BorgholzhausenÖkostrom für Borgholzhausen: Warum billiger Strom langfristig zu teuer ist

Ohne große Diskussion entscheidet sich der Hauptausschuss für Ökostrom mit Zertifikat als Bezugsquelle für die Stadt. Das verursacht Mehrkosten. Aber Borgholzhausen steht damit nicht mehr allein da im Kreis Gütersloh.

Andreas Großpietsch

Wie groß der Neubau von B+S wirklich ist, erahnt man nur durch den Vergelich zu den Autos. Das Bild entstand bereits vor einigen Wochen bei der Fertigstellung der Solaranlage auf dem Dach. - © b+s Logistik GmbH
Wie groß der Neubau von B+S wirklich ist, erahnt man nur durch den Vergelich zu den Autos. Das Bild entstand bereits vor einigen Wochen bei der Fertigstellung der Solaranlage auf dem Dach. © b+s Logistik GmbH

Borgholzhausen. Der öffentlichen Hand kommt sicher eine Vorbildfunktion zu, wenn es darum geht, CO 2 einzusparen, wo immer das möglich ist. Zugleich ist natürlich das Prinzip der sparsamen Verwendung von Steuermitteln ein grundlegendes Gebot für die gewählten Frauen und Männer, die über das entscheiden, was diese öffentliche Hand so macht. Die sparsamste Lösung muss allerdings nicht immer die beste sein. Beim Thema Ökostrom zum Beispiel sind sich in Borgholzhausen alle Parteien einig – der Beschluss ist einstimmig.

Das liegt vielleicht auch daran, dass Ökostrom der höchsten Preisklasse nicht besonders viel teurer ist als der herkömmliche Strommix. 5.700 Euro muss die Stadt voraussichtlich mehr für ihren Strom bezahlen, weil sie sich für die Variante „Ökostrom mit Neuanlagenquote von 33 Prozent" entschieden hat. Angesichts des erwarteten Gesamtpreises in Höhe von 248.400 Euro pro Jahr eine Ausgabe, die tragbar erscheint.

Links zum Thema

Logistiker schlägt grünen Kurs ein: B+S reduziert CO2

Kreis Gütersloh organisiert den Gemeinschaftseinkauf

Ganz genaue Zahlen konnte die Verwaltung in ihrer Vorlage nicht liefern – das liegt an der Art, wie Borgholzhausen seine Stromlieferung organisiert. „Wir nehmen jetzt bereits zum dritten Mal an der europaweiten Ausschreibung des Kreises Gütersloh teil", erklärt Kämmerin Elke Hartmann. Das hat zwei Gründe. Zum einen bedeutet eine solche europaweite Ausschreibung – die übrigens vorgeschrieben ist – einen erheblichen bürokratischen Aufwand.

Zum anderen sind bessere Preise zu erwarten, wenn man größere Mengen einkauft. Deshalb sind neben dem Kreis Gütersloh als Organisator auch die Städte Rietberg und Schloß Holte-Stukenbrock sowie die Gemeinden Herzebrock-Clarholz und Langenberg mit dabei. Und auch der Wertkreis Gütersloh erwartet bessere Preise durch die Beteiligung am Verfahren.

Erhebliche Vorteile für die Umwelt

Doch bevor die Ausschreibung gestartet werden kann, müssen sich die Verfahrensbeteiligten entscheiden. „Es steht noch nicht überall fest, aber tendenziell scheinen sich alle für den Ökostrom entscheiden zu wollen", sagt Elke Hartmann nach Gesprächen mit ihren Kollegen. Die zu erwartenden Vorteile für die Umwelt sind ganz erheblich, ergibt der Vergleich unterschiedlicher Angebote.

Zurzeit wird die Stadt Borgholzhausen mit Strom aus dem herkömmlichen Strommix versorgt. Lieferant sind die Stadtwerke Gütersloh, die durchaus für Anstrengungen auf dem Gebiet ökologischer Stromerzeugung bekannt sind. Immerhin weist ihr „herkömmlicher Strommix" bereits heute einen Anteil von 60,3 Prozent erneuerbarer Energie aus.

Kunden fordern 100 Prozent Ökostrom

Aber eben auch 24,4 Prozent Strom aus Kohle, 7,4 Prozent aus Atomkraft sowie 5,4 Prozent aus Erdgas. Die Verbesserung gegenüber dem Jahr 2014, als die Stromlieferung zum letzten Mal ausgeschrieben wurde, ist augenfällig: Damals lag der garantierte Ökostromanteil nur bei 37,8 Prozent. Wie die Entwicklung weitergegangen ist, zeigt die Tatsache, dass die Kunden inzwischen 100 Prozent Ökostrom fordern. Und selbst dabei gibt es noch einen wichtigen Unterschied.

Denn Ökostrom ist längst nicht Ökostrom. Unterschieden wird der Bezug von elektrischer Energie aus Altanlagen sowie aus einem Angebot mit dem zusätzlichen Gütesiegel, das verspricht: 33 Prozent dieses Stroms stammen aus Neuanlagen. „Neu" heißt beim Strom aus Wind und Sonne zum Beispiel, dass die Anlagen nicht älter als vier Jahre sein dürfen.

Bei den 1,14 Millionen Kilowattstunden, die jährlich von insgesamt 60 Abnahmestellen der Stadt Borgholzhausen bezogen werden, ist dieser nicht unwichtige Unterschied für 0,5 Cent pro Kilowattstunde zu haben. Das gute Gewissen, dass durch den städtischen Stromverbrauch weder CO2 freigesetzt noch Atommüll produziert wird, ist dabei bereits im Preis enthalten.

Info

Wieso nur ein Drittel des Dachs bei B+S genutzt wird

• Mit der Photovoltaikanlage auf dem Dach ihres neuen, 30.000 Quadratmeter großen Logistikzentrums an der A 33 setzt die B+S GmbH Maßstäbe. Allerdings nicht gleich im ersten Jahr.
• Daran trägt das Unternehmen keine Schuld. Der Grund dafür sind die gesetzlichen Regeln, die derzeit noch den Ausbau der Photovoltaik bremsen.
• Wer eine Anlage errichten möchte, die mehr als 750 Kilowattstunden Leistung hat, muss an einer Ausschreibung mit begrenzten Mengen teilnehmen. Das gilt auch, wenn Eigenverbrauch geplant ist.
• Ein rechtlich korrekter Weg aus dieser Zwickmühle ist es, drei 750-kW-Anlagen in drei verschiedenen Jahren zu bauen.
• B+S hat die nächsten Ausbauschritte deshalb in die Jahre 2022 und 2023 verschieben müssen, wäre aber eigentlich gern viel schneller gewesen.
Kommentare

Um Ihren Kommentar abzusenden, melden Sie sich bitte an.
Sollten Sie noch keinen Zugang besitzen, können Sie sich hier registrieren.

Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Nutzungsbedingungen für die Kommentarfunktion an.