Rhythm’n’Blues-Festival in Halle: Gitarren-Battles und »Tequila«

1550 Besucher wollten einige der ganz Großen der Szene live erleben

Alexander Heim

Viele Jahre hatte man versucht, Andy Fairweather Low nach Halle zu holen. Jetzt hat es geklappt. - © Alexander Heim
Viele Jahre hatte man versucht, Andy Fairweather Low nach Halle zu holen. Jetzt hat es geklappt. (© Alexander Heim)

Halle. Doch nicht nur der 69-jährige Brite und der 67-Jährige aus New
Jersey ließen die Geburtstagsauflage des Festivals zu einem ganz
besonderen Konzertereignis werden. Auch die Frauenband Jane Lee Hooker,
die den Abend eröffnete, sowie die Blues Company um den Osnabrücker
Lokalmatador Todor »Toscho« Todorovic machten das insgesamt
siebenstündige Rhythm’n’Blues-Festival neuerlich zu etwas Einzigartigem.

90 Minuten hatte jede der vier Bands, um sich den Fans von ihrer besten Seite zu zeigen. Und das gelang bereits Jane Lee Hooker mühelos. Vom Fleck weg heizten Sängerin Dana »Danger« Athens, Bassistin »Hail Mary« Zadroga, die beiden Gitarristinnen Tina »T-Bone« Gorin und Tracy »High Pop« Almazan sowie die herausragende Drummerin Melissa »Cool Whip« Houston den Hallern ein. Mit Songs wie »Shake for me« bereiteten sie dem satten und tiefgründigen Blues den Boden.

Für jeden Song eine andere Gitarre

Ein gutes Fundament, auf dem Andy Fairweather Low – etwas früher als eigentlich für den Abend geplant – wunderbar wandeln konnte. Mit vielen Großen des Musik-Business hatte er bereits auf der Bühne gestanden. Eric Clapton zählt dazu. Bob Dylan. Oder Joe Cocker. Nun präsentierte er einen kleinen Querschnitt seines immensen Könnens. Immer wieder wechselte Andy Fairweather Low dafür die Gitarren.

Und ob »Can the Circle be Unbroken« oder »La Booga Rooga«, ob ein Trip auf der »Route 66«, ein Hauch von »Sweet Soulful Music« oder »If Paradise was half as nice« – das Füllhorn des Walisers war ebenso variationsreich wie es unerschöpflich schien. Mal Blues, mal Ballade; mal Boogie-Woogie, mal Pop-Song – der Ausnahme-Gitarrist ist in allen Genres zuhause. Selbst den berühmten »The Champs«-Song »Tequila« hatte er für die Gäste im Event Center, darunter auch Halles Bürgermeisterin Anne Rodenbrock-Wesselmann, mitgebracht.

Warum die ursprünglich geplante Abfolge der Show spontan umgeändert werden musste – Moderator Werner Schulze-Erdel, der zum inzwischen fünften Mal das Festival präsentierte, hatte eine einleuchtende Erklärung. Den falschen Sprit hätten die Jungs von der »Blues Company« in den Tank ihres Tour-Busses gefüllt. So wurden sie für den Schlussakkord verantwortlich. Zwischen den Moderationen nahm sich Werner Schulze-Erdel Zeit für die Fans. Etwa, wenn das Team einer Haller Arztpraxis ein gemeinsames Erinnerungsfoto erbat. Für Equipment und Hintergrund der kleinen Erinnerungsstücke sorgte dabei Bowers&Wilkins. Sie präsentierten natürlich auch die Neuigkeiten in Sachen Lautsprechertechnik. Daneben gab es in der Lounge tolle Harley-Davidson-Maschinen und edle BMW-Limousinen zu bestaunen. Aber auch Kunst, wie etwa die Bilder von Otto Waalkes oder Udo Lindenberg, die die Galerie Walentowski den gesamten Abend über ausstellte.

Im großen Veranstaltungssaal waren es hingegen immer wieder die singenden Gitarren, die für Furore sorgten. Und: die Battles, die sich etwa die Gitarristinnen von Jane Lee Hooker oder Walter und Jon Trout im Rahmen ihrer Auftritte lieferten. Einfach toll.

Blues-Party bis um 1 Uhr morgens

Dass diesmal zwischen den Auftritten der Bands kein Vorhang fiel – es wirkte gefällig und verlieh der 15. Auflage des Rhythm’n’Blues-Festivals zusätzlichen Charme. Und so erlebten die Gäste zu vorgerückter Stunde schließlich auch den Aufbau für die »Blues Company« aus Osnabrück live mit. „Wir sind jetzt mittlerweile seit mehr als 41 Jahren unterwegs", erklärte Todor »Toscho« Todorovic, der schnell den Draht zu den Gästen fand. Ob Russland oder Island – in 19 Ländern der Erde war die Blues Company bereits unterwegs. Ob »Blues Been Good«, »Work together« oder die Ballade »Black Night« – die neunköpfige Band ließ keine Wünsche offen. Und bezog mit »Red Blood« zuweilen auch klar Stellung. „Ich habe diesen Anti-Kriegs-Blues in den 1990er Jahren geschrieben", erläuterte Toscho.

Bis 1 Uhr morgens wurde der Blues gefeiert. Die Party – sie freut sich bereits auf ihre Neuauflage. Am 27. Oktober 2018 wird es beim dann 16. R&B-Festival so weit sein.

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