BorgholzhausenGefahr Toter Winkel: Diese Feuerwehr macht Fahrzeuge sicherer

Vier Borgholzhausener Fahrzeuge sind jetzt mit sogenannten Abbiegeassistenten ausgestattet. Zusätzlich zur Kamera verfügt das System über Warnleuchte und Signalgeber.

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Ralf Vieweg (Allgemeiner Vertreter des Bürgermeisters/von links), Steffen Heidmann (Leiter Team Ordnung) und Udo Huchtmann (Leiter der Feuerwehr) stellen das System der Abbiegeassistenten an einem der nun ausgerüsteten Fahrzeuge vor. - © Freiwillige Feuerwehr Borgholzhausen
Ralf Vieweg (Allgemeiner Vertreter des Bürgermeisters/von links), Steffen Heidmann (Leiter Team Ordnung) und Udo Huchtmann (Leiter der Feuerwehr) stellen das System der Abbiegeassistenten an einem der nun ausgerüsteten Fahrzeuge vor. © Freiwillige Feuerwehr Borgholzhausen

Borgholzhausen. Jedes Jahr kommt es im Straßenverkehr zu schweren Unfällen mit Fußgängern und Radfahrern, die sich beim Rechtsabbiegen von Lkw in deren Toten Winkel befinden und dann vom Großfahrzeug erfasst und verletzt oder gar getötet werden. Grund genug für die Feuerwehr Borgholzhausen, einen Teil ihrer Einsatzfahrzeuge mit speziellen Assistenz-Systemen ausrüsten zu lassen, die das Unfallrisiko verringern sollen.

Gefördert wird die Maßnahme dabei durch das Projekt Abbiegeassistenten (AAS) des Bundesministeriums für Digitales und Verkehr (BMVI). Allein 2019 gab es in Deutschland 9.906 Unfälle mit Personenschaden beim Rechtsabbiegen. Zumeist war die Ursache der Tote Winkel, in dem Fußgänger und Radfahrer nicht vom abbiegenden Fahrzeugführer wahrgenommen werden können.

Höheres Unfallrisiko bei Einsatzfahrten

„Bei Fahrten mit Blaulicht und Martinshorn ist das Unfallrisiko im Vergleich zu einer normalen Fahrt sowieso schon um ein Vielfaches erhöht", sagt der Leiter der Feuerwehr Borgholzhausen, Udo Huchtmann. „Deshalb haben wir nach einer Möglichkeit gesucht, unseren Fahrern eine technische Unterstützung anzubieten, die die Sicherheit bei Fahrzeugbewegungen erhöhen kann", so Huchtmann.

Ralf Vieweg als Radfahrer verdeutlicht, was der Abbiegeassistent leisten kann. Kamera, Warnleuchte und Signalton zeigen an, dass er sich neben dem Fahrzeug befindet. - © Freiwillige Feuerwehr Borgholzhausen
Ralf Vieweg als Radfahrer verdeutlicht, was der Abbiegeassistent leisten kann. Kamera, Warnleuchte und Signalton zeigen an, dass er sich neben dem Fahrzeug befindet. (© Freiwillige Feuerwehr Borgholzhausen)

Gemeint ist damit der sogenannte Abbiegeassistent (AAS). Er besteht aus einem kombinierten Kamera- und Radarsensor, der an der vorderen rechten Ecke des Lkw befestigt wird und einem Kamerabildschirm mit integriertem Lautsprecher und optischer Warnanzeige im Inneren der Fahrerkabine.

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Das System ist bis zu einer Fahrtgeschwindigkeit von 30 km/h aktiv und überwacht dabei ständig den Bereich rechts neben dem Fahrzeug. Wird ein sich bewegender Fußgänger oder Radfahrer vom System erkannt und das Feuerwehrfahrzeug hat in diesem Moment den Blinker rechts gesetzt oder das Lenkrad nach rechts eingeschlagen, ertönt ein lauter Warnton im Fahrzeug und eine rote Lampe leuchtet auf.

Zusätzlich zum Warnton und der roten Lampe wird das Kamerabild auf dem Monitor im Fahrzeug angezeigt, so dass der Raum neben dem Fahrzeug besser überblickt werden kann. Laut Unfallforschung der Versicherer könnten durch Abbiegeassistenten in Lkw und schweren Nutzfahrzeugen bis zu 60 Prozent der Abbiege-Unfälle in Deutschland verhindert werden.

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Diese hohe Zahl zeigt, wie effektiv die Systeme arbeiten. Der Einbau des neuen Assistenzsystems in vier Fahrzeuge der Feuerwehr Borgholzhausen wurde durch das Bundesministerium erheblich gefördert. „So bleibt für die Stadt Borgholzhausen pro Fahrzeug lediglich ein Eigenanteil von 600 Euro, der gut in die Sicherheit der Feuerwehrleute und der Fußgänger und Radfahrer in Borgholzhausen investiert ist", weiß Ordnungsamtsleiter Steffen Heidmann zu den Zahlen zu berichten.

„Ab Juli 2024 sind Systeme dieser Art bei neu zugelassenen Lkw sowieso gesetzlich vorgeschrieben. Um unseren Bestandsfahrzeugen auch dieses Mehr an Sicherheit zukommen zu lassen, haben wir uns für die Nachrüstung entschieden", ergänzt Huchtmann.

2023 sind alle Fahrzeuge ausgerüstet

Nach Abschluss der Montagearbeiten wird nun nach und nach eine Einweisung der Blauröcke in das neue System erfolgen. Für 2023 plant die Feuerwehr auf jeden Fall bereits die Ausrüstung ihrer restlichen Bestandsfahrzeuge mit identischen Systemen.

Außen am Fahrzeug deutet nur das kleine rote Gehäuse mit der Kameralinse auf das verbaute System hin. - © Freiwillige Feuerwehr Borgholzhausen
Außen am Fahrzeug deutet nur das kleine rote Gehäuse mit der Kameralinse auf das verbaute System hin. (© Freiwillige Feuerwehr Borgholzhausen)

Die Freiwillige Feuerwehr Borgholzhausen wurde im Jahre 1876 gegründet. Heute umfasst sie den Löschzug Stadt und den Löschzug Bahnhof, eine Jugendfeuerwehr und einen Musikzug. Insgesamt hat die Feuerwehr 150 Mitglieder.

Leiter der Wehr ist seit 1998 Stadtbrandinspektor Udo Huchtmann, seine Stellvertreter sind Stadtbrandinspektor Jens Eickmeyer und Stadtbrandinspektor Stefan Schlüter. Jährlich werden die Borgholzhausener Feuerwehrleute zu rund 100 Einsätzen verschiedenster Art alarmiert. Dazu zählen neben technischen Hilfeleistungen und Brandbekämpfungen auch besondere Einsätze der ABC-Abwehr oder der überörtlichen Hilfe.

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