Ravensberger Jugendbildungswerk schult Flüchtlinge für den Arbeitsmarkt

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Frauen mit schwerem Gerät: Für Aminat aus Nigeria ist das kein Problem. Im wahrsten Sinne des Wortes hat sie das Metallrohr im Handumdrehen gekürzt. Auch sie erlernte im Zuge der Maßnahme das Löten und Schweißen. - © Foto: Heiko Kaiser
Frauen mit schwerem Gerät: Für Aminat aus Nigeria ist das kein Problem. Im wahrsten Sinne des Wortes hat sie das Metallrohr im Handumdrehen gekürzt. Auch sie erlernte im Zuge der Maßnahme das Löten und Schweißen. (© Foto: Heiko Kaiser)

Halle. Hayder Al Ameri ist Mathematiklehrer. In Halle lernt er zu schweißen. Zusammen mit 17 anderen Geflüchteten hat der 32-Jährige Iraker jetzt an einem 16-wöchigen Bildungskurs teilgenommen. Perspektive für Flüchtlinge (PerF) heißt die Maßnahme, die im Auftrag der Agentur für Arbeit in Kooperation von Ravensberger Jugendbildungshaus (RaJuBi) und Intal durchgeführt wurde.

„Ich habe im Irak auch schon ein bisschen mit Metall gearbeitet", sagt er. Jetzt soll die Maßnahme die Grundlage dafür legen, dass er später vielleicht einmal Arbeit finden wird. Nach einem vierwöchigen Intensivsprachkurs ging es für ihn und die Teilnehmer in die Praxis – begleitet von einer berufsspezifischen Sprachförderung. „Hier wurde gelötet, geschweißt, gebohrt, gebogen und gesägt", erklärt sein Ausbilder Jörg Bentler, den Hyder Al Ameri nur respektvoll „Meister" nennt.

Die Fähigkeiten, welche die Teilnehmer lernen, sind gefragt, wie Thomas Scholz, Vertriebsmitarbeiter vom Gasversorgungsgerätehersteller Harris bestätigt: „Ich sehe es in den Betrieben immer wieder, dass die händeringend Leute mit Schweiß- und Löterfahrung suchen", sagt der Hesselner. Sein Unternehmen hat Material und Geräte gespendet, damit die Geflüchteten in der Praxis ausgebildet werden können. „Ich möchte einfach helfen und andere Unternehmen animieren, auch etwas zu tun", sagt Scholz.

Eine Frage der Technik: Shjauddin Rezai aus Afghanistan (vorne) und Salah Hossen aus Somalia bearbeiten ein Rohr. - © Foto: Heiko Kaiser
Eine Frage der Technik: Shjauddin Rezai aus Afghanistan (vorne) und Salah Hossen aus Somalia bearbeiten ein Rohr. (© Foto: Heiko Kaiser)

Eine Initiative, die sich mittelfristig auszahlen könnte. „Ich könnte gleich mehrere Versmolder Betriebe nennen, die Schweißer suchen", sagt Bentler. Voraussetzung sei jedoch eine Sprachsicherheit im beruflichen Umfeld. An der wird nach Abschluss der Maßnahme weiter gearbeitet.

Die praktischen Resultate können sich indes sehen lassen. Monir Mahi aus Bangladesch schweißte einen Stuhl, der Somalier Salah Hossen baute eine Brücke aus Metall. „Das ist ein schönes Bild", findet RaJuBi-Geschäftsführerin Susan Grüner und fügt hinzu: „Wir bauen den Geflüchteten Brücken in die Arbeitswelt."

Diese Querungshilfen beziehen sich jedoch nicht nur auf die Arbeit mit Metall. Eine Friseurin brachte Grundkenntnisse im Friseurhandwerk bei, unter der Leitung von Stefanie Rayyan erprobten sich einige Teilnehmer in der Gartenarbeit, wo unter anderem gepflanzt, gesät oder ausgegeizt wurde. „Hierbei lernen wir viel von den anderen Kulturen", sagt Susan Grüner und betont, man begegne einander stets auf Augenhöhe.

Hayder Al Ameri will weiter an seinen Sprachfertigkeiten arbeiten. „Ein Mathematiker mit Schweißerfahrung, das wäre ein hervorragender Konstruktionsschweißer" – Thomas Scholz erwartet gute Berufsaussichten für den 32-Jährigen. Um jedoch einmal in diesem Job arbeiten zu können, muss Al Ameri neben allem Fleiß auch ein bisschen Glück haben und das Anerkennungsverfahren überstehen.

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