Märchen-Aufführung im KGH bezaubert 300 Kinder

Edwin Rekate

Äpfel aus dem Feenland: Ayse darf dem Magier Samuel Lenz beim Zählen helfen. Fotos: Edwin Rekate - © Edwin Rekate
Äpfel aus dem Feenland: Ayse darf dem Magier Samuel Lenz beim Zählen helfen. Fotos: Edwin Rekate (© Edwin Rekate)
Atmosphärische Barockmusik: Anna Kaiser (I. Violine, von links), Emanuele Breda (II. Violine), Alexander von Heißen (Cembalo) und Georg Schütte (Violone) sorgen für Klänge wie im Königsschloss. (Foto : Edwin Rekate) - © Edwin Rekate
Atmosphärische Barockmusik: Anna Kaiser (I. Violine, von links), Emanuele Breda (II. Violine), Alexander von Heißen (Cembalo) und Georg Schütte (Violone) sorgen für Klänge wie im Königsschloss. (Foto : Edwin Rekate) (© Edwin Rekate)

Halle. „Jeder Ton war richtig. Seit Wochen haben die Musiker geübt, jetzt stimmt alles, ihr habt es gehört." Auf diese Worte von Gudrun Rathke ertönt ein lautes „Jaaa!" aus dem Publikum. Die Frankfurter Erzählerin aktiviert vom ersten gesprochenen Satz an die 300 Schüler in der KGH-Aula. „Jetzt kann das Fest beginnen, das große Fest im Schloss", leitet die Märchenerfinderin direkt in die Handlung über.

Die vier Barockmusiker, die mit der Ouvertüre von Johann Joseph Fux (1660–1741) das Spektakel feierlich eröffnet haben, können mit ihren Melodien problemlos die Atmosphäre am königlichen Hof schaffen. Sofort stehen alle Kinder im Bann des funkelnagelneuen Märchens. Schon sind sie in der Küche und im Festsaal, können erleben, wie die Geburtstagstorte für die Prinzessin dekoriert und die Festtafel mit Stil gedeckt wird.

Im nächsten Moment lernen sie »Finn« kennen, den Protagonisten der Geschichte, der als Gehilfe des Oberhofgärtners einen Fauxpas nach dem anderen fabriziert. Im Publikum hebt Gelächter an. Gudrun Rathke forscht nach dem Warum: Ein echter Finn steht auf, doch wie das bei Geschichten so ist, jede Ähnlichkeit mit lebenden Personen ist rein zufällig.

Haller Bach-Tage - © HK
Haller Bach-Tage (© HK)

Da folgt schon der erste Auftritt des Magiers, der versprochen hat, der Prinzessin ein Getränk zu zaubern, das man noch gar nicht kennt. Samuel Lenz entert die Bühne, mixt Gläser und Flaschen durcheinander, schüttet Wasser in die Tageszeitung und schenkt aus ihr gelben Sprudel wieder aus. „Das ist Fanta", sagt eine erfreute Emma, die das Getränk probieren darf.

Zurück zum Erzählstrang: Finn hat achtlos einen Spaten vorm Rosenbeet liegen gelassen, über den der Gärtner zu Fall kam und sich derart verletzte, dass er den Geburtstagsstrauß selbst in das Schloss ins Zimmer der Prinzessin bringen muss. Ab jetzt häufen sich seine Fehler. Der Junge ist derart fasziniert von der Bettwäsche aus blauer Seide, dass er stolpert und den Käfig mit der Nachtigall der Prinzessin umstößt. Als diese davonfliegt, ertappt ihn die Prinzessin. Der davonjagende Finn hat nun einige Abenteuer zu bestehen. Damit er die über den Verlust der Nachtigall trauernde und krank gewordene Prinzessin rettet, muss er Milch aus dem Reich des Riesen und Äpfel von der Zauberinsel der Fee besorgen.

Kreative Stimmbildnerin: Laura Kriese. - © Edwin Rekate
Kreative Stimmbildnerin: Laura Kriese. (© Edwin Rekate)

Um ihm Mut zu machen, tritt nun eine Folkwang-Gesangsstudentin und Kinderstimmbildnerin am Essener Theater in Aktion. Laura Kriese, die früher selbst im hiesigen Kinderchor mitgesungen hat, animiert die Schüler zum Mitsingen im Chor. Selbst komponierte und getextete Lieder von Anna-Lena Schütte werden angestimmt und 300 Stimmen bescheren dem zagenden Finn die nötige Courage.

Additiv sorgen Anna Kaiser (I. Violine), Emanuele Breda (II. Violine), Alexander von Heißen (Cembalo) und Georg Schütte (Violone) für die musikalische Untermalung. Wenn im Feenland dunkle Wolken aufziehen und ein Gewitter losbricht, dramatisieren sie instrumental die Stimmung mit Auszügen aus Vivaldis »Die vier Jahreszeiten«. Im Land des Riesen spielen sie kuriose Kompositionen aus dem »Musikalischen Kalender« von Gregor Joseph Werner (1693–1766). Zum Happy End, das Erzählerin Gudrun Rathke fantasievoll gestaltet, trumpft nochmals der Magier Lenz auf, der mit Pyrotechnik und Konfettiregen für finale Stimmung sorgt, die alle Kinder fröhlich mit nach Hause nehmen können.

Szenische Dramaturgie: Märchenerzählerin Gudrun Rathke. - © Edwin Rekate
Szenische Dramaturgie: Märchenerzählerin Gudrun Rathke. (© Edwin Rekate)

Am Klavier

Die »Goldberg-Variationen« gibt es am Sonntag, 4. Februar, im Martin-Luther-Haus zu hören. Pianist Yorck Kronenberg spielt sie ab 17 Uhr. Garantiert ist ein besonderer Genuss – stellen diese Variationen des Werks von Bach doch einen monumentalen Instrumentalzyklus dar.

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