Müll pflastert ihre Wege

Ärgernis: Dort, wo Autos halten, sammel sich der Abfall

Rolf Uhlemeier

»Cofee to go«: Ausgetrunken, aufgegessen und im Straßengraben entsorgt. Solche Verpackungen und Behälter finden sich vielerorts. - © Foto: Rolf Uhlemeier
»Cofee to go«: Ausgetrunken, aufgegessen und im Straßengraben entsorgt. Solche Verpackungen und Behälter finden sich vielerorts. (© Foto: Rolf Uhlemeier)

Halle. Fenster auf und raus: Autofahrer entsorgen Verpackungen, Getränkebecher und dergleichen mehr vorzugsweise dort, wo langsam gefahren oder gehalten werden muss.

Der Strohhalm steckt noch im Deckel des silbernen Bechers, der mit seiner leuchtend roten Beschriftung fast so aussieht, als wäre er im Schnellimbiss gerade erst befüllt worden. Ein paar Schritte weiter flattert eine rastlose Chipstüte im Wind. Gerade hat sie eine knallgelbe Sprühflasche passiert, deren Inhalt dereinst in einem Bad dazu hergehalten hat, Fließen und Glasflächen zu reinigen. Der Tummelplatz für Plastikmüll befindet sich nicht etwa am Haller Entsorgungspunkt an der Dahlbreede, sondern an der Ampelkreuzung der Bundesstraße 68 in Künsebeck.

So wie hier sieht es an vielen Straßen in Halle aus. „Das kennen wir", sagt Annette Stöwe-Ganßauge und ergänzt: „Das ist wie bei Autobahnauffahrten. Da, wo die Autos langsam fahren müssen, wird der Müll oft einfach aus dem Fenster geworfen." Überall landen nach Beobachtungen der Abfallberaterin der Stadt Halle mittlerweile die Zeugnisse unserer Wegwerfgesellschaft in den Straßengräben: „Besonders die hohe Zahl der Cofee-to-go-Becher ist nicht zu übersehen."

Naturgemäß fällt der Unrat an den Straßenrändern in den Wintermonaten laut Angela Flottmann besonders auf. „Im Sommer verschwindet der Müll unter den Grünpflanzen", sagt die Leiterin des Haller Bauhofes. Ihre Mitarbeiter rücken regelmäßig aus, um die Mülleimer in der Stadt und den Außenbereichen zu leeren. „Dabei wird auch das Umfeld gesäubert", sagt Angela Flottmann. Da, wo schon Müll liegt, kommt nicht selten neuer dazu.

Müllsammelaktion am Samstag, 12. März

Die Haller Regionalstelle von Straßen.NRW, die von Katrin Flöttmann geleitet wird, beauftragt eine externe Firma, die den Müll im Bereich der Straßen, die von der Niederlassung betreut werden, und bei denen hohe Müllaufkommen die Regel sind, einsammelt und entsorgt. Zudem werden laut Flöttmann die Straßen einmal in der Woche von der Streckenkontrolle in beiden Fahrtrichtungen abgefahren. „Weggeworfene Müllsäcke und Gegenstände, die zu einer Gefährdung des Verkehrs führen könnten, werden dann natürlich entfernt", sagt die Leiterin.

Ähnlich wie bei der von der Stadt am 12. März organisierten Müllsammelaktion, lässt auch Straßen.NRW die Böschungen und Straßenränder im Frühjahr und damit vor dem Beginn der Vegetationsperiode säubern. Werden die Straßenränder später im Jahr gemäht, dann werden nicht nur Pflanzen kurz und klein gehäckselt, sondern auch alle Arten von Platik- und Papiermüll.

Der Müll am Straßenrand ist auch den Naturschützern ein Dorn im Auge. „Überall da, wo Reste drin sind, kann man davon ausgehen, dass sie von Tieren gefressen werden", sagt Bernhard Walter, Geschäftsführer der Biologischen Station Gütersloh/Bielefeld, und berichtet von einem besonderen Erlebnis: „Ich habe selbst gesehen, wie sich zwei Pferde um eine leere Chipstüte gestritten und sie zerfetzt haben." Laut Walter kann Plastik zu erheblichen Problemen führen, wenn es von Tieren verschluckt wird. Zudem können Dosen und andere Verpackungen zu tödlichen Fallen für Tiere werden.

Benutzt und weggeworfen: Gebrauchte Präservative und deren Verpackung auf dem Parkplatz am Schloss Tatenhausen. - © Foto: Rolf Uhlemeier
Benutzt und weggeworfen: Gebrauchte Präservative und deren Verpackung auf dem Parkplatz am Schloss Tatenhausen. (© Foto: Rolf Uhlemeier)

Doch das sind nicht die einzigen Probleme, die laut Bernhard Walter durch achtlos weggeworfenen Wohlstandsmüll entstehen: „Beim Mähen wird der Kunststoff geschreddert und so gelangen kleinste Partikel ins Ökosystem." Solche Teile werden zum Beispiel von Fischen aufgenommen und landen über die Nahrungskette wieder beim Menschen. Aus eigener Beobachtung geht der Leiter der Biologischen Station davon aus, dass die illegale Entsorgung von Müll an Straßenrändern sowie in Wald und Flur in den vergangenen Jahren „mit Sicherheit nicht weniger geworden ist".

Doch nicht nur an Straßen finden sich die Überreste von Verpackungen und Müll jeglicher Art. „In der Stadt sind es vor allem kleine Sachen wie beispielsweise Bonbonpapier und Hüllen von Müsliriegeln, die offensichtlich bewusst in die die Beete geworfen werden", sagt Annette Stöwe-Ganßauge. Auch Plastiktüten, gefüllt mit Hundekot, werden nach Erfahrungen der Umweltberaterin nicht selten achtlos entsorgt.

Illegale Entsorgung von Sperrmüll ist weniger geworden

Trotz aller Vermüllung der Umwelt sieht Annette Stöwe-Ganßauge auch einen Silberstreif am Horizont: „Die illegale Entsorgung von Sperrmüll ist weniger geworden." Da fährt der eine oder andere mittlerweile wohl eher zum Entsorgungspunkt, als die sperrigen Gegenstände in Wald und Flur zu entsorgen. Denn wer dabei erwischt wird, muss mit empfindlichen Strafen rechnen.

An der Dahlbreede werden übrigens elektrische Groß- und Kleingeräte kostenlos angenommen. Zudem kann man Sperrmüll ganz bequem für 20 Euro vor der eigenen Haustür abholen lassen. Müll, der nicht mehr in die Tonne passt, kann zum Entsorgungspunkt gebracht oder in spezielle Tüten, die im Einzelhandel erhältlich sind, zusammen mit der Hausmülltonne an die Straße gestellt werden. Dort ist er auf jeden Fall am besten aufgehoben.

Copyright © Haller Kreisblatt 2018
Texte und Fotos vom Haller Kreisblatt sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

Kommentare

Um Ihren Kommentar abzusenden, melden Sie sich bitte an.
Sollten Sie noch keinen Zugang besitzen, können Sie sich hier registrieren.

Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Nutzungsbedingungen für die Kommentarfunktion an.