Viel Zuspruch für den Polizisten

Polizeiführung bleibt auf hartem Kurs bei der Aufklärung

Herbert Gontek

Ort des Geschehens: Die Polizeistation in Halle. - © Foto: Nicole Donath
Ort des Geschehens: Die Polizeistation in Halle. (© Foto: Nicole Donath)

Halle. Kaum ein Beitrag hat in jüngster Zeit eine solche Leserresonanz ausgelöst wie der über den Haller Polizisten, der einen Sechsjährigen am Kopf berührt haben soll und sich jetzt einer Klage wegen versuchter Körperverletzungen gegenübersieht. In den verschiedenen Foren unserer Zeitung bezogen die Leser meist Position für den Polizisten.

Auch die Pressestelle der Polizei bestätigt, dass es zahlreiche Anrufe und Mails gab und gibt, in denen sich die Bürger für den 55-jährigen Beamten einsetzen.

Zum Hintergrund: Am vergangenen Donnerstag hatte eine Kindergartengruppe die Haller Polizeiwache besucht, um sich die Arbeit der Beamten erklären zu lassen. Im Verlauf dieser Besichtigung löste ein unbeaufsichtigter sechsjähriger Junge den Notruf in der Arrestzelle der Wache aus und das, obwohl ausdrücklich das Drü-cken diverser Knöpfe untersagt worden war. Der Alarm ließ den führenden Beamten in die Arrestzelle eilen. Er soll lauter geworden sein und den Jungen am Kopf berührt haben. Gesehen hat das aber niemand, was hier geschah. Danach entschuldigte sich der Polizist. Nachmittags stellte der Vater einen Strafantrag wegen versuchter Körperverletzung im Amt. Seitens der Polizei wird disziplinarisch gegen den Beamten ermittelt.

Zahlreiche Leser stellten die Frage, warum der Polizist quasi als Gastgeber den Jungen hätte zur Ordnung rufen müssen. Das sei doch Aufgabe der Betreuer und mitreisenden Eltern, aber die hätten das Kind aus den Augen verloren. Umso empörter waren die Leser, dass die Kitaleitung in dem Elternbrief erklärte, zu solchen Sachverhalten eine klare Meinung zu haben und die Eltern bei einer Anzeige zu unterstützen.

Leitender Polizeidirektor wird kritisiert

Für den Polizisten beginnt in Kürze das strafrechtliche Ermittlungsverfahren mit einer Vernehmung durch Beamte der Kreispolizeibehörde Gütersloh. Er wird dort erklären müssen, was im Arrestbereich geschah. Auf der Basis dieser Ergebnisse wird die Staatsanwaltschaft Bielefeld entscheiden, ob ein Strafverfahren gegen ihn eingeleitet wird oder nicht. In der Folge wird geklärt, ob sich dienstrechtliche oder disziplinarische Maßnahmen aus dem Fall für den Beamten ergeben. Er verrichtet gegenwärtig ganz normal seinen Dienst.

Kritisiert wurde von zwei Lesern der Kommentar der Lage durch den Leitenden Polizeidirektor Karsten Fehring: Fehring hatte gesagt, das Verhalten des Beamten sei völlig inakzeptabel und in keiner Weise zu entschuldigen.

Dazu erklärte Polizeisprecherin Corinna Koptik: „Vorwürfe gegen Beamte wegen Körperverletzung werden intensiv untersucht. Hier geht es um den Ruf der polizeilichen Arbeit und da gibt es keine Kompromisse.“ So hatte es der Behördenleiter bereits am Dienstag erklärt.

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