40 weitere Kündigungen

Stellenabbau bei Gerry Weber

Marc Uthmann

Nächste Etappe auf dem Weg zur Sanierung: Beim Modekonzern Gerry Weber sind weitere Verhandlungen zum Stellenabbau abgeschlossen. - © Foto: Nicole Donath
Nächste Etappe auf dem Weg zur Sanierung: Beim Modekonzern Gerry Weber sind weitere Verhandlungen zum Stellenabbau abgeschlossen. (© Foto: Nicole Donath)

Halle. „Die Maßnahme ist jetzt durch", sagte der Betriebsratsvorsitzende Olaf Dieckmann auf Anfrage des Haller Kreisblattes. „Das bedeutet, dass der Sozialplan ausgehandelt ist und jene Mitarbeiter, die eine Kündigung erhalten haben, sind darüber bereits informiert worden."

Am 10. November soll es erneut eine Mitarbeiterversammlung geben. Dort werden dann die Perspektiven nach Umsetzung des Sozialplanes besprochen. Olaf Dieckmann zeigte sich vorsichtig zufrieden mit dem Ergebnis des monatelangen Verhandlungsmarathons: „Natürlich ist es schwer, Mitarbeiter von ihrer Kündigung zu unterrichten. Allerdings haben wir in vielen Fällen sozialverträgliche Alternativen gefunden."

212 Arbeitsplätze sollten am Stammsitz abgebaut werden, im ersten Schritt fielen im Juni 95 Stellen in den Bereichen Con-trolling, Buchhaltung, IT, Verkauf, Vertrieb, Revision und Organisation weg. 26 echte Kündigungen wurden ausgesprochen. Nun standen weitere 117 Stellen in Kollektionserstellung sowie Produktionsplanung und -umsetzung auf der Streichliste. Da schon in der ersten Welle viele Möglichkeiten zur konzerninternen Umbesetzung genutzt worden waren, hatte Olaf Dieckmann die zweite Etappe als „deutlich schwieriger" bezeichnet.

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Filialnetz wird weiter abgebaut

• Parallel zum Stellenabbau am Stammsitz wird auch die Zahl der Gerry-Weber-Filialen sukzessive reduziert.
• „Das ist ein langwieriger Prozess, da in vielen Fällen auch laufende Mietverträge zu berücksichtigen sind", sagte der Betriebsratsvorsitzende Olaf Dieckmann
• Aktuell sind bereits 56 Verkaufsstellen geschlossen, bis zum 31. Oktober 2017 sollen es deutschlandweit 74 sein – es wäre der Abschluss des Sanierungsprogrammes »Fit4Growth«
• Weltweit sollen 103 Filialen geschlossen und so 460 Arbeitsplätze eingespart werden. „Auch da haben wir erfolgreich verhandelt und sind zu einer effizienten Lösung gekommen", berichtete Dieckmann.
• Ein siebenköpfiges, freigestelltes Betriebsratsteam verhandelt konzernweit um die besten Lösungen für die Mitarbeiter.
• Ohnehin war die Zahl aller Stellen zuletzt konzernweit um 72 auf nun 7053 gewachsen – Grund war in erster Linie die Eröffnung von 37 neuen Filialen der Gerry-Weber-Tochter Hallhuber seit Oktober 2015.

Tatsächlich musste Gerry Weber nun rund 40 Kündigungen aussprechen – was nur etwa einem Drittel der abzubauenden Stellen entspricht. „Wir konnten erneut natürlich Fluktuationen sowie Modelle zur Altersteilzeit und Verrentung ausnutzen. Darüber hinaus haben wir erneut in vielen Fällen andere Aufgaben im Konzern gefunden, etwa im Logistikzentrum Ravenna-Park", begründete Dieckmann. Auch die Näherei, die nach HK-Informationen offenbar zur Disposition stand, sei zwar von Kündigungen betroffen, bleibe jedoch erhalten, wenngleich auch in kleinerer Dimension als bisher.

Mit den Rahmendaten des Sozialplanes zeigt sich der Betriebsratschef weiterhin zufrieden: Gekündigte erhalten 75 Prozent ihres Monatsverdienstes pro Beschäftigungsjahr, wer mindestens 15 Jahre im Unternehmen ist, bekommt 77 Prozent.

Zudem besteht die Möglichkeit, in eine Transfergesellschaft zu wechseln. „Wer sich dafür entscheidet, kann seine Kündigungsfrist verdoppeln", erklärte Olaf Dieckmann. Heute startet ein Workshop, der die interessierten Mitarbeiter mit der Transfergesellschaft vertraut machen soll. Bis zum 31. Oktober 2017 würde diese dann Training und Qualifizierung anbieten.

„Die Verhandlungen haben Substanz gekostet", gestand Olaf Dieckmann ganz offen ein. Doch nun gelte es, die Prozesse nach dem Stellenabbau anzupassen und sich neu zu organisieren. Was der Betriebsratsvorsitzende sehr positiv bewertete: „Wir hatten zwar Kündigungen von Entscheidern – aber bei Weitem nicht in dem Ausmaß wie befürchtet. Und das, obwohl Headhunter im Zuge der Krise bei uns sehr aktiv waren und Kräfte abwerben wollten."

Gerry-Weber-Vorstandschef Ralf Weber blickte in seiner Stellungnahme nach vorn: Man habe den Mitarbeitern in den vergangenen Monaten viel abverlangt. „Es ist gut, „dass wir ihnen jetzt Klarheit geben können." Doch lägen weitere herausfordernde Monate vor dem Unternehmen, man müsse die Neuausrichtung „weiter konsequent vorantreiben".

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