BorgholzhausenKann sich Pium mit den Großen messen? Das wird sich im "Wattbewerb" zeigen

Borgholzhausen nimmt am „Wattbewerb – Faktor 2“ teil. Im Umweltausschuss gab es vor der Entscheidung eine lange Diskussion, wie sinnvoll das ist. Am Ende unterlagen die Skeptiker klar.

Andreas Großpietsch

Photovoltaik hat ihr einst exotisches Image schon lange hinter sich gelassen. Sie ist verbreitet, aber noch lange nicht zum Massenphänomen geworden. Immer wieder lässt sich beobachten, dass sich in der Nachbarschaft Nachahmer finden, wenn ein Anfang gemacht ist – so wie hier in der Siedlung Holtfeld. Aber in Borgholzhausen sind noch viele Dächer frei. - © Andreas Großpietsch
Photovoltaik hat ihr einst exotisches Image schon lange hinter sich gelassen. Sie ist verbreitet, aber noch lange nicht zum Massenphänomen geworden. Immer wieder lässt sich beobachten, dass sich in der Nachbarschaft Nachahmer finden, wenn ein Anfang gemacht ist – so wie hier in der Siedlung Holtfeld. Aber in Borgholzhausen sind noch viele Dächer frei. © Andreas Großpietsch

Borgholzhausen. Dass die Wende hin zu erneuerbaren Energien weltweit kommen muss, ist zumindest bei den Parteien im Stadtrat unbestritten. Doch über den besten Weg dahin und welchen Anteil die Stadt Borgholzhausen daran haben sollte, kann man sich schon auseinandersetzen. Das zeigte sich im Umweltausschuss an der langen und kontroversen Diskussion zum Thema „Wattbewerb – Faktor 2" der Stadtwerke Karlsruhe. Die CDU hat beantragt, dass Borgholzhausen daran teilnehmen soll – und erhielt überraschend viel Gegenwind.

Vor allen Dingen SPD und FDP fanden die Teilnahme überflüssig und fürchteten, dass die ohnehin schon stark belastete Verwaltung noch Arbeit aufgebürdet bekommen könnte. Allerdings ist der Aufwand überschaubar, seit es das Marktstammdatenregister gibt, aus dem sich die Werte leicht ablesen lassen.

Gibt es eine Chance auf den Sieg?

Es gab auch Bedenken hinsichtlich der Siegchancen. Der Wettbewerb ist zu Ende, wenn es einer Stadt gelingt, die Leistung ihrer installierten Photovoltaikkraftwerke zu verdoppeln. Bei genauerem Nachdenken zeigte sich, dass Borgholzhausen ziemlich gute Startchancen hat. Denn Stichtag ist der 31. Dezember 2020.

Es gibt schon etliche Photovoltaikanlagen in Borgholzhausen. Doch deutliche Steigerungen sind möglich. - © CDU Borgholzhausen
Es gibt schon etliche Photovoltaikanlagen in Borgholzhausen. Doch deutliche Steigerungen sind möglich. (© CDU Borgholzhausen)

Und seitdem hat sich schon einiges getan: Auf dem Dach der Spedition B+S ist das erste Drittel einer sehr großen Anlage installiert worden und der Rest soll baldmöglichst folgen. Die Firma Westfalia will bei ihrem geplanten Neubau ebenfalls stark auf die Nutzung der Sonnenenergie setzen. Und auch Privatleute investieren derzeit gerne besonders nachhaltig.

Rietberg ist dabei

Zu gewinnen gibt es beim „Wattbewerb" nur Ruhm und Ehre – jedenfalls vordergründig. Und ob sich Borgholzhausens Hausbesitzer von dem Gedanken anspornen lassen, dass sie mit dem Bau einer Photovoltaikanlage auf dem Dach ihres Hauses die Siegchancen der Stadt in einem Wettbewerb erhöhen, wurde stark angezweifelt.

Mit im Wettbewerb vertreten ist bislang aus dem Kreis Gütersloh nur die Stadt Rietberg. Aber aus der Region haben sich auch Münster, Osnabrück und Lippstadt angemeldet. Durch Größe und Einwohnerzahl ändert sich allerdings wenig an den Siegchancen der Teilnehmer. Denn die Verdoppelung der installierten Leistung ist in keinem Ort eine ganz triviale Sache.

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Kommentar

Es gibt viel zu gewinnen

Ohne jeden Zweifel hat sich bei der Energiewende schon viel getan – doch genug ist das noch lange nicht. Diese Erkenntnis gilt im kleinen Städtchen am Teuto genauso wie in der großen Bundesrepublik sowie dem noch viel größeren Rest der Welt. Das Bundesverfassungsgericht hat gerade erst festgestellt, wie die nationalen Bemühungen einzuschätzen sind. Fast alle Parteien im Bundestag stimmen ihm da zu.

Borgholzhausens Möglichkeiten im Bereich der Erneuerbaren sind eingeschränkt: Biogasanlagen gibt es schon genug und für mehr Windräder gibt es wohl überhaupt keinen Platz.

Bleibt also neben Energiesparen nur die Photovoltaik als Ansatz. Die Stadt wirbt mit Nachdruck bei Firmen und Häuslebauern und hat damit Erfolg. Doch ganz viele Dächer sind noch leer. Um die Hauseigentümer zu überzeugen, braucht es ständige Informationen, sichtbare Vorbilder und fähige Berater.

Und es braucht ein noch positiveres Image. Das Elektroauto mit eigenem Dachkraftwerk sollte angesagter Lifestyle sein und keine Nische für Ökospinner. Alles, was einem positiven Image der eigenen Stromversorgung dient, ist sinnvoll – notfalls auch eine Urkunde im „Wattbewerb".

Von Andeas Großpietsch

Man darf allerdings annehmen, dass kleinere Städte größere Chancen haben, weil dort Einzelvorhaben viel verändern können. Borgholzhausens Voraussetzungen werden schlechter, weil schon viel passiert ist. 343 installierte Anlagen gab es am 1. Januar dieses Jahres. Das entspricht einer installierten Leistung von genau 8.400,59 Kilowatt Peak. Pro Einwohner sind es derzeit ungefähr 0,953 Kilowatt Peak an installierter Leistung.

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