BorgholzhausenSchlacht um Gewerbegebiet endet mit einem Beschluss

Nach vier Jahren voller Diskussionen, Untersuchungen und Gutachten ist der Schlusspunkt für das Gewerbegebiet Am Stadtgraben ganz nah. Bei der Initiative Hamlimgdorf bleiben Zweifel und Befürchtungen.

Andreas Großpietsch

Der südliche Bereich der Stadt Borgholzhausen hat sich verändert und wird das auch weiterhin tun. In der Sitzung am Mttwochabend wurden allerdings etliche Pflöcke eingeschlagen. - © Ulrich Fälker
Der südliche Bereich der Stadt Borgholzhausen hat sich verändert und wird das auch weiterhin tun. In der Sitzung am Mttwochabend wurden allerdings etliche Pflöcke eingeschlagen. © Ulrich Fälker

Borgholzhausen. Der Mittwoch präsentierte sich als einer dieser heißen Sommertage, die abends in eine Art von wohliger Ermattung enden. Und entgegen jeder Erwartung passte am Mittwochabend das Geschehen im Saal des Gemeindehaus genau zu dieser Stimmung. Mit dem Unterschied, dass der Kampf um das Gewerbegebiet nicht nur einen Tag, sondern jetzt schon vier Jahre andauert. Zwischendurch wurden die Töne auch schon mal schriller, die Debatten hitziger. Doch am Ende steht jetzt ein Beschluss des Bauausschusses, für den sich eine große Mehrheit der Piumer Politik ausspricht. Fazit: Es wird eine Gewerbeansiedlung geben, aber sie wird kleiner, als sie einmal geplant war. Wortgleich dasselbe gilt für die Straße, die das Gebiet erschließ soll.

Diese Straße sorgt besonderer Weise dafür, dass sich die Mitglieder der Initiative Hamlingdorf Sorgen machen. Das gilt vor allem für die Menschen, die in den Straßen Großes und Kleines Moor wohnen. „Die Optionen sind unsere größte Sorge. Wir haben das Gefühl, dass es um eine Umgehungsstraße geht", formuliert es Michael Jenß in einer Sitzungsunterbrechung, in der die Mitglieder der Initiative zu Wort kommen.

Schüco hat eigene Pläne

Vom reinen Anteil der gesprochenen Worte ist es der Abend von Dirk Tischmann. Der Planer hat für den Bereich eine ganz neue Richtung entwickelt, nachdem die Firma Schüco erklärt hatte, dass ihre im Prinzip bereits genehmigte Riesen-Erweiterung im Hamlingdorfer Tal nicht mehr ihrer Zukunftsplanung entspricht. Und dass sie bereit ist, einen guten Teil der Flächen zu verkaufen. Allerdings hat sie auch eigene Pläne im Gewerbegebiet.

Das betrifft vor allem ein Grundstück neben dem sogenannten Werk 3 am Barenbergweg. Das Werk verzeichnet rege Nachfrage und muss in absehbarer Zeit vergrößert werden. Dafür ist Platz zwischen den Bestandshallen und der geplanten Straße. Am Ende des Schüco-Werksgeländes schwenkt die neue Straße nach rechts ab in Richtung Wohnbebauung und freie Landschaft. Doch bei diesem stumpfen Ende soll es nicht bleiben, daraus haben Stadt und Politik nie einen Hehl gemacht.

Lange und intensiv geführte Debatte

Die Optionen, die über diese Straße erschlossen werden sollen, heißen Wohngebiet Hamlingdorf und Süderweiterung Bartling. Volker Bartling, der die Sitzung verfolgte, sagte anschließend: „Wo genau diese Straße angebunden wird, ist für uns im Prinzip egal." Dass er sie gern hätte,wenn sich das Unternehmen positiv entwickelt, verhehlt er aber nicht.

Die Mitglieder der Initiative nehmen ihm das persönlich nicht unbedingt übel – am Ende fahren alle zusammen per Rad zurück in Richtung Hamlingdorf. Das ist sicher ein erheblicher Pluspunkt, der sich am scheinbaren Ende der lange und intensiv geführten Debatte zeigt. Scheinbares Ende, weil nach dem zu erwartenden positive Ratsbeschluss am 1. Juli der Weg frei für eine Klage ist. Eine solche Normenkontrollklage beschäftigt sich immer sehr stark mit der Frage, ob die Rechte aller Beteiligten gewahrt wurden.

Immer neue Fragen tauchen auf

Auch deshalb ist die Vorlage zu diesem Tagesordnungspunkt auf mehr als 1.000 Seiten aufgebläht. Allerdings ist nicht alles neu, betont Dirk Tischmann. So gab es zunächst ein Verkehrsgutachten, das aber noch mehrere Nachfolgexpertisen aufweist, weil neuen Fragen auftauchten.

„Ein Großteil der Kritik ist nicht berechtigt", fasste Planer Tischmann das Ergebnis der Würdigung der verschiedensten Einwendungen zusammen. Von Seiten der beteiligten Behörden seien zu den Planungen höchstens Änderungswünsche in Details gekommen. Auch er sehe die Betroffenheiten der Menschen, die in der Nachbarschaft wohnen, sagte Tischmann, verwies aber sogleich auch auf die erheblichen Nutzungseinschränkungen.

Zwei BU-Stimmen für das Gewerbegebiet

„Die BU hat intensiv und sehr kritisch diskutiert", sagte Christian Poetting. Und wartete dann mit der überraschendsten Nachricht des Abends auf: „Das wird sich in der Abstimmung niederschlagen." Am Ende waren unter den zehn Befürwortern auch zwei von den Unabhängigen, während Markus Kemper (Grüne), der früher für das Gewerbegebiet war, jetzt eine der drei Gegenstimmen abgab. Die nötige Flächennutzungsplanänderung ging im Anschluss glatt durch.

Kommentar

Ende gut, nicht alles gut

• Ein Restzweifel, ob das Projekt Stadtgraben doch noch beklagt und dadurch zumindest erheblich verzögert wird, bleibt. Und auch die Verhandlungen mit Grundstücksbesitzern sind von fertig noch ein Stück entfernt. Doch der wahre Grund, warum am Ende nicht alles gut sein kann, liegt in der Natur der Sache. Es gibt gute Argumente für das Gebiet: den Mangel an Entwicklungsmöglichkeiten von kleinen heimischen Betrieben, die Notwendigkeit, eine Planungsaltlast zu beseitigen.
Natürlich gibt es auch gute Gründe, die Planung fallen zu lassen. Dass so viele davon in der Diskussion eine Rolle gespielt haben, ist sicher der Verdienst der Initiative Hamlingdorf. Ihr Widerstand hat Denkprozesse angeregt, hat dazu geführt, dass Ratsmitglieder ihr Abstimmungsverhalten ändern und nicht zuletzt dazu, dass die Planung in vielen Punkten entschärft worden ist. Und obwohl es kaum zu beweisen sein wird, so wird die Diskussion künftige Beratungen beeinflussen.
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