LokalsportWarum ein beliebter Citylauf der Region auch in Paraguay ein Hit ist

Zum zweiten Mal nach 2020 findet die Nacht von Borgholzhausen digital statt. Das macht es einem Pfarrer in Asuncíon leicht, an dem Wettbewerb teilzunehmen. Überhaupt hat Christian Stephan eine ganz besondere Beziehung zum Altkreis.

Dennis Bleck

So sah es zuletzt im Jahr 2019 an der Startlinie der Nacht von Borgholzhausen aus. Schon im vergangenen Jahr fand das Event virtuell statt. - © Henrik Martinschledde
So sah es zuletzt im Jahr 2019 an der Startlinie der Nacht von Borgholzhausen aus. Schon im vergangenen Jahr fand das Event virtuell statt. (© Henrik Martinschledde)

Borgholzhausen/Asuncíon. Christian Stephan hat viel zu tun. Gerade in Corona-Zeiten ist der 39-Jährige gefordert. Als Familienvater. Als Ehemann. Vor allem aber als Seelsorger. Christian Stephan ist Pfarrer. In einer evangelischen Gemeinde in Asuncíon, der Hauptstadt Paraguays. Das südamerikanische Land erlebt seine bisher schlimmste Phase der Pandemie. Und Christian Stephan dadurch seine arbeitsintensivste Zeit.

Die Fallzahlen in Paraguay steigen. Und auch die Zahl an Virus-Toten nimmt zu. Gleichzeitig geht’s beim Impfen nicht voran. Christian Stephan führt mit seinen Gemeindemitgliedern viele Gespräche. Über das Leben. Über den Tod. Über Hoffnung. Und Rückschläge. Sein Ausgleich ist das Laufen. Dabei schaltet er ab. Blendet die Geschehnisse aus. „Ich brauche das manchmal einfach, um klarzukommen", sagt er.

2016 kommt Christian Stephan zum ersten Mal in den Altkreis

Dabei läuft Christian Stephan mal privat. Ganz für sich. Oder er nimmt an Wettkämpfen teil, die es coronabedingt derzeit natürlich kaum gibt. Höchstens virtuell. Für einen solchen hat sich der Geistliche nun angemeldet. Nicht in Acunsíon – nicht einmal in Paraguay. Sondern rund 10.500 Kilometer davon entfernt, im Altkreis findet dieser statt. Zum zweiten Mal nach 2020 zwingt Corona „Die Nacht von Borgholzhausen" in die Knie. Zum zweiten Mal findet der beliebte Citylauf deshalb nur digital statt. Gut für Christian Stephan: Denn zum zweiten Mal kann er daran teilnehmen, ohne ein Flugzeug zu besteigen.

2016 kam Christian Stephan in den Altkreis. Für rund zwei Jahre lebte er mit seiner Frau und den Kindern Amelié (9) und Agustìn (6) in Halle. Er hat sich in die Region verliebt. Noch immer tauscht er sich mit alten Weggefährten von damals aus. Probleme mit der Sprache hatte Christian Stephan übrigens nie: Seine Großeltern waren Deutsche.

LC Solbad liegt dem Pfarrer "sehr am Herzen"

Im Rahmen eines Austausch-Projekts war Christian Stephan nach Künsebeck entsandt worden, um dort in der Gemeinde zu arbeiten. In der Zeit knüpfte der Mann, der in Buenos Aires in Argentinien geboren wurde, viele Kontakte. Auch zum LC Solbad Ravensberg. Ein Verein, der dem Pfarrer seitdem „sehr am Herzen liegt", wie er sagt.

Von 2016 bis 2018 war Christian Stephan Austausch-Pfarrer in Künsebeck. - © Florian Gontek
Von 2016 bis 2018 war Christian Stephan Austausch-Pfarrer in Künsebeck. (© Florian Gontek)

Logisch also, dass er die „Nacht@home", so die offizielle Bezeichnung, gerne mitläuft und der digitalen Veranstaltung viel Positives abgewinnen kann: „Die Pandemie hat uns schließlich gezeigt, wie wichtig es ist, mit anderen Leuten in Kontakt zu bleiben", sagt er. Und virtuelle Formate hätten vielen Menschen geholfen, die schwere Corona-Zeit zu überstehen. „Auch der LC Solbad leistet mit seiner Veranstaltung seinen Beitrag dazu", sagt Christian Stephan.

Gleichzeitig räumt der gebürtige Argentinier natürlich ein, „dass eine solche Veranstaltung den echten Präsenzlauf nicht ersetzt". Er sagt: „Der Mensch braucht Umarmungen. Er braucht den persönlichen Kontakt. Einfach die Nähe."

Rückkehr in den Altkreis ist nicht ausgeschlossen

Christian Stephan wird bei der virtuellen Nacht über zehn Kilometer starten. Wie im vergangenen Jahr auch. Ein Wunschergebnis hat er nicht. Er will einfach laufen. Auf einer seiner Lieblingsstrecken in seiner Heimatstadt. Dort fühlen er und seine Familie sich nach seiner Rückkehr aus Deutschland wohl. „Wir haben uns wieder gut eingelebt", sagt er.

Allerdings gibt Christian Stephan zu, dass er Deutschland vermisst. Ob er also irgendwann in den Altkreis zurückkehrt? Ausschließen möchte er das nicht. Er habe erlebt, wie gut es sein kann, hier zu arbeiten, sagt er. „In Deutschland wird man als evangelischer Pfarrer viel mehr wahrgenommen als in Südamerika, wo die Katholiken traditionell mehr Relevanz genießen", erklärt er. Auch das strukturierte Leben hier hat er genossen. Trotz der ganzen Arbeit. Denn viel beschäftigt war Christian Stephan in Künsebeck auch. Ganz ohne Corona-Pandemie.

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