"Danke, Udo Jürgens, für die Lieder!"

Alexander Heim

Toller Abend für einen ganz Großen: Die Songs von Udo Jürgens haben die Musical-Sänger Sabine Mayer, Karim Khawatmi, Andreas Bieber und Michaela Schober für ihre Show »Merci, Chèrie« zusammengestellt. - © Alexander Heim
Toller Abend für einen ganz Großen: Die Songs von Udo Jürgens haben die Musical-Sänger Sabine Mayer, Karim Khawatmi, Andreas Bieber und Michaela Schober für ihre Show »Merci, Chèrie« zusammengestellt. (© Alexander Heim)

Halle. Lange hatte es am Sonntag den Anschein gehabt, als würde es ein Konzert für Genießer werden. Hier und da rhythmisches Mitklatschen. An manchen Stellen ein Mitschunkeln. Sehr vereinzelt Gäste, die sich von ihren Plätzen erhoben. Und noch viel weniger Leuchtkörperlichter, wenn die ruhigen, gefühlvollen Balladen angestimmt wurden. Doch der Schein trog.

Denn spätestens als Musical-Star Andreas Bieber zur Reise nach »Paris« einlud und zu Samba-Rhythmen seine Hüften schwingen ließ, hielt es auch das bis dato zurückhaltende Publikum nicht mehr auf den Stühlen. Da wurde die Fläche vor der Bühne gestürmt. Da erhob sich Halle. Da wurde textsicher mitgesungen, geklatscht und getanzt.

Und keine Frage, das Publikum nahm Fahrt auf, als die vier Sänger mit ihrer sechsköpfigen Band gegen Ende der Show die Gassenhauer präsentierten. Jene Songs von Udo Jürgens, die wirklich jeder bis heute von ihm kennt. Zwei Stunden lang hatten die Musical-Stars Andreas Bieber, Karim Khawatmi, Sabine Mayer und die kurzfristig eingesprungene, stimmlich hervorragende Michaela Schober dem großen Musiker, Komponisten und Texter, der 2014 so unerwartet in Münsterlingen verstarb, einen üppigen roten Teppich ausgelegt.

Und dabei seinem Genius, seiner Vielfältigkeit und Zugewandtheit zum Leben noch einmal besonderen Respekt gezollt. „Danke, Udo, für deine Lieder!", bedankten sich die Musiker beim Komponisten.

Neues Mäntelchen für die Klassiker des großen Komponisten

Viele unter den Besuchern hatten Udo Jürgens – zum Teil mehr als einmal – live erlebt. Am Sonntag war es weder ein Musical, noch eine Lebens- oder Werksnachlese, die das Quartett auf der Bühne zeigte. Vielmehr hatten die Solisten mit Maria Komissartchik (Flügel), Astrid Nägele (Cello), Mario Stok (Keyboard), Matthias Plewka (Schlagzeug), Rolf Dieter Mayer (Bass) und Hannes Kühn (Gitarre) 28 klug ausgewählten Liedern einen neuen Anstrich gegeben, ihren Arrangements ein neues Mäntelchen verliehen. Und damit Udo Jürgens, den auch einige der Solisten als Teil des Musical-Ensembles in Stuttgart (2010) live erlebt hatten, eine ganz besondere Hommage erwiesen.

Nicht nur durch seine Lieder, sondern auch durch viele, weitere Zitate ließen die Solisten in ihren überleitenden Moderationen den gebürtigen Klagenfurter im Verlauf des Abends immer wieder zu Wort kommen. Und so ging es nicht nur nach New York oder Paris, fanden sich die Gäste nicht nur im »Ehrenwerten Haus« wieder, in dem die Losung »Aber bitte mit Sahne« ausgegeben war, während man der Fußball-WM 1978 (»Buenos Dias, Argentina«) nachspürte.

Sie trafen am Ende des Abends auch noch einmal auf den nachdenklichen Udo Jürgens, der sich über zwischenmenschliche Beziehungen (»Der gekaufte Drachen«) oder das Ankommen in der Fremde (»Griechischer Wein«) Gedanken machte. Und die Zukunft der Menschheit. »Ihr von morgen werdet neue Wege gehen« gab das großartige Ensemble den Zuschauern am Schluss der Show noch einmal mit auf den Weg. Merci, Udo.

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