Tierschützer und Tierärzte für radikale Maßnahmen im Kampf gegen Afrikanische Schweinepest

Heiko Kaiser

Wildschweine: Sie stehen derzeit unter Beobachtung. Ihr Bestand soll zur Seuchenvorbeugung reduziert werden. - © Foto: pixabay.com
Wildschweine: Sie stehen derzeit unter Beobachtung. Ihr Bestand soll zur Seuchenvorbeugung reduziert werden. (© Foto: pixabay.com)

Altkreis Halle. Die Frage ist nicht ob, sondern wann die Afrikanische Schweinepest Deutschland erreichen wird. Das jedenfalls sagen Seuchenexperten. Die Ankündigung, dass der Wildschweinbestand durch intensive Bejagung prophylaktisch auf ein niedriges Maß zurückgeführt werden und im Falle einer Erkrankung das davon betroffene Kerngebiet komplett von Wildschweinen bereinigt werden muss, wirft bei Tierschützern die Frage auf: Ist das tatsächlich nötig?

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„Ja", sagt die Tierärztin Angelika Zechini, von der auf die Behandlung von Schweinen spezialisierten Tierarztpraxis Ralf Bischoff in Melle. „Die Afrikanische Schweinepest ist im Gegensatz zur Europäischen sehr gefährlich. In über 90 Prozent der Fälle endet sie tödlich. Zudem gib es keinen Impfstoff, und darin wird sich nach Expertenmeinungen auch in den kommenden zehn Jahren nichts ändern", sagt die Meller Tierärztin.

Um so wichtiger sei es, alle Maßnahmen zu ergreifen, um die Übertragung in Deutschland möglichst gering zu halten. Angelika Zechini möchte jedoch die Notwendigkeit der Schutzmaßnahmen nicht nur unter ökonomischen Gesichtspunkten verstanden wissen. „Es wird in diesem Zusammenhang immer wieder gesagt, man müsse die großen wirtschaftlichen Schäden verhindern. Zu kurz kommt mir dabei der Aspekt des Tierwohls. Denn Schweine, die an der Afrikanischen Schweinepest erkranken, gehen qualvoll zugrunde.

90 Prozent der vom Virus infizierten Tiere sterben

Hier gilt es vor allem massives Tierleid zu verhindern Das sollte das Leitmotivbei der Seuchenbekämpfung sein", erklärt sie.

Angelika Zechini hält es daher auch für sinnvoll, die Wildschweinpopulation im Zaun zu halten. „Der Wildschweinbestand in Deutschland würde auch dann nicht gefährdet, wenn in einem von der Seuche betroffenen Kerngebiet sämtliche Tiere getötet werden müssen", sagt sie. Sie betont jedoch, dass man sich zur Zeit aber noch vor dem Seuchenfall befände, wo es darum geht, Populationen zu kontrollieren und durch Aufklärung über die Verbreitungswege die Biosicherheit zu verbessern.

Besonders tragisch ist, dass im Falle eines Seuchenfalls besonders die landwirtschaftlichen Betriebe betroffen wären, die auf eine artgerechte Haltung achten. Im Gegensatz zu Großbetrieben, in denen oft eine hermetische Abriegelung von Stall und Außenwelt zu finden ist, gibt es in Zuchtbetrieben mit Freilauf und Außengelände zwangsläufig ein größeres Risiko, dass Hausschweine mit Wildscheinen in Kontak kommen könnten.

Das aber, so Christina Höbel, vom Deutschen Tierschutzbund, dürfe nicht dazu führen, dass Seuchen instrumentalisiert werden, um Freilandhaltung abzuschaffen. Höbel forderte daher auch im Seuchenfall eine individuelle Einschätzung vorzunehmen, inwieweit der einzelne Betrieb gefährdet sei.

Die Fachreferentin stellte auch in Frage, ob Fangprämien das richtige Mittel seien, um die Wildschweinpopulation zu reduzieren. Sie lehnte zudem ab, ganze Rotten in garagenartigen, so genannten Saugruben zu fangen, in denen die Tiere unter großen Stress gerieten. Klar ist aber auch für die Tierschützerin: „Es muss verhindert werden, dass sich die Seuche sich in Deutschland ausbreitet."

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