Süßwarenriese Storck will Betriebsgelände weiter ausdehnen

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Große Pläne: Noch trennt der Paulinenweg das Storck-Gelände (links) und das rechts davon befindliche Gebiet. Es ist als dreieckiges Waldareal zu erkennen. Wenn die Planungen realisiert werden, wird der Paulinenweg verschwinden und Teile des Waldes weichen dem neuem Industriegelände, rechts ist die neue Autobahntrasse zu sehen, zwischen ihr und dem Wald steht die neue Försterei von Storck. - © Foto: Jens Keßler/www.JK-Luftbilder.de
Große Pläne: Noch trennt der Paulinenweg das Storck-Gelände (links) und das rechts davon befindliche Gebiet. Es ist als dreieckiges Waldareal zu erkennen. Wenn die Planungen realisiert werden, wird der Paulinenweg verschwinden und Teile des Waldes weichen dem neuem Industriegelände, rechts ist die neue Autobahntrasse zu sehen, zwischen ihr und dem Wald steht die neue Försterei von Storck. (© Foto: Jens Keßler/www.JK-Luftbilder.de)

Halle. Das birgt Diskussionsstoff. Nach Informationen des Haller Kreisblattes plant die August Storck KG, Teile des Paulinenwegs zu erwerben, um jenseits dieser Straße in Richtung der Teiche sein Betriebsgelände zu erweitern.

Dem Unternehmen gehören bereits viele Flächen, die südöstlich des Weges liegen. Das insgesamt etwa 20 Hektar große Areal wird im Süden und Südosten durch den Steinhausener Weg begrenzt. Neben den beiden Teichen sind dort Wald, Wiesen und Agrarflächen zu finden.

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Das sagt das Unternehmen

Storck reagierte auf die HK-Anfrage mit dieser Stellungnahme: „Vor allem auch für den Standort in Halle gibt es sehr erfreuliche Wachstumschancen. Deshalb sind auf dem aktuellen Betriebsgelände verfügbare Erweiterungsmöglichkeiten bereits weitestgehend verplant. Als langfristig orientiertes Unternehmen müssen wir über zusätzliche Flächen nachdenken. Die Fläche östlich des Paulinenwegs grenzt unmittelbar an das Werksgelände an und kommt daher für eine sinnvolle Erweiterung in Betracht, wenn es gelingt, die erforderlichen Voraussetzungen zu schaffen. Bei einer solchen Erweiterung wäre es wünschenswert, die Fläche unmittelbar an das Werk anbinden zu können.

Aspekte wie Verkehrssicherheit, Lebensmittelsicherheit und uneingeschränkte Nutzbarkeit der Werksinfrastruktur sind essenziell und sprechen für eine unmittelbare Anbindung. Die Trennung des Werksgeländes von der Erweiterungsfläche durch den Paulinenweg wäre ausgesprochen schwierig für die Entwicklungsperspektive des Standorts. Zu den geschilderten Überlegungen befinden wir uns in ersten Gesprächen mit den Vertretern der Stadt."

Auch der Regionalplan weist das betroffene Gebiet unter der Kategorie »Freiraum« als »Allgemeine Agrar- Waldbereiche« aus. Eine grüne Schraffierung auf der entsprechenden Karte signalisiert, dass für dieses Areal gilt: Schutz der Landschaft und landschaftsorientierte Erholung. Das bedeutet, dass diese Bereiche wegen ihrer Bedeutung für den Ressourcenschutz, den Biotopverbund und für die Erholung in der Kulturlandschaft zu erhalten und zu entwickeln sind.

Der Regionalplan muss geändert werden

Wollte Storck hier Gewerbe ansiedeln, müsste zuvor also der Regionalplan geändert werden. Das läge im Zuständigkeitsbereich der Bezirksregierung in Detmold. Damit der dafür zuständige Regionalrat tätig würde, müsste Storck zunächst gegenüber der Stadt Halle offiziell einen Antrag auf Umsetzung dieses Projektes stellen. Die Stadt müsste anschließend ihrerseits bei der Bezirksregierung einen Antrag auf Änderung des Regionalplanes einreichen. Ein Prozess, der nach Einschätzung von Experten insgesamt etwa eineinhalb Jahre in Anspruch nehmen dürfte.

Politisch hat das Vorhaben durchaus gute Chancen, durchgewunken zu werden. Auf kommunaler Ebene scheinen CDU und SPD hier in die gleiche Richtung zu streben. Das jedenfalls wurde bei der jüngsten Storck-Flächenerweiterung um 15 Hektar deutlich, als der SPD-Fraktionsvorsitzende Wolfgang Bölling gegen die Kritik der Grünen an den Plänen wetterte: „Es ist unglaublich,wie gewerbefeindlich die Grünen in Halle agieren."

Unternehmen hat ein Konzept vorgelegt

Kurze Zeit später – in der Diskussion um die Planungen rund um ein Gewerbegebiet an der Tatenhausener Straße – sagte Bölling mit Rückblick auf die Entscheidung für Storck: „Für diesen wichtigen Arbeitgeber haben wir etwas getan und für solche Arbeitgeber müssen wir auch künftig etwas tun." Eine Einstellung, die von der CDU-Fraktion mitgetragen wurde. Im Regionalrat, der von einer großen Koalition aus CDU und SPD dominiert wird, dürfte Storck ebenfalls auf wenig Widerstand stoßen, zumal das Unternehmen nach Informationen des Haller Kreisblatts bereits ein Konzept vorgelegt haben soll, in dem Ausgleichsmaßnahmen detailliert präsentiert worden sind.

Dennoch müssen Fragen geklärt werden: So hat der Paulinenweg eine wichtige Funktion als Zuwegung für Häuser und Gehöfte südlich der Autobahntrasse. Außerdem zöge eine Erlaubnis zusätzlicher Gewerbeflächen am Paulinenweg unweigerlich die Frage nach sich, wie die Stadt mit den geplanten Gewerbeflächen an der Tatenhausener Straße verfahren will. Hier stehen 40 zusätzliche Hektar für eine Erweiterung des Gewerbegebietes Ravenna-Park zur Debatte. Wie gesagt, Diskussionen sind programmiert.

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