Schnelles Internet bis Jahresende

Telekom schafft 27 Kilometer neues Glasfasernetz

1204ÿDetlef Hans Serowy

Die Zukunft leuchtet: Glasfaserkabel werden künftig in weiten Teilen von Halle hohe Internetgeschwindigkeiten ermöglichen. Die Telekom verlegt aktuell 27 Kilometer davon. Daten werden darin als Lichtimpulse übertragen. - © Foto: Jens Büttner dpa – Bildfunk
Die Zukunft leuchtet: Glasfaserkabel werden künftig in weiten Teilen von Halle hohe Internetgeschwindigkeiten ermöglichen. Die Telekom verlegt aktuell 27 Kilometer davon. Daten werden darin als Lichtimpulse übertragen. (© Foto: Jens Büttner dpa – Bildfunk)

Halle. Schnelle Internetverbindungen mit Downloadgeschwindigkeiten zwischen 50 und 100 MBit/s werden in Halle für viele Einwohner bis Ende des Jahres möglich sein. Die Telekom hat am 14. März damit begonnen, ihr Kabelnetz hier im großen Stil mit Glasfaserkabel aufzurüsten.

„8000 Wohneinheiten in Halle sollen mit schnellem Internet ausgerüstet werden", erklärte Eckhard Hoffmann vom Haller Bauamt dem Haller Kreisblatt.

Internetverbindungen mit bis zu 16 MBit/s (Megabit pro Sekunde) Downloadgeschwindigkeit im Übertragsstandard »Digital Subscriber Line« (DSL) sind derzeit Standard im Stadtgebiet. Im Zentrum gibt es Bereiche, wo bis zu 50 MBit/s im Standard »Very High Speed Digital Subscriber Line« (VDSL) möglich sind. Diese 50 MBit/s sollen künftig für die Mehrzahl der Haushalte erreichbar sein.

Info

Vectoring

Kupferkabel lassen nur Geschwindigkeiten von maximal 50 MBit/s zu. Der Grund: Elektromagnetische Störungen führen zum »Übersprechen«, bei dem sich Signale aus verschiedenen Kabeladern überlagern. Beim Vectoring gleicht ein Gerät im Schaltschrank diese Störungen aus. Im Labor wurden damit bereits 250 MBit/s erreicht. Voraussetzung ist eine Glasfaserleitung bis zum Schaltschrank.

Möglich wird das durch ein 27 Kilometer langes Glasfasernetz, das die Firma RTS derzeit im Auftrag der Telekom verlegt. Dabei werden Kabel getauscht oder in Leerrohre gelegt. Wo das nicht möglich ist, werden Leitungen eingegraben oder per Bohrtechnik ins Erdreich gelegt. Außerdem müssen 39 Kabelverzweiger ausgetauscht werden. Das sind graue Kästen, die sich an vielen Stellen in Halle finden. „Wir nutzen künftig die Vectoringtechnik und die wird in die Multifunktionsschränke eingebaut", erläuterte Karl-Heinz Wintermeyer dem HK. Der Diplomingenieur ist bei der Telekom für den Haller Kabelausbau verantwortlich. „Die neuen Produkte werden spätestens Ende des Jahres buchbar sein."

In Hesseln hat die Kabelbaufirma ein Materiallager angelegt

Die Telekom finanziert den Ausbau selbst, die Investition bewege sich in Richtung des Millionenbereichs, verrät Wintermeyer. Mehrere Mitarbeiterkolonnen der Firma RTS sind nun im Haller Stadtgebiet unterwegs. In Hesseln hat das Unternehmen ein Materiallager für die Arbeiten angelegt.

Automatisch steigt die Internetgeschwindigkeit auch nach dem Ausbau nicht. „Unser Vertrieb wird die Kunden auf neue Angebote mit höheren Geschwindigkeiten hinweisen", sagte Karl-Heinz Wintermeyer. Interessierte können die Verfügbarkeit von Anschlüssen auch auf der Telekomhomepage im Internet prüfen.

Wer nicht Telekomkunde ist, sollte von seinem Internetanbieter prüfen lassen, ob dort auch neue Angebote mit höherer Geschwindigkeit gemacht werden. Viele Provider nutzen die Infrastruktur der Telekom und werden ihre Dienstleistungen anpassen.

Nicht alle Haller werden in den Genuss der höheren Geschwindigkeiten kommen. „Wir bauen nicht zu 100 Prozent flächendeckend aus, das ist nicht wirtschaftlich", so Karl-Heinz Wintermeyer. Wo der Ausbau greift, hängt die Geschwindigkeit davon ab, wie weit der Anschluss vom Multifunktionsschrank entfernt ist. „Am Schrank und in unmittelbarer Nähe schaffen wir 100 MBit/s, 50 MBit/s sollten im Ausbaugebiet überall erreicht werden."

Die aktuellen Aktivitäten der Telekom haben nichts mit den Plänen der Stadt Halle zu tun, möglicherweise ein eigenes Glasfasernetz zu verlegen. Der Stadtrat wird sich am heutigen Mittwoch, 6. April, mit dem Thema Breitbandversorgung beschäftigen. Die Verwaltung schlägt vor, zunächst ein Markterkundungsverfahren durchzuführen.

Dabei würden »weiße Flecken« von Unterversorgung bei digitalen Dienstleistungen von gut versorgten Bereichen abgegrenzt. Um diese »weißen Flecken« soll es vordringlich beim Ausbau eines Glasfasernetzes gehen, das anschließend verpachtet werden könnte. Wollte die Stadt auch in besser versorgten Bereichen Glasfaserkabel verlegen, müsste sie sich das von der Europäischen Kommission genehmigen lassen.

Copyright © Haller Kreisblatt 2018
Texte und Fotos vom Haller Kreisblatt sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

Kommentare

Um Ihren Kommentar abzusenden, melden Sie sich bitte an.
Sollten Sie noch keinen Zugang besitzen, können Sie sich hier registrieren.

Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Nutzungsbedingungen für die Kommentarfunktion an.