Die Stadt als Kita-Träger: Neutralität hat ihren Preis

Kerstin Spieker

Die Kita Beckmanns Hof - © Alexander Heim
Die Kita Beckmanns Hof (© Alexander Heim)

Halle. Zuwachsraten, wie sie derzeit im Bereich der Kinderbetreuung zu verzeichnen sind, würden wohl jedem Wirtschaftsmagnaten ein glückliches Lächeln auf die Lippen zaubern. Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist ein gesellschaftliches Leitmotiv, das neue Kinderbetreuungseinrichtungen allerorts notwendig werden lässt, will man dem eigenen Grundsatz gerecht werden.

Im Gespräch: Hermann Bußmeyer. - © Herbert Gontek
Im Gespräch: Hermann Bußmeyer. (© Herbert Gontek)

Der Markt boomt und entwickelt sich zu einem entsprechend umkämpften, auf dem sich Träger unterschiedlichster Couleur tummeln. Ausnahmeerscheinungen im Altkreis sind Einrichtungen in kommunaler Hand. Von insgesamt vier unterhält die Lindenstadt drei.

„Ein klares Zuschussgeschäft für eine Kommune", wie der zuständige Abteilungsleiter Hermann Bußmeyer unumwunden einräumt. „Aber eines, das durch den politischen Willen in Halle abgedeckt ist", betont er. Hintergrund der höheren Kosten für Kommunen ist die Regelung zur Finanzierung von Betreuungsplätzen in Kindertageseinrichtungen. Da gibt es nämlich bei der Kostenübernahme durch das Land durchaus gewichtige Unterschiede. So erhält ein kirchlicher Träger als eine Institution mit eigenem Steueraufkommen 88 Prozent der anzurechnenden Pauschalen aus der Landeskasse. Von den verbleibenden 12 Prozent übernimmt die Stadt Halle 90 Prozent. Freie Träger ohne eigenes Steueraufkommen dagegen werden mit 91 Prozent vom Land finanziert. Die übrigen neun Prozent übernimmt in Halle zu hundert Prozent die Stadt.

Städtische Kindertagesstätte Künsebeck - © Marc Uthmann
Städtische Kindertagesstätte Künsebeck (© Marc Uthmann)

Ist eine Kommune selber Träger einer Einrichtung, so erhält sie lediglich 79 Prozent der anzurechnenden Kosten. Die verbleibenden 21 Prozent trägt in vollem Umfang die Kommune. „Im Gegenzug bekommen wir Einrichtungen mit einem höchst möglichen Maß an Neutralität", betonte Hermann Bußmeyer. Mit einer städtischen Kita bringe man wohl weder eine Nähe zu einer politischen Richtung noch zu einer bestimmten Konfession in Verbindung. „Natürlich vermitteln auch wir in unseren Einrichtungen Werte, die sind aber an keiner Ideologie oder Konfession ausgerichtet."

Außerdem, so nannte Hermann Bußmeyer einen aus seiner Sicht weiteren Vorteil, könne die Stadt bei ihren eigenen Einrichtungen eben auch die Richtung vorgeben. „Wenn ich da etwa das Betreuungsangebot bis 18 Uhr im Beckmanns Hof sehe", nannte er ein Beispiel.

Und was die Verwaltungstätigkeiten angehe, so sei die Stadtverwaltung ja mit Fachpersonal ausgestattet. „Wir verfügen also per se über die nötigen Strukturen", erklärte der Amtsleiter. Die anfallende Arbeitszeit in diesem Bereich ist allerdings genau genommen den bereits genannten Kosten noch hinzuzurechnen.

Städtische Kindertagesstätte Stockkämpen - © Kerstin Spieker, HK
Städtische Kindertagesstätte Stockkämpen (© Kerstin Spieker, HK)

Vielleicht auch deshalb ist für die Stadt Halle die Übernahme einer weiteren Trägerschaft im Bereich der Kindertageseinrichtungen kein Thema, wie die Verwaltungsspitze auf Anfrage erklärte. Zumal es eben auch Punkte gibt, die in kleineren Verbünden wie dem der städtischen Kitas schwerer zu lösen sind. So zählt die Belegschaft der drei Einrichtungen in Halle zwar 40 Köpfe, ein Puffer für eventuelle krankheitsbedingte Ausfälle ist aber nicht vorhanden. „Gegenseitige Vertretungen klappen eher nicht", räumte Bußmeyer ein. Ein Bereich, in dem gerade größere Verbände zu punkten versuchen.

Dass Halle als einzige Kommune im Altkreis Halle überhaupt drei Kitas in kommunaler Trägerschaft unterhält, könne vielleicht auch in der Geschichte der Stadt begründet liegen, räumt Hermann Bußmeyer ein. Immerhin war Halle mal Kreisstadt. Neben der Lindenstadt gibt es im Altkreis mit seinen fünf Kommunen Halle, Steinhagen, Borgholzhausen, Versmold und Werther nur noch eine weitere Kita in gemeindlicher Trägerschaft. Das ist die Zwei-Gruppen-Einrichtung Ströhen. „Das ist einfach eine gewachsene Struktur", erklärte Gabi Schneegaß von der Gemeindeverwaltung Steinhagen.

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