Sparkassen werden ihre Kunden mit Paydirekt nicht zwangsbeglücken

Heiko Kaiser

Sicher wie ein Girokonto: So wirbt Paydirekt um Kunden. - © Preto_perola
Sicher wie ein Girokonto: So wirbt Paydirekt um Kunden. (© Preto_perola)

Kreis Gütersloh. Viele Sparkassenkunden in Deutschland haben vor geraumer Zeit Post ihres Geldinstitutes bekommen. Dabei geht es um den Online-Bezahldienst Paydirekt. Die Institute kündigten an, zukünftig den Online-Bezahldienst Paydirekt anzubieten. So weit, so gut. Auf Kritik von Datenschützern stößt dabei die Tatsache, dass viele Institute auf eine sogenannte Komfort- oder Breitenregistrierung setzen. Das bedeutet: Wenn die Kunden bis zu einem Termin, der meistens für Anfang November festgesetzt ist, nicht widersprechen, wird automatisch ein Paydirekt-Konto angelegt, wobei Daten wie Adresse und Mailadresse an die Paydirekt GmbH weitergegeben werden.

Hintergrund dieser Aktion ist, dass die Sparkassen sich davon erhoffen, die Zahl der Paydirekt-Nutzer deutlich zu steigern. Das ist nötig, um Online-Händler davon zu überzeugen, neben den Signes für die gängigen Bezahlmethoden wie Kreditkarten, Sofortüberweisung oder Paypal auch auf Paydirekt zu setzen. Derzeit ist Paypal mit etwa 19 Millionen aktiven Nutzern nach dem Kauf auf Rechnung und der Lastschrift das beliebteste Zahlungsmittel im Internet. Paydirekt wirbt zwar damit, dass rund 1350 Online-Shops das Verfahren anbieten, darunter sind jedoch lediglich etwa fünf Prozent der größten 1000 Internetshops.

Damit hat das Unternehmen mit einem Loch-ist-im-Eimer-Phänomen zu kämpfen: Um Kunden zu gewinnen, müssen möglichst viele Händler Paydirekt als Zahlungsmethode anbieten. Das tun die Händler jedoch nur, wenn es eine große Zahl von Nutzern gibt, die Paydirekt nachfragen. Aufgrund dieses Dilemmas schätzen Experten die Erfolgsaussichten der neuen Methode als äußerst gering ein.

Seit Einführung vor knapp zwei Jahren hat man keine nennenswerten Marktanteile gegenüber dem Riesen Paypal gewinnen können.

Jetzt will Paydirekt in die Offensive gehen. Um den deutsche Bezahldienst besser gegen Paypal aufzustellen, machen sich die Sparkassen laut einem Bericht für eine 300 Millionen Euro schwere Geldspritze stark. 100 Millionen würden die Sparkassen selbst aufbringen, schreibt die Süddeutsche Zeitung unter Berufung auf Insider.

Die Kreissparkasse Halle gibt derweil Entwarnung für ihre Kunden. „Wir haben uns gegen die automatische Eröffnung eines Paydirekt-Kontos entschieden. Ein Widerspruch ist deshalb nicht nötig, und es werden auch keine Daten an Paydirekt weitergeleitet", erklärte eine Sprecherin. Nur wenn man sich für das Zahlungsverfahren registrieren lasse, erfolge eine Weiterleitung der Daten an Paydirekt. Bereits 500 User haben das nach Aussage des Instituts bereits getan.

Auch die Sparkasse Gütersloh-Rietberg setzt hier auf die aktive Kundenentscheidung: „An der sogenannten Breitenregistrierung zu Paydirekt haben wir nicht teilgenommen", erklärte man auf Anfrage.

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