Storck-Erweiterung: Für Anwohner wird es eng

Marc Uthmann,Nicole Donath

Dreh- und Angelpunkt: Über den Paulinenweg gelangen die Anlieger zu ihren Häusern und die Spaziergänger in den Wald. - © Foto: Nicole Donath
Dreh- und Angelpunkt: Über den Paulinenweg gelangen die Anlieger zu ihren Häusern und die Spaziergänger in den Wald. (© Foto: Nicole Donath)

Halle. „Wir dachten, uns trifft der Schlag, als wir Samstag im Haller Kreisblatt von den Erweiterungsplänen der Firma Storck erfuhren." Und auch gestern zeigte sich Aloys Tenkhoff, Förster im Ruhestand und Anwohner des Paulinenwegs, noch reichlich konsterniert.

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„Die gesamte Nachbarschaft war überrascht und wir heißen das auch nicht gut." Vor allem fühle man sich jedoch mit der Nachricht alleine gelassen. „Wir hätten uns gewünscht, dass man im Vorfeld mit uns spricht. Jetzt spekulieren wir natürlich, wie wir beispielsweise unsere Häuser erreichen könnten, sollte Storck tatsächlich den Paulinenweg erwerben und im östlichen Teil bauen. Das ist nicht schön", sagt Tenkhoff.

Sein Nachbar Matthias Herschel sieht das genauso. „Ich kann durchaus nachvollziehen, welche Überlegungen Storck hinsichtlich möglicher Erweiterungen anstellt. Aber dass die Anlieger nicht informiert werden, während es offenbar schon erste Gespräche mit der Stadt gegeben hat, finde ich auch nicht in Ordnung." Gemeinsam wollen die betroffenen Familien, die ihre Häuser über den
Paulinenweg ansteuern und durch den Bau der A33 ohnehin schon arg beansprucht werden, nun untereinander besprechen, wie sie weiter vorgehen wollen.

Der Schlossbesitzer Teuffel zu Birkensee nutzt ihn, um Holz abzutransportieren. - © Foto: Nicole Donath
Der Schlossbesitzer Teuffel zu Birkensee nutzt ihn, um Holz abzutransportieren. (© Foto: Nicole Donath)

Auch Benedikt Freiherr Teuffe von Birkensee wäre von Bauplänen, die sich um den Paulinenweg drehen, betroffen. Der Grund: Der Besitzer des Wasserschlosse Tatenhausen, der trotz eines Sitzes im Stadtrat auch erst aus dem HK von den Erweiterungsplänen des Süßwarenriesen erfahren hat, nutzt den Paulinenweg zur Holzabfuhr. „Würde der Paulinenweg, der übrigens ab dem Steinhausener Weg in meinem Besitz ist, künftig gesperrt, müsste ich das Holz über den Postweg oder das Tatenhausener Feld abfahren", erklärt der Christdemokrat. „Das würde auch funktionieren, wäre aber deutlicher umständlicher." Bei Benedikt von Teuffel bleibt die Verärgerung darüber, dass er als Betroffener nicht in die Überlegungen einbezogen wurde. „Und es kann auch nicht sein, dass es die Verwaltung nicht für nötig hält, die Politik einzubeziehen. Die ist schließlich für die Bürger da."

Die angesprochenen Politiker sind hörbar bemüht, Brisanz aus der Debatte zu nehmen. „Es ist doch erfreulich, dass Halle für Storck der 1?a-Standort bleibt", kommentiert der SPD-Fraktionsvorsitzende Wolfgang Bölling. „Ob sich die Erweiterung umsetzen lässt, wird das Verfahren zeigen. Am Paulinenweg gibt es eine schwierige Gemengelage", räumt Bölling ein. Es gelte zu klären, ob sich ein Eingriff in die Waldfläche aus naturschutzfachlicher Sicht ausgleichen ließe. „Ziel muss es sein, zu einer Änderung des Regionalplanes zu kommen. Aber wir werden nicht alles durchwinken."

Hendrik Schaefer (CDU) stößt prinzipiell in das gleiche Horn: „Storck ist ein gesundes, für Halle wichtiges Unternehmen. Es muss möglich sein, dass es sich vergrößert." Allerdings sei noch fraglich, wie das funktionieren könne. „Wir erwarten darüber schnell Informationen der Verwaltung", betont Schaefer und gesteht ein, dass „die Anwohner schon ein Problem hätten, wenn sie vom Paulinenweg abgeschnitten werden". Allerdings seien die Gespräche offenbar noch in einem frühen Stadium.

Angesichts der Storck-Pläne haben die Anlieger nun viele Fragen. - © Foto: Nicole Donath
Angesichts der Storck-Pläne haben die Anlieger nun viele Fragen. (© Foto: Nicole Donath)

Erstaunlich aufgeschlossen stehen auch die Haller Grünen den Erweiterungsplänen von Storck gegenüber: „Wir haben immer gesagt, dass es für uns einen großen Unterschied bedeutet, ob sich ein ansässiges Unternehmen erweitern will, oder ob neue angesiedelt werden sollen", sagt Sprecher Jochen Stoppenbrink. „Storck ist ein wichtiger Arbeitgeber und darum sind wir daran interessiert, das ihm eine Erweiterung in Halle ermöglicht wird." Natürlich müsse das Projekt intensiv geprüft werden. Und die grüne Haltung zu Storck ändere nichts daran, dass man großflächige gewerbliche Entwicklungen an anderer Stelle weiterhin ablehne.

Thomas Andres von der STU gibt sich als Pragmatiker: „Das ist die normative Kraft des Faktischen. Halle hat vor 30 Jahre einen wirtschaftlichen Expansionskurs beschritten. Und wenn ein Unternehmen wie Storck heute wachsen will, kann es das nur an dieser Stelle und nur in diese Richtung. Das müssen wir akzeptieren."Auch wenn es schade sei, dafür eine wertvolle Fläche zu opfern.

Klaus-Peter Kunze von der FDP wertet es als positives Signal, dass sich ein erfolgreicher Betrieb weiterentwickeln will. „Da müssen wir als Kommune alles tun, um das zu unterstützen." Der Paulinenweg sei sicherlich ein „Knackpunkt", doch zeigt sich Kunze optimistisch, dass hier eine Lösung gefunden werden könne.

Überrascht von den Plänen gibt sich die UWG. Sie wollte es gestern zunächst einmal auf der Fraktionssitzung thematisieren. Für Sprecher Karl-Hein Wöstmann läuft es am Paulinenweg auf eine Abwägung zwischen dem Erhalt von Arbeitsplätzen und Flächenverbrauch hinaus. „Aber es sind noch so viele Fragen zu klären, dass sich das nicht seriös bewerten lässt."

Im Rathaus geben sich die Verantwortlichen derweil betont optimistisch. „Dass sich Storc in diesen globalisierten Zeiten zum Standort Halle bekennt, ist ein wertvolles Signal. Denn das Unternehmen ist für uns sehr wichtig", sagt der Allgemeine Vertreter der Bürgermeisterin, Jürgen Keil. Natürlich werde es eine gewisse Zeit dauern, den Regionalplan für eine Erweiterung zu ändern. „Aber ich gehe davon aus, dass wir für die Probleme, die dabei auftauchen, gangbare Lösungen finden werden." Für den Mann, der zugleich das Bauamt leitet, sind derzeit jedenfalls „keine Fakten erkennbar, die gegen eine Erweiterung von Storck sprechen".

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