Das Fastentagebuch: Die Abkehr von alten Gewohnheiten

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Daraus wird jetzt erstmal wohl nichts: HK-Redakteur Heiko Kaiser verzichtet mindestens eine Woche lang auf Essen. - © pixabay.com
Daraus wird jetzt erstmal wohl nichts: HK-Redakteur Heiko Kaiser verzichtet mindestens eine Woche lang auf Essen. (© pixabay.com)

Um es vorwegzunehmen: Ich esse gerne. Viel zu gerne. Und dennoch lege ich seit knapp 30 Jahren regelmäßig und freiwillig eine mehrtägige Essenspause ein. Fasten nach Buchinger. Das heißt: Nichts zu sich zu nehmen außer Wasser, Tee und ein wenig verdünntem Obst- oder Gemüsesaft. „Warum machst Du das?", werde ich regelmäßig gefragt. Du musst doch nicht abnehmen. Komischerweise höre ich den letzten Satz aber in den vergangenen Jahren immer seltener. Merkwürdig ...

Heiko Kaiser - © N. Donath
Heiko Kaiser (© N. Donath)

Es wäre deshalb nicht ganz ehrlich, wenn ich sagen würde, dass der Abnehmgedanke keinerlei Rolle spielt. Aber mit Sicherheit nicht die entscheidende. Für mich ist die Fastenzeit aus einem anderen Grund viel wichtiger. Sie ist ein Haltepunkt, ein Stoppschild. Eine bewusste Abkehr von liebgewonnenen und teilweise schlechten Gewohnheiten. Das regelmäßige Glas Wein am Abend, der Kuchen zum Nachmittag, die Pizza kurz vor Mitternacht oder die Schokolade zwischendurch gehören dazu.

Man kann sicher einwenden, dazu müsse man ja nicht komplett auf jegliches Essen verzichten, sondern sich nur ein wenig einschränken. Doch genau das ist ja das Problem. Ein bisschen kann ich nicht. Ich brauche die klare Regel. Ohne Ausnahme und Hintertürchen. So konsequent bin ich sonst allerdings nur bei Schokolade. Habe ich erst einmal eine Tafel angefangen, dann esse ich sie auch auf.

Doch damit soll jetzt eben Schluss sein. Für mindestens eine Woche. Am frühen Morgen habe ich ein Glas Glaubersalz getrunken. Damit beginnt das Fasten. Soll den Darm entleeren. Tut’s auch und das beeindruckend schnell. Früher habe ich stattdessen zum Einlauf gegriffen und dazu auch in den Fastenkursen, die ich als Heilpraktiker geleitet habe, stets geraten. Denn die Methode ist schonender aber auch unbequemer. Und irgendwie bin ich ein bisschen bequem geworden.

Auch Fasten kann unbequem sein. Muss es aber nicht. Denn Fasten ist jedes Mal ein bisschen anders. Manchmal fällt es leicht, manchmal verleiden riesige Widerstände diese Tage. Deswegen lege ich mich auch auf keine Zeit fest. Der Körper sagt mir schon, wann es genug ist. Nach fünf, sieben, zehn oder auch erst nach 18 Tagen – die längste Zeit, die ich bisher gefastet habe.

Der erste Tag bringt leichte Kopfschmerzen. Der fehlende Kaffee ruft sich in Erinnerung. Dagegen hilft trinken. Mindestens drei Liter Flüssigkeit täglich soll man in der Fastenzeit zu sich nehmen.

Erfahrungsgemäß sind die ersten drei Tage die schwierigsten. Dann hat sich der Körper umgestellt. Dazu morgen mehr. Heute Abend aber muss ich ohne Essen ins Bett. Eigene Selbstschuld, wie ein Freund von mir immer sagt.

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