Ministerium vergisst Anerkennungsbescheid für geflüchteten Ghanaer

Heiko Kaiser

Warten auf den Bescheid: Wie viele Asylbewerber (hier ein Archivfoto) lebte auch Edwin Ofori lange in Ungewissheit. - © Verwendung weltweit
Warten auf den Bescheid: Wie viele Asylbewerber (hier ein Archivfoto) lebte auch Edwin Ofori lange in Ungewissheit. (© Verwendung weltweit)

Halle . Edwin Ofori (Name wurde geändert) ist ein hoch qualifizierter Mann. In Ghana studierte er Marketing, wurde als Vertreter seines Landes zu Konferenzen der UN-Jugendorganisation United Nation Youth entsandt. „Dort habe ich Demokratie erlebt. In Ghana ist die Demokratie ein bisschen anders", sagt er vorsichtig. Edwin Ofori engagierte sich für die politische Opposition und sah sich zunehmenden Repressalien ausgesetzt. Als sein Freund verhaftet wurde, floh der heute 37-Jährige im Dezember 2015 nach Deutschland.

Bis zu seinem Anhörungstermin, am 17. Dezember 2016, in der BAMF-Außenstelle in Dortmund, verging ein ganzes Jahr. Nichts Ungewöhnliches angesichts des Arbeitsaufkommens im Bundesamt. Doch für Edwin Ofori war das erst der Anfang einer Wartezeit, die bis zum heutigen Tag anhält.

„In drei bis sechs Monaten werden sie Bescheid bekommen", erklärte ihm eine Mitarbeiterin. Doch Ofori wartete vergeblich. Er ließ sich dennoch nicht entmutigen, nahm an Sprachkursen teil und bestand die Prüfung zum B 1-Niveau mit Auszeichnung.

Und Edwin Ofori tat aus eigenem Antrieb noch wesentlich mehr, um den sozialen Anschluss in Deutschland zu schaffen. Er engagierte sich ehrenamtlich beim Mittagstisch der evangelischen Kirche, ist in der Ehrenamtsbörse vertreten, half mit bei Müllsammelaktionen, wurde Tischtennisspieler im SC Halle und ist auch in der DLRG aktiv. Er ist damit ein Musterbeispiel dafür, wie Integration gelingen kann. Dass er nicht den Mut verlor angesichts der Hürden, die ihm die Behörden in den Weg legten, ist umso erstaunlicher. „Manchmal war es sehr schwer", gibt Edwin Ofori zu. „Manchmal haben mich Menschen gefragt, warum ich nicht arbeite. Doch ich durfte ja nicht", sagt er.

Mehrfach beantragte seine ehrenamtliche Betreuerin für für ihn eine Sonderarbeitsgenehmigung. Denn Arbeitsstellen für den Mann zu bekommen, der fließend englisch und sehr gut deutsch spricht und bereit war, mit dem Rad auch weitere Strecken zurückzulegen, war kein Problem. Doch die Ausländerbehörde in Gütersloh lehnte das Ansinnen stets mit dem Hinweis auf seinen Status ab. Dann kam der 6. Dezember 2017. „Ich war an diesem Tag genau zwei Jahre in Deutschland", erinnert sich Ofori. Ein ehrenamtlicher Mitarbeiter der Haller Flüchtlingshilfe nahm das zum Anlass, zwei Tage später bei der Ausländerbehörde erneut anzufragen, ob Edwin Ofori nicht doch eine Sonderarbeitsgenehmigung bekommen könnte.

Die Antwort verschlug ihm die Sprache: „Herr Ofori braucht diese Genehmigung nicht. Denn seit dem 5. Mai ist er doch offiziell als Flüchtling anerkannt", teilte die Mitarbeiterin der Ausländerbehörde mit. Das BAMF hatte offensichtlich schlichtweg vergessen, den Bescheid hinauszuschicken. Als der 37-Jährige erzählt, wie es war, als der Mitarbeiter ihm schließlich mitteilte, er sei anerkannt, hat er Tränen in den Augen. Da wird deutlich, welche Ängste er im vergangenen Jahr ausstehen musste. Sieben Monate seines Lebens hat die Behörde ihm genommen. Sieben Monate, in denen er nicht arbeiten durfte, sich keine Wohnung suchen konnte und mit der Angst leben musste, abgeschoben zu werden.

Und bis heute dauert die Ungewissheit an. Denn weil der Ausländerbehörde in Gütersloh noch kein Abschlussbericht des BAMF vorliegt, kann der Fall Ofori nicht weiterbearbeitet werden. Erst wenn dieser eingetroffen ist, wird der 37-Jährige eingeladen, um den Antrag auf seinen elektronischen Aufenthaltstitel (eAT) – den Ausweis für Geflüchtete – zu stellen. Er ist das Eintrittsticket zu Job und Wohnung. Sechs weitere Monate könnten ins Land ziehen bis Edwin Ofori ihn in der Hand hält.

In einem umfangreichen Schriftwechsel versuchte die ehrenamtliche Betreuerin die Ausländerbehörde zu überzeugen, beim BAMF Einfluss auf eine Beschleunigung des Verfahrens zu nehmen. „Doch es fühlt sich niemand zuständig", sagt sie und beklagt, dass in diesem speziellen Fall nicht alles getan werde, um ein großes Versäumnis wiedergutzumachen.

„Wenn ich Arbeit habe, dann werde ich versuchen, Deutschland etwas davon wiederzugeben, was es für mich getan hat", sagt der inzwischen anerkannte Marketing-Fachwirt zum Schluss. Das ist typisch für ihn. Trotz der ungerechten Behandlung, hegt er keinerlei Groll. Entschuldigt hat sich bislang übrigens noch niemand bei Edwin Ofori.

Trotz Anfrage haben weder die Ausländerbehörde noch das BAMF eine Stellungnahme abgegeben.

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