Drogenmissbrauch: Egalhaltung führt ins Gefängnis

Lüdeke Horn

Nur der Joint als Konstante: Der Angeklagte vermochte nicht aufzuzeigen, wie er sein Leben in den Griff kriegen will. - © HK-Archiv
Nur der Joint als Konstante: Der Angeklagte vermochte nicht aufzuzeigen, wie er sein Leben in den Griff kriegen will. (© HK-Archiv)

Halle. Zwei mal wurde ein 30-jähriger Haller mit Marihuana erwischt, einmal im März und das zweite Mal im Mai diesen Jahres, mit 0,14 und dann mit 0,36 Gramm. Deswegen musste er sich jetzt wegen Verstoßes gegen das Betäubungsmittelgesetz vor dem Haller Strafrichter verantworten.

Er gab die Straftat zu, hatte aber zu seiner Verteidigung sonst nicht viel vorzubringen: „Was soll ich dazu sagen? Ich rauche’ halt gern, schon seitdem ich 18 bin, mal mehr, mal weniger" meinte er. Gelernt hatte der Angeklagte nichts, eine Arbeitsstelle konnte er auch nicht vorweisen. Früher hatte er mehrere Jahre eine Anstellung als Lagerarbeiter gehabt.

„Ich habe kein Geld, meine Freundin hat sich auch quergestellt, wie ich ein Leben in den Griff kriegen soll, weiß ich auch nicht", erklärte der Angeklagte auf intensives Nachfragen von Richter und Staatsanwalt weiter. „Wenn man die Zeitungen aufschlägt, sieht man doch viele Stellenangebote. Da müssten Sie doch eine Arbeitsstelle finden", hielt ihm der Richter vor. Vorstrafen gab es natürlich etliche, viele wegen unerlaubten Besitzes von Marihuana.

Der Staatsanwalt hatte absolut kein Verständnis für die Sorglosigkeit und „Egalhaltung" des Angeklagten, wenn er auch einräumte, dass es hier nur um geringe Mengen Marihuana gegangen war. „Ich kann nicht anders, ich muss auch angesichts der Vorstrafen eine Freiheitsstrafe von drei Monaten beantragen. Raum für eine Strafaussetzung zur Bewährung sehe ich leider nicht", meinte er in seinem Plädoyer. Und ehe der Angeklagte Gelegenheit zum letzten Wort erhielt, beschwor der Richter ihn: „Nun sagen Sie doch was, wie Sie Ihr Leben in Zukunft ohne Marihuana gestalten wollen, damit wir vielleicht Anhaltspunkte für eine Strafaussetzung haben!"

Es kam aber nichts, und so lautete das Urteil drei Monate Freiheitsstrafe ohne Bewährung. Der Angeklagte habe sich während einer laufenden Bewährung wieder strafbar gemacht. Er lebe in den Tag hinein, ohne etwas zu tun, begründete der Richter das Urteil.

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