HalleGlasfaser-Netzausbau kommt nicht in Gang

Herbert Gontek

Könnte schneller gehen: Der Glasfaserausbau – hier installiert ein Techniker ein neues Kabel – stockt im Kreis. - © Foto: Klaus-Dietmar Gabbert/dpa
Könnte schneller gehen: Der Glasfaserausbau – hier installiert ein Techniker ein neues Kabel – stockt im Kreis. © Foto: Klaus-Dietmar Gabbert/dpa

Kreis Gütersloh. Nach 45 Minuten Diskussion im Kreisausschuss zum Thema »Netzausbau für schnelles Internet« verdrehte Landrat Sven Georg Adenauer die Augen und stellte fest: „Ehrlich, ich habe gerade den roten Faden verloren. Und ich verstehe nicht, wo wir derzeit stehen." Das scheint auch nicht ganz einfach zu sein, denn bevor der Förderungsbescheid des Bundes nicht auf dem Tisch liegt, darf mit den Arbeiten nicht begonnen werden, und solange gibt es auch keine verbindlichen Voraussagen.

11,2 Millionen Euro soll der Grundausbau des Netzes in den Kommunen Harsewinkel, Rheda-Wiedenbrück, Steinhagen, Langenberg, Schloß Holte-Stukenbrock, Werther, Borgholzhausen und Versmold unter der Leitung des Kreises kosten. Halle, Herzebrock-Clarholz, Rietberg, Gütersloh und Verl bauen ihre digitale Infrastruktur nach anderen Modellen selbst aus.

Jan Christoph Dübner ist beim Kreis Gütersloh zuständig für die Koordination des Netzausbaues und erläuterte genau, wie schwierig es ist, sich im Paragrafendschungel zurechtzufinden und den Ausbau voranzutreiben. Nach dem derzeitigen Stand sollen in den vom Kreis gelenkten Gemeinden für die 11,2 Millionen Euro rund 6222 Teilnehmer angeschlossen werden. Die Gesamtbaumaßnahmen sind auf einen Zeitraum von 24 Monaten begrenzt, vom Zeitpunkt der Finanzzusage des Bundes und anderer Beteiligter an gerechnet.

Dübner bestätigte, dass man mit in den Gemeinden in Kontakt stehe und alles vorbesprochen werde. Klar ist aber schon heute: Mit der Ausbausumme wird eine Kommune nicht voll erschlossen sein. „Es werden die gut erschlossenen Bezirke ans Netz gehen. Wie man Außenbereiche oder abseits gelegene Betriebe und Bauernhöfe anbinden kann, werden wir sehen", erklärte Dübner.

Zum einen sei entscheidend, wie das Netz geführt werde und in welcher Richtung es erweitert werden könne. Zum anderen sei es in den Orten wichtig, möglichst viele Teilnehmer zu finden, damit der Weiterbau wirtschaftlich ist, betonte Dübner.

Das Vorhandene reicht vielleicht morgen nicht mehr aus

„Wo heute noch ausreichend Leitungskapazität vorhanden ist, um zum Beispiel über Internetverbindungen Fernsehen zu gucken, reicht schon morgen das Vorhandene nicht mehr aus." Er könne nur an die Menschen appellieren, sich vorausschauend zu verhalten und sich heute schon für das Zukunftsnetz anzumelden, auch wenn es für sie derzeit noch reiche. „Ist eine Erschließung wegen mangelnder Nachfrage verworfen worden, werden Jahre ins Land gehen, bevor es eine neue Chance gibt", sagte Dübner.

Dr. Heinz-Josef Sökeland befürchtet, dass bei dieser Art des Ausbaues abseits gelegene Betriebe und Selbstständige langfristig im „Tal der Ahnungslosen landen" und buchstäblich vom schnellen Netz abgehängt werden. „Man wird sich Gedanken machen, wie man den Außenbereich erschließt, denn wirtschaftlich ist das nicht möglich", so Dübner.

Die 138 Schulstandorte im Kreis Gütersloh werden möglicherweise gemeinschaftlich unter der Führung des Kreises Gütersloh durch Regio IT und BiTel mit der neuen Technik versorgt. „Ideal wäre ein Schulnetz mit einem Dienstleister. Mit Kommunen wird darüber intensiv gesprochen. Der Ausbau muss eigenwirtschaftlich geschehen, gegenwärtig gibt es keine Förderung. Aber es müssen auch nicht alle mitmachen", sagte Dübner. Helga Lange (Grüne) appellierte dagegen an die Beteiligten, sich für eine Gemeinschaftslösung zu entscheiden.

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