im Moment nichts. Er verzichtet. (© pixabay.com)

Zweiter Tag: „Fastennächte sind unruhige Nächte", hat einmal ein Fastenarzt gesagt. Stimmt! Ausgeschlafen jedenfalls fühle ich mich nicht. Das Aufstehen konfrontiert mich sofort mit einem treuen Begleiter der ersten Fastentage: Ein leichtes Schwindelgefühl. Damit protestiert mein ohnehin niedriger Blutdruck vehement gegen den Nahrungsentzug. Auch der Kaffeekopfschmerz ist intensiver als am ersten Tag. Hört sich nicht nach einer Werbung für das Fasten an, doch ich weiß ja, dass die Symptome spätestens am dritten oder vierten Tag verschwinden. Dann nämlich hat sich der Körper auf die neue Ernährung umgestellt.

Heiko Kaiser - © N. Donath
Heiko Kaiser (© N. Donath)

Grob gesagt, der Stoffwechsel wird von der eher kohlenhydratbetonten Ernährung von außen auf die Ernährung von innen, also die aus den Energiereserven, verändert. Einen Tag lang reichen die internen Kohlenhydratspeicher, dann baut der Körper vor allem Muskelproteine und Fette ab. Bedeutet, ich muss mich bewegen, um dem Muskelabbau etwas entgegenzusetzen. Hab schließlich keine Lust, mich nach dem Fasten dem Sohnemann im Armdrücken geschlagen zu geben.

Obwohl, das wäre vielleicht eine gute Ausrede für den schon lange von mir hinausgezögerten Vergleich. Also, mit dem Rad zur Arbeit. Das Smartphone zeigt für Halle acht Grad an. Ich friere trotzdem. Auch ein Zeichen dafür, dass der Körper nun Energie einspart, wo es geht und unter anderem die Körpertemperatur senkt.

Bei der Arbeit gibt es keine Probleme, es sei denn, Sie entdecken beim Durchlesen dieses Textes erste Anzeichen für die Unterversorgung des Gehirns. Denn auch hier wird gespart. Der Glucoseverbrauch der Denkfabrik sinkt auf 30 Prozent des Ausgangswertes. Den Rest übernehmen so genannte Ketonkörper, die aus dem Fettstoffwechsel generiert werden. Das sind Säuren, die der Körper versucht loszuwerden – über den Atem und den Schweiß.

Wer fastet, stinkt, habe ich irgendwo gelesen. Glaube ich nicht. Komisch nur, dass heute niemand ins Büro kommt. Und warum die Kollegin gegenüber diese Wäscheklammer auf der Nase trägt? Keine Ahnung.

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