HK-Serie »Kirche im Wandel«

Heute: evangelischer Kirchenkreis Halle

Kerstin Spieker

Gut aufgestellt: Superintendent Walter Hempelmann wirbt dafür, die Gemeinden jetzt so aufzustellen, dass der Kirchenkreis auch in wirtschaftlich schwierigeren Zeiten gut bestehen kann. - © Foto: Kerstin Spieker
Gut aufgestellt: Superintendent Walter Hempelmann wirbt dafür, die Gemeinden jetzt so aufzustellen, dass der Kirchenkreis auch in wirtschaftlich schwierigeren Zeiten gut bestehen kann. (© Foto: Kerstin Spieker)

Halle. Kirchenaustrittswellen hin, Kirchenaustrittswellen her. Im evangelischen Kirchenkreis Halle zeigt man sich optimistisch. In der Superintendentur hat man bereits 2004 eine Wiedereintrittsstelle eingerichtet, Rückkehrer dürfen sich wärmstens aufgenommen fühlen. Und immerhin zweistellig, im Schnitt zwischen 45 und 80, schlägt ihre Zahl denn auch Jahr für Jahr zu Buche. Die Zahl derer allerdings, die gehen, lässt sich dadurch nicht ausgleichen. Und gerade im vergangenen Jahr erreichte die Zahl der Kirchenaustritte bundesweit mit einem Anstieg um über 20 Prozent Rekordhöhe. 317 evangelische Christen meldeten sich 2014 im Kirchenkreis Halle ab. So hohe Zahlen hatte Halle zuletzt Anfang der 90er Jahre zu verschmerzen.

„Wir hatten ganz offensichtlich ein großes Kommunikationsproblem“, geht Superintendent Walter Hempelmann auf die aktuellen Austrittszahlen auf Bundesebene ein. Denn Auslöser für den starken Anstieg war offenbar eine Umstellung bei der Erhebung der Kirchensteuer auf Kapitaleinkünfte. Da geht es um keine neue Steuer. Die Veränderung bestand nur darin, dass sie jetzt über die Banken erhoben wird. Die Infobriefe der Geldinstitute an ihre Kunden gelten als Auslöser für eine enorme Austrittswelle, die beide großen Kirchen im Land im vergangenen Jahr überrollte. Dabei dürften angesichts der Bemessungsgrenzen die allermeisten Menschen ohnehin von der Kapitalertragssteuer gar nicht betroffen sein. „Die Menschen haben das so aber meist nicht wahrgenommen. Viele dachten, sie müssten nun noch eine zusätzliche Steuer an die Kirche entrichten“, weiß Walter Hempelmann inzwischen. „Wir haben das Kommunikationsproblem klar unterschätzt“, räumt er ein.

Bindung an die Kirche schwankt

Überschätzt dagegen habe die evangelische Kirche die Bindung der Gemeindeglieder an ihre Kirche. „Biografisch ist im Leben eines Menschen die Bindung an die Kirche durchaus schwankend“, so der Superintendent. Überall dort, wo es Anknüpfungspunkte gebe, etwa bei der Taufe, einer Hochzeit oder Konfirmation, aber auch über offene Gottesdienste und Gesprächskreise versuche eine Gemeinde die Bindung zu stärken. Über lange Phasen im Leben griffen solche Punkte aber manchmal nicht.

Hinzu kommt der demografische Wandel, den auch der Kirchenkreis Halle spürt. im Jahr 2013 kamen auf 48?078 Mitglieder 375 Taufen und 654 Bestattungen. „Wir gehen damit um und stellen uns den Herausforderungen, die der Umstand, dass wir weniger werden, mit sich bringt“, zeigt sich der Superintendent dennoch tatenfroh.

Und Tatkraft ist bei dem, was sich der Superintendent vorgenommen hat, sicher auch nötig. „Wir werden uns auf schwieriger werdende Zeiten vorbereiten“, stellte Hempelmann in Aussicht. Vor allem das Gebäudemanagement hat er dabei im Blick. „Wir werden auch Gebäude abgeben müssen und in Gebäude, die wir behalten, so investieren, dass wir künftig sparen können.“

Von Vorteil ist in diesem Zusammenhang, dass die Kirchensteuern derzeit so reichlich fließen, wie selten zuvor. Verantwortlich dafür ist die gute Konjunktur in Deutschland. Sie sorgt dafür, dass die Ausfälle durch sinkende Mitgliederzahlen nicht nur ausgeglichen werden, sondern sogar noch zusätzliches Geld in die Kassen kommt. „Was wir mit dem Geld machen, ist übrigens ganz transparent und kann von jedem eingesehen werden“, machte Hempelmann deutlich. In der Finanzpolitik sei zudem jede Gemeinde den Grundsätzen der Nachhaltigkeit und Sparsamkeit verpflichtet.

Knapp 58 Euro je Gemeindeglied

Vor allem in energetische Maßnahmen soll im Kirchenkreis investiert werden. „Jede Gemeinde ist selbstständig und wird für sich selbst entscheiden“, erklärte der Superintendent. Er ist aber sicher, dass sich in den nächsten Monaten einiges tun wird rund um die kirchlichen Gebäude.“ Welche letztlich nicht erhalten werden können, vermochte Hempelmann noch nicht zu sagen. „Ich wünsche mir aber, dass wir alle historischen Kirchen behalten.“ In manchen Orten sei vielleicht auch die Zusammenarbeit mit Partnern, zum Beispiel durch die gemeinsame Nutzung von Immobilien, möglich. Das müsse die nähere Zukunft zeigen.

„Wir freuen uns über die Kirchensteuereinnahmen, weil wir damit die notwendigen Dinge in Angriff nehmen können, um künftig zu bestehen“, ist Walter Hempelmann überzeugt. Nur müsse jeder Schritt gut durchdacht sein. „Denn nie werden so viele Fehler gemacht wie in Zeiten des Reichtums“, warnte er. „Wir werden weniger werden und darauf müssen wir angemessen reagieren.“

Was die Infrastruktur betrifft, die an den Kirchenkreis angegliedert sind, so umfasst sie immerhin 21 Kindertageseinrichtungen, fünf Kantoren, 23,75 Pfarrstellen, sieben Pfarrer im Probedienst, dazu Küster, in der Jugendarbeit Tätige, Friedhöfe, Gemeindebüros sowie die Diakonie mit ihren rund 350 Beschäftigten und die Verwaltung der Kirchenkreise Gütersloh und Halle mit 45 Mitarbeitern. Außerdem Referate für Öffentlichkeit, Kindergartenfachberatung, Gleich-?stellung, Frauen, Jugendliche und sozialdiakonische Aufgaben.

Gesamteinnahmen von 6.383.704 Euro stehen für die Unterhaltung dieses Apparates im Haushaltsplan des Jahres 2015 für den Kirchenkreis Halle – 4,55 Millionen davon aus Kirchensteuern. 1.870.042 Euro werden für die Besoldung der Pfarrer aufgewandt. Nach Abzug aller weiteren Aufwendungen bleiben 2.816.141 Euro Nettozuweisung für die Kirchengemeinden. Je Gemeindeglied gibt es knapp 58 Euro. „Und alle Mitglieder unseres Kirchenkreises dürfen ganz sicher sein, dass wir bemüht sind, mit dem uns anvertrauten Geld Gutes zu tun“, ließ Walter Hempelmann wissen.

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