Hochsaison für Dachdecker dank Orkan

Uwe Pollmeier

Nicht alle Pfannen auf dem Dach: Orkan Friederike hat das Dach der Kita Beckmanns Hof - © Foto: Heiko Kaiser
Nicht alle Pfannen auf dem Dach: Orkan Friederike hat das Dach der Kita Beckmanns Hof (© Foto: Heiko Kaiser)

Halle. Die Spuren des Orkans Friederike sind auch drei Wochen danach noch an vielen Stellen sichtbar. Und das nicht nur in den Wäldern, sondern auch in den Dienstplänen der heimischen Dachdecker. „Wir haben rund 250 zusätzliche Aufträge, die uns in den vergangenen drei Wochen viel Arbeit gebracht haben“, sagt Christian Marschner vom gleichnamigen Meisterbetrieb in Gartnisch. Davon, dass alle Schäden bereits behoben werden konnten, könne jedoch nicht die Rede sein. „Wir sind noch mittendrin“, sagt Marschner.

Viel Arbeit: Obermeister Georg Effertz. - © Foto: Rolf Birkholz
Viel Arbeit: Obermeister Georg Effertz. (© Foto: Rolf Birkholz)

Die Schäden seien ganz unterschiedlich. Bei dem einen fehlen nur ein paar Pfannen, anderen hat Friederike den kompletten Dachstuhl zerstört. „Manchmal hat der Sturm auch ganze Fenster rausgedrückt“. Marschner hat den Eindruck, dass Friederike noch stärker getobt hat, als Orkan Kyrill elf Jahre zuvor. „Wenn ich die uns gemeldeten Schäden sehe, ist das Ausmaß wohl noch größer“, vermutet Marschner und bitte zugleich um Verständnis, dass nicht jeder Kunde direkt bedient werden kann.

„Wir haben sogar Anfragen aus anderen Städten, gestern erst mussten wir einen Auftrag aus Greffen ablehnen. Wir sind mit 15 Mitarbeitern recht groß aufgestellt, aber das alles schaffen wir trotzdem nicht“, gesteht Marschner. Der Großteil der Aufräumarbeiten dürfte bald beendet sein, einige schwerwiegende Arbeiten, wie etwa der Neuaufbau einer kompletten Terrasse in Bielefeld, dauern wohl noch bis zum Sommer an.

„Es geht derzeit allen Betrieben im Kreis Gütersloh so“, bestätigt Georg Effertz, Obermeister der Innung für Dach-, Wand- und Abdichtungstechnik im Kreis Gütersloh. Es gebe insbesondere sehr viele kleinere Schäden. Vor etwa 20 Jahren habe es viele neue Farben und Formen von Tonziegeln. Die Zahl der Anbieter hat sich jedoch sehr verringert. Man müsse erst feststellen, ob es noch gleichwertigen Ersatz gebe und wenn ja, wie lange die Lieferzeit dafür ist.

Zwar gibt es seit Kyrill eine neue Befestigungsmethode, in dem die Dachpfannen nicht nur übereinandergelegt, sondern geklammert werden, aber auch diese ist nicht ganz sturmfest. „Die Klammern können sich im Sturm verbiegen und lockern“, erklärt Effertz. Der Dachdeckermeister aus Rheda-Wiedenbrück schätzt anders als sein Haller Kollege, dass Friederike verglichen mit Kyrill eher harmlos gewesen ist. „Ich denke, wir hatten diesmal nur ein Viertel der damaligen Schäden.“ Zur Verzögerung bei der Beseitigung der Sturmfolgen trägt auch die derzeitige Witterung bei. „Durch den Frost ist es auf den Dächern rutschig“, sagt Effertz. Zudem seien einige Ziegel festgefroren, so dass man erst gegen Mittag, wenn die Temperaturen langsam über null Grad klettern, auf das Dach klettern darf.

Er bittet daher die Kunden um etwas Geduld. „Die Sturmschäden kommen ja zu den anderen Aufträgen hinzu“, sagt der Obermeister. Es gebe Verträge und die müssten eingehalten werden. Man könne nicht einfach alte Arbeiten liegenlassen, um direkt neue Sturmschäden behandeln zu können.

Copyright © Haller Kreisblatt 2018
Texte und Fotos vom Haller Kreisblatt sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

Kommentare

Um Ihren Kommentar abzusenden, melden Sie sich bitte an.
Sollten Sie noch keinen Zugang besitzen, können Sie sich hier registrieren.

Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Nutzungsbedingungen für die Kommentarfunktion an.