KWG möchte 20 Wohnungen pro Jahr bauen

Kerstin Spieker

In den Städten des Altkreises aktiv: Jüngstes Projekt der KWG in Halle ist das Mehrfamilienhaus am Klingenhagen 10. Für die kommenden Jahre plant die KWG durchschnittlich 20 Wohnungen im Jahr neu zu bauen. Dabei könnte der Anteil der öffentlich geförderten Projekte unter den veränderten Vorzeichen steigen. - © Foto: Nicole Donath
In den Städten des Altkreises aktiv: Jüngstes Projekt der KWG in Halle ist das Mehrfamilienhaus am Klingenhagen 10. Für die kommenden Jahre plant die KWG durchschnittlich 20 Wohnungen im Jahr neu zu bauen. Dabei könnte der Anteil der öffentlich geförderten Projekte unter den veränderten Vorzeichen steigen. (© Foto: Nicole Donath)
KWG-Vorstand: Sven Eisele. - © Foto: Kerstin Spieker
KWG-Vorstand: Sven Eisele. (© Foto: Kerstin Spieker)

Herr Eisele, die Schaffung bezahlbaren Wohnraums steht derzeit auf der Agenda wohl aller politischen Gruppierungen ziemlich weit oben. Ein Steuerungsinstrument auf diesem Gebiet ist die Festlegung des Mietniveaus für den öffentlich geförderten Wohnungsbau. Das Land hat die Kommunen Halle, Werther und Steinhagen von Mietniveau zwei auf drei gesetzt. War das zu erwarten?

SVEN EISELE: Es deutete sich an. Die Bürgermeister unserer fünf an der Kreiswohnstättengenossenschaft (KWG) beteiligten Kommunen hatten sich mehrfach gemeinsam an das Land gewandt. Und auch innerhalb unseres Verbandes gab es Hinweise auf eine entsprechende Veränderung.Die Notwendigkeit der Erhöhung ließ sich vermutlich ja auch an der Menge der abgerufenen Mittel ablesen. Für den bisherigen Mietpreis von 4,65 Euro pro Quadratmeter ließ sich sozialer Wohnungsbau trotz öffentlicher Förderung einfach nicht wirtschaftlich darstellen. Und dann findet er eben auch nicht statt.

Dennoch hat ja die KWG in den vergangenen Jahren gebaut. Auf welcher Grundlage?

EISELE: Neben elf öffentlich geförderten Wohnungen in Steinhagen, die noch vor der Rückstufung von Steinhagen auf Mietstufe zwei bewilligt worden waren, haben wir frei finanzierte Projekte umgesetzt. Dabei haben wir versucht, uns nach Wünschen, Bedarfen und Rahmenbedingungen wie zum Beispiel der Verfügbarkeit von Grundstücken zu richten.

Wird sich das jetzt ändern?

EISELE: Es gibt einen großen Nachholbedarf hinsichtlich des öffentlich geförderten Wohnungsbaus. Angesichts des neuen Mietniveaus in den genannten Kommunen werden wir sicherlich jetzt auch wieder Projekte auf diesem Gebiet realisieren.

Versmold und Borgholzhausen sind auf Mietniveau zwei verblieben. Heißt das, dass jetzt verstärkt die anderen drei Kommunen zum Zuge kommen?

EISELE: Natürlich wird es unsere Entscheidungen beeinflussen, dass wir in der einen Kommune ein Projekt im sozialen Wohnungsbau als wirtschaftlich vertretbar einstufen und in der anderen nicht. Das ist nicht gerecht und ich weiß auch noch nicht einmal, auf welcher Grundlage die Einteilung erfolgt sein mag. Menschen mit geringem Einkommen und Bedarf an bezahlbarem Wohnraum gibt es ja auch in Versmold und Borgholzhausen. Es wird aber ungleich schwerer, entsprechende Projekte dort umzusetzen.

Werden Sie Ihre Mittel und Kapazitäten auf der veränderten Entscheidungsgrundlage dann neu einteilen, oder werden Sie Ihre Kapazitäten erhöhen und insgesamt mehr Projekte umsetzen?

EISELE: Nein, wir werden unsere Kapazitäten nicht erhöhen. Wir planen im Schnitt, in den nächsten Jahren 20 neue Wohnungen jährlich zu bauen. Das wird auch so bleiben. Der Anteil der Projekte mit öffentlicher Förderung kann aber steigen. Damit wären Halle, Werther und Steinhagen natürlich im Vorteil, wobei Steinhagen und Halle mit den zusätzlichen städtischen Förderprogrammen dann noch einmal günstigere Ausgangslagen haben. Aber natürlich findet auch weiterhin frei finanzierter Wohnungsbau statt. In Borgholzhausen stehen wir in Verhandlungen um ein geplantes Neubauprojekt an der Osningstraße. Und auch für Versmold warten wir gerade auf die Baugenehmigung für eine Verdichtung auf unserem eigenen Areal.

Mit der Planung und dem Bau ist die Verbindung zum Objekt für die KWG ja noch nicht zu Ende. Was sind im Weiteren Ihre Aufgaben?

EISELE: Die fertiggestellten Objekte bleiben bei der KWG. Wir verwalten sie und wir sind verantwortlich, wenn es um Sanierung und Modernisierung geht. Auch hinsichtlich der Vermietung sind wir die Ansprechpartner.

Hinsichtlich der öffentlich geförderten Bauten gelten dabei aber andere Regeln als bei frei finanzierten, oder?

EISELE: Für die öffentlich geförderten Wohnungen hat die jeweilige Stadt das Belegungsrecht. Es ist aber üblich, dass wir mit den Stadtverwaltungen Hand in Hand arbeiten. Denn natürlich ist uns daran gelegen, gute Hausgemeinschaften hinzubekommen, was dann auch zu einer geringen Fluktuation führt.

Und geht das Konzept auf?

EISELE: Wir haben eine sehr geringe Fluktuation. Unsere Mieter sind uns meist über Jahrzehnte treu.

Gibt es dabei einen Unterschied zwischen öffentlich geförderten Objekten und frei finanzierten?

EISELE: Für uns ist da keiner spürbar. Allerdings ist der Anteil der Wohnungen für Menschen mit Wohnberechtigungsschein mit 240 bei insgesamt 1749 Wohnungen der KWG sehr gering.

Jetzt ist der Geltungszeitraum für das neue Förderprogramm bis 2022 begrenzt. Muss man damit rechnen, dass danach die Karten komplett neu gemischt werden?

EISELE: Es ist richtig, dass die Planungssicherheit für Investoren zunächst bis 2022 gegeben ist. Was danach passiert, kann ich nicht sagen. Allerdings kann ich mir derzeit nicht wirklich vorstellen, dass es zu einer Rückstufung kommt.

Das Interview führte Kerstin Spieker

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